06.06.2016

Resistenzen und Management

Als natürlicher Feind von Weißen Fliegen, Trauermücken und anderen Schädlingen ist diese Fliege (Coenosia attenuata) immer aktiv
Foto: Martin Suvák

Peter Detzel vom Beratungsdienst Nützlingseinsatz Nordbaden e.V begann sein Referat anlässlich des Hohenheimer Poinsettientags mit dem Hinweis, dass in seinem Umfeld rund 100 verschiedene Pflanzengattungen überwacht und pflanzenschutzlich betreut werden. Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass es in der Natur interessante Insekten gibt, die sich auf Schädlinge zur Nahrungsaufnahme eingespielt haben. Als Beispiel erwähnte er die Fliege Coenosia attenuata, die beispielsweise Weiße Fliegen und Trauermücken abfängt. Solche Nützlinge sind natürlich schützenswert und sollten nicht durch den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel vernichtet werden. Das bedeutet für die Praxis, dass stets Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden sollten, die Nutzorganismen schonen. Andererseits sollten auch immer gegen bestimmte Schädlinge die richtigen und optimal wirkenden Mittel verwendet werden.

Sehr wichtig ist also der Einsatz von nützlingsschonenden Mittel zur Bekämpfung von Schädlingen. Als Beispiel wurde erwähnt, dass bei einem Raupenbefall an Rotkohl zur Bekämpfung Mittel wie Karate Zeon oder Fasatac SC angewandt werden sollen. Bei einem Raupenbefall an Alpenveilchen ist zu überlegen, wie groß die Anzahl der Schädlinge in einem Bestand ist. Bei wenigen Raupen ist die Anwendung von Xen Tari auf der Basis von Bacillus thuringiensis zu empfehlen, bei einem späteren Befall die Mittel Steward oder Coragan und bei sehr vielen Raupen das Präparat Conserve oder Spin Tor. Wichtig ist also in allen Fällen des Pflanzenschutzes darauf zu achten, dass wohl wirksame Präparate eingesetzt werden, bevorzugt werden sollen jedoch die Präparate, die nützlingsschonend sind.

Nun spielen natürlich auch gewisse andere Eigenschaften im Pflanzenschutz eine gewisse Rolle, auf die besonders geachtet werden sollte. Das bezieht sich vor allen Dingen auf die Resistenzen. So gibt es immer wieder Beobachtungen, dass bestimmte Pflanzenschutzmittel bei manchen Schädlingen keine Wirkung zeigen. Als Ursache dafür wurde von Peter Detzel eine verzögerte Aufnahme oder ein beschleunigter Abbau des jeweiligen Präparates angeführt. Zu beachten ist auch, dass es so genannte multiple Resistenzen gibt. Diese Bezeichnung wird dann angewandt, wenn Individuen gegen zwei oder mehr Mittel resistent sind. Wie sich solche Resistenzen auswirken können, wurde von dem Referenten am Beispiel des Befalls von Poinsettien durch die Baumwoll-Weiße-Fliege geschildert. Dieser Schädling wurde erstmals in Europa 1987 festgestellt. Er wurde mit unbewurzelten Stecklingen aus den USA eingeschleppt und hatte damals bereits Resistenzen gegen verschiedene Wirkstoffe. Nachdem zunächst gewisse Präparate eine Wirkung gegen diesen Schädling zeigten, wurde bereits zwei Jahre später dieser Schädling mit besserer Wirkung durch den Einsatz von Nützlingen bekämpft. Besonders wirksam zeigten sich Schlupfwespen (Encarsia formosa), die bis heute mit Erfolg im Einsatz sind. Sofern trotz dem Einsatz dieser Nützlinge noch Korrekturen erforderlich sind, können Bekämpfungsmaßnahmen mit Neudosan oder NeemAzal durchgeführt werden.

Auf zwei wichtige Punkte wurde von Peter Detzel noch hingewiesen, die beim Einsatz von Pflanzenschutzmitteln unbedingt beachtet werden müssen. Das gilt zum Beispiel ganz besonders für den Bienenschutz. So sind heute sowohl bienengefährliche als auch bienenungefährliche Pflanzenschutzmittel im Einsatz. Je nach Gefährlichkeit werden sie einer entsprechenden Kategorie zugeordnet, was bei Pflanzenschutzmaßnahmen unbedingt beachtet werden sollte. Alle zugelassenen Pflanzenschutzmittel werden bzgl. der Bienengefährdung eingestuft und je nach Einstufung mit einem der folgenden Kennzeichnungen versehen:

    B1: Diese Mittel sind bienengefährlich und dürfen nicht auf blühende oder von Bienen beflogene Pflanzen ausgebracht werden. Diese Kennzeichnung gilt auch für die Bekämpfung von Unkräutern.
    B2: Auch diese Mittel sind bienengefährlich und dürfen bis zum Ende des täglichen Bienenfluges nicht eingesetzt werden. Sie dürfen aber anschließend, etwa ab 23 Uhr, angewandt werden.
    B3: Aufgrund der durch die Zulassung festgelegten Anwendungsvorschriften sind Bienen durch diese Präparate nicht gefährdet.
    B4: Diese Mittel sind ebenfalls bienenungefährlich, aber nur bis zur höchsten zugelassenen Aufwandmenge.

Maßgebend für diese Bestimmungen ist die Bienenschutzverordnung vom 22.07.1992.

Anschließend wies Peter Detzel noch auf die Zulassungsdauer von Pflanzenschutzmitteln hin, die ebenfalls immer beachtet werden sollte. So endet die Zulassung der Präparate immer nach einer bestimmten Zeit, auf die auch rechtzeitig aufmerksam gemacht wird. Zusätzlich wird dann darauf hingewiesen, wie lange noch ein Abverkauf möglich ist und bis zu welchem Termin die Aufbrauchfrist abgeschlossen sein muss. So endet z.B. die Zulassung für die Präparate Calypso und Funganil Gold am 31.12.2015. Danach ist ein Abverkauf noch bis 30.06.2016 möglich und für die Anwender endet die Aufbrauchfrist am 30.06.2017.

Zum Schluss machte Peter Detzel noch darauf aufmerksam, dass es bei Pflanzenschutzmittel auch zu Verwechslungen im Einsatz kommen kann und deshalb stets exakt die Anwendungsbestimmungen beachtet werden sollten. Als Beispiel nannte er die beiden Produkte Revus und Revus Top. Während ersteres zur Bekämpfung von Falschem Mehltau eingesetzt wird, eignet sich das Präparat Revus Top zur Bekämpfung von Kraut- und Knollenfäule (Phytophthora infestans) bei Kartoffeln oder zur Bekämpfung der Kraut- und Braunfäule bei Tomaten.

Edgar Gugenhan


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