15.06.2015

Renaissance der Hacktechnik

Neuentwicklungen führen dichter an Pflanzen heran

Lange Zeit galten sie als Stiefkinder der Landtechnik: Ihre Entwicklung schien ausgereizt und der Siegeszug der Herbizide schien sie auf dem Acker entbehrlich zu machen. Doch seit einiger Zeit bahnt sich eine Renaissance der Hackgeräte an. Der Grund ist zum einen, dass die Palette verfügbarer Mittel im Pflanzenschutz zusehends schmaler wird. Deshalb hält die Hacke jetzt auch wieder Einzug bei konventionell wirtschaftenden Betrieben. Im ökologischen Landbau und im Gemüse-Spezialanbau geht es ohnehin nicht ohne sie.

Zunehmend kommt die Sternrollhacke zum Einsatz. Unter der Bezeichnung „rotary hoe“ gehört sie in den USA schon seit Jahrzehnten zum Maisanbau. Sie verfügt über abrollende Werkzeuge mit löffelartigen Spitzen, die bei der Arbeit in den Boden eindringen und verkrustete Oberflächen brechen können. Die unerwünschten Beikräuter werden herausgerissen und an der Bodenoberfläche abgelegt, wo sie vertrocknen können. Das Gerät kann frühzeitig eingesetzt werden, denn es kann reihenunabhängig eingesetzt werden. Das sollte es aber auch, denn ältere Unkräuter werden nicht mehr sicher erfasst. Gerade in den empfindlichen Stadien der Gemüsekultur arbeitet das Gerät sehr kulturschonend. Kommt es vor allem auf die Unkrautregulierung an, kann auch gegenläufig gefahren werden. Auf Sandböden ist das allerdings nicht möglich, da das Gerät dann zu tief arbeitet und Schäden an den Kulturen verursachen kann. Um die jungen Gemüsepflanzen nicht zu beschädigen, ist außerdem der Einsatz von Stützrädern empfehlenswert. Für einen guten Arbeitseffekt ist es wichtig, dass die Sternradhacke mit hohen Geschwindigkeiten (bis 20 km/h) gefahren wird. Dann sind enorme Flächenleistungen möglich (bis 15 ha/h). Angeboten werden die Geräte in Arbeitsbreiten von 3 bis 15 m.

Sobald die Pflanzenreihen zu erkennen sind, kann gehackt werden. Mit der bekannten Scharhacke können eine Reihe von Zusatzelementen kombiniert werden. Während die Scharhacke den Boden zwischen den Reihen bearbeitet, greifen die Finger der Fingerhacke in die Pflanzenreihe hinein. Das setzt eine sehr genaue Einstellung voraus, um Pflanzenschäden zu vermeiden. Die Fingerhacke gehört seit langem zum Standardsortiment der Anbieter von Hacktechnik. Sie werden von den Herstellern maßgeschneidert für die Kulturen, die gehackt werden sollen. Bekannt sind die Gänsefußschare und S-Zinken, die zum Schutz der kleinen Pflanzen mit seitlichen Schutzschilden versehen werden. Mit L-Klingen lässt sich das Unkraut von den Reihen weghacken. Vibrozinken sollen für eine noch bessere Belüftung des Bodens sorgen. Bei Beetkulturen können auch Häufelkörper eingesetzt werden. Auch Spezialausstattungen wie Dünge- oder Sprühsysteme können hinzugefügt werden. Der Markt bietet kleine manuell geführte Hacksysteme mit einer Arbeitsbreite von 1,5 m bis zu Großgeräten mit 12 m in präzisionsgeführten Hochgeschwindigkeitssystemen (beispielsweise Robocrop von Garford).

Leistungssteigernd wirkt vor allem die GPS-Technologie. So kann die aktuelle Position auf dem Feld genau bestimmt werden und das Hackgerät lässt sich über den Bordcomputer steuern. Allerdings sind die Abweichungen im Feld noch zu groß, um ganz dicht an die empfindlichen Gemüsepflanzen heranhacken zu können. Mit Hilfe optischer Systeme lässt sich die Technik dagegen näher an die Reihe heranführen. Das funktioniert, sobald bei den Kulturen Reihen zu erkennen sind. Der Aufbau einer Kamera auf dem Rahmen der Hacke oder an der Front des Traktors ermöglicht die Vorausschau auf die Reihenstrukturen. Um die Werkzeuge jedoch exakt führen zu können, ist ein spezieller Rahmen erforderlich, auf dem die Werkzeuge seitlich verschoben werden können. Das funktioniert im Bereich von 4,5 bis 6 cm. Noch näher an die Reihe heran geht es nach wie vor nur mit der manuellen Feinsteuerung. Immerhin werden 80 % der Hackgeräte im Heckanbau noch so gesteuert. Zu den Neuentwicklungen gehören Präzisionshacken, die durch ihre Einstellmöglichkeiten und die exakte Arbeit auch das Hacken noch kleiner Gemüsepflanzen möglich machen. Dadurch sind frühe Einsatztermine möglich. Unabhängig davon, wie nun gesteuert wird – der Anbaurahmen hält nicht immer die Spur des Schleppers. Das gilt insbesondere im hängigen Gelände. Abhilfe soll hier der neue Verschieberahmen von Reichhardt schaffen. Der Verschieberahmen PSR SLIDE steht in zwei Gewichtsklassen zur Verfügung. Die Spurführung kann mit Hilfe eines hochgenauen RTK-Lenksystems als auch mit den Ultraschall-Sensoren von Reichhardt erfolgen. Das Lenksystem wird direkt am Verschieberahmen angebracht und kann mit handelsüblichen Isobus-Terminals bedient werden. Die Ultraschall-Sensoren brauchen Anhaltspunkte wie vorhandene Dämme, um sich orientieren zu können. Der Verschieberahmen kann eine Drift von ± 30 cm ausgleichen.

Die Techniker der Firma K.U.L.T (Kress Umweltschonende Land-Technik) beschäftigen sich mit dem computerunterstützten Hacken in der Reihe. Im Gemüseanbau, vor allem bei Salaten, wird diese Technik bereits erfolgreich eingesetzt und vermarktet. Zusammen mit der dänischen Firma Poulsen werden Maschinen von 4 bis 31 Reihen konstruiert. Eine Herausforderung der „Robovator“ genannten Entwicklung ist noch die Unterscheidung zwischen Kulturpflanzen und Beikräutern – vor allem, wenn beide gleich groß sind. Mit Blick auf die Agritechnica im November 2015 sind die Entwicklungsabteilungen der Hersteller dabei, neue und noch leistungsfähigere Hackgeräte zu entwickeln.

Thomas Gaul


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