07.09.2016

Prima Klima für Orchideen

Bremkens Orchids stockt Gewächshaus auf

Matthias und Peter Bremkens freuen sich über den gelungenen Umbau.
Foto: Aldenhoff

Großbaustelle in Geldern am Niederrhein: 5 000 m² Venloblock werden geliftet. So etwas sieht man nicht alle Tage, es sei denn, man ist bei der niederländischen Firma van den Dool angestellt, die sich auf das Aufstocken von Gewächshäusern spezialisiert hat. Familie Bremkens, bekannt für ihre Orchideen, hatte im Sommer die Firma bestellt, um das Klima für ihre Kulturen noch weiter zu optimieren.

Bremkens Orchids, wie der international aktive Jungpflanzenlieferant, Züchter und Produzent von Fertigware inzwischen heißt, bewirtschaftet 30 000 m² Gewächshausfläche. Ein kleiner Teil davon sind noch deutsche Normgewächshäuser, die sich für die Züchtung eignen. Der Rest sind Venloblocks mit unterschiedlichen Stehwandhöhen. Die jüngst gelifteten 5 000 m² hatten ursprünglich eine Stehwandhöhe von 3,75 m. Nicht schlecht für die Anzucht von Orchideenjungpflanzen und die Kultur von Fertigware. Aber schließlich lässt sich immer noch etwas optimieren.

„Viele unserer Jungpflanzenkunden, vor allem in den Niederlanden, kultivieren bereits mit 6 m Stehwandhöhe und sind sehr zufrieden mit dem noch gleichmäßigeren Klima“, erläutert Seniorchef Matthias Bremkens, „da wollen wir einfach mitziehen und natürlich auch unsere Erfahrungen sammeln.“ Gerade als Jungpflanzenlieferant wolle man in einem umkämpften Markt Modernität und Vertrauenswürdigkeit ausstrahlen. Die Kunden sollen sicher gehen können, „dass wir das Beste für unsere Jungpflanzen tun“, so der Senior, der zum 1. Juli dieses Jahres den Betrieb offiziell an seinen Sohn Christian übergeben hat, aber weiterhin im Unternehmen aktiv ist.

Von der höheren Stehwand verspricht man sich ein noch gleichmäßigeres Klima im Gewächshaus. Pro Quadratmeter hat man nun, gegenüber der alten Stehwandhöhe, gut 2 m³ mehr Luftraum über den Pflanzen. 4,5 m liegen nun zwischen Pflanzen und Energieschirm. Durch das größere Luftvolumen werden Schwankungen in Temperatur und Luftfeuchtigkeit abgepuffert. Orchideen brauchen konstante Temperaturen von 28-29 °C und eine Relative Luftfeuchtigkeit von 65-70 % rund um die Uhr. Schwankungen beispielsweise durch starke Sonneneinstrahlung sind nicht erwünscht. Auch der Lichtbedarf ist endlich, wenn die Tageslichtsumme durch Einstrahlung erreicht ist, werden die Energieschirme geschlossen, denn mehr Licht könnten die Pflanzen nicht verarbeiten.

Dies ist auch ein Grund, weshalb sich die Familie Bremkens beim Gewächshausumbau an der Südwand für Isolierpanelen statt Glas auf der vollen Giebelhöhe entschieden hat. An der Westseite reichen die Isolierpanelen 2 m hoch, darüber geht es mit Glas weiter. Außen sind die Isolierpanelen dunkelgrün gehalten, sodass sich das Gebäude gut in die Landschaft einfügt. Innen sind die Panelen weiß, sodass Licht reflektiert wird. Große Hitze wird also aus dem Gewächshaus raus gehalten, bei Bedarf kann belichtet werden. Lampen sind ohnehin ein Muss in der Orchideenkultur. Auch hier verspricht man sich eine Verbesserung durch die neue Höhe: die Lampen hängen künftig weiter oben, sodass das Licht gleichmäßiger verteilt sein wird und Schattenwurf durch die Binder, die übrigens weiß gestrichen sind, verringert wird.

Durch das Liften hat sich die Außenhaut des Gewächshauses vergrößert, sodass man von höheren Energiekosten ausgehen könnte. Da aber, wie geschildert, ein Teil der Außenhaut aus Isolierpanelen besteht, dürfte sich das in der Energiebilanz ausgleichen, ist Junior Peter Bremkens überzeugt. Der Bruder des frisch gebackenen Betriebsleiters ist Gärtnermeister und seit letztem Jahr im elterlichen Betrieb aktiv. Seit seinem Einstieg ist er mit der Projektplanung und Bauleitung der Gewächshauserhöhung beschäftigt.

Arbeitsschritte beim Gewächshausliften

Natürlich hätte man auch das alte Gewächshaus abreißen und ein neues bauen können. Aber das wäre noch teurer geworden. Aus den Niederlanden wusste Familie Bremkens von der Möglichkeit, ein bestehendes Gewächshaus liften zu lassen und hat sich letztlich für diese Lösung entschieden. Natürlich musste zuerst eine Baugenehmigung mit statischen Berechnungen her.

Um die Kultur nicht zu lange zu unterbrechen, wurde die Fläche halbiert und innerhalb von jeweils vier Wochen die jeweils 2 500 m² umgebaut. Dafür wurden zunächst die Scheiben der Seitenwände herausgenommen und die Stützen unten abgeschraubt. Dann wurden Behelfsstützen, sogenannte Luftdruckstempel unter die Gitterbinder gesetzt. Nun konnten Binder und Sprossen horizontal durchtrennt werden. Auch sämtliche Zuleitungen für Strom, Heizung, Fogsystem, Belichtung, Energieschirme usw. mussten gekappt werden. Darin und in dem späteren Wiederanschließen all dieser Systeme steckt besonders viel Arbeit.

Das eigentliche Liften kann nach dem Kappen sämtlicher Anschlüsse beginnen: Jeder Behelfsstütze wohnt ein Pneumatikzylinder inne, mit dessen Hilfe die Stütze 5 cm-weise ausgefahren werden kann. Reihe für Reihe wurden nun diese Luftdruckstempel um 5 cm angehoben. Größere Schritte sind nicht möglich, da das Dach komplett eingedeckt bleibt und sonst Verspannungen die Scheiben zum Bersten bringen würden. Dieses Liften dauerte zwischen 2,5 h und einem Tag pro 1 m Höhe. Als die gewünschte Höhe erreicht war, wurden die Behelfsstützen im Inneren des Gewächshauses durch neue weiße Binder ersetzt. An den Außenwänden wurden die ursprünglichen Binder durch Anschweißen einer Verlängerung mit Verstärkung auf 6 m gebracht. Als nächstes wurden die Stehwände aus Glas bzw. Isolierpanelen wieder montiert. Zuletzt wurden alle Anschlüsse wieder hergestellt, die Tische wieder im Gewächshaus verteilt und aufgeräumt. Ein bemerkenswertes Projekt, mit dem die junge Generation bei Bremkens Orchids in die Zukunft gestartet ist. „Für die nächsten 20 Jahre sollte dieses Gewächshaus wohl gerüstet sein“, meint Matthias Bremkens zufrieden.

Sabine Aldenhoff


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