11.10.2018

Rund um den Apfel

Eine vollgepackte Agenda erwartete die Besucher des Apfeltages am 24. August in Klein-Altendorf. Beim Rundgang durch die Ausstellung am Campus und in der Obstanlage standen vielfältige Themen rund um den Apfel auf dem Programm.

Im praktischen Einsatz wurde der Ladurner-Krümler Modell 7 vorgeführt
Foto: Scheel

Zahlreiche Obstbauern haben sich trotz frühem Erntebeginn auf den Weg zum Apfeltag gemacht, der vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, der Landwirtschaftskammer NRW und der Universität Bonn organisiert wurde. „Wir sitzen als Kompetenzzentrum Gartenbau (KOGA) in einem Boot“, begrüßte Gerhard Baab die Teilnehmer. An seiner Seite stellte sich Prof. Dr. Eike Lüdeling als neuer Leiter und Nachfolger von Prof. Dr. Georg Noga für das Institut Gartenbau der Uni Bonn vor.

Ein Wandel durchzieht auch die Obstbaubranche, so Peter Schiffmann vom A+P Service beim Apfeltag. Dabei müssen sich die Obstbauer vermehrt mit einer umweltschonenden sowie rationalisierten Produktion arrangieren. Aus diesem Grund hat A+P ein Gerät mit Verpackungsherstellern entwickelt, das z.B. Äpfel verpackt, ohne Plastik zu verwenden. Die Apfelschalen werden mit einer auf Papier basierten Banderole versehen, auf der alle relevanten Daten gedruckt sind. Alternativ bietet A+P ein Handlabelgerät für das schnelle und einfache Labeln von Etiketten mit 14 bis 26 mm Durchmesser.

Nachhaltigkeit schreibt sich auch das Unternehmen Beutech Agro auf die Fahne. Das so genannte Phytobac fängt das bei der Reinigung von Pflanzenschutzgeräten und anderen landwirtschaftlichen Maschinen anfallende Waschwasser auf dem Hof auf und reinigt es. Das System besteht aus einer dichten Waschplatte, einem Zwischentank für die von der Platte abfließenden Flüssigkeiten und einem Phytobac-Behälter. Dieser ist mit Ackerboden und Strohhäcksel gefüllt und wird nach und nach mit dem Inhalt aus dem Zwischentank berieselt. Der Boden bindet eventuell vorhandene Pflanzenschutzmittelreste, die von Mikroorganismen abgebaut werden.

Der Blütenfrost in der zweiten Aprilhälfte 2017 wird den Obstbauern noch lange in Erinnerung bleiben. Als effektivste Maßnahme, Spätfröste zu bekämpfen, gilt die Frostschutzberegnung, die aber nicht überall eingesetzt werden konnte. Elke Immik vom DLR Rheinpfalz stellte mit dem Flipper-System eine Alternative zu heutigen Regnern für Regionen vor, wo wenig Wasser zur Verfügung steht. Die wassersparende Baumstreifenberegnung mit Mikrosprinklern der Fa. NaanDanJain wird zurzeit als Frostschutz diskutiert und erprobt. Mit dieser Streifenberegnung sind bis zu 65 % Wassereinsparung möglich und sie kann die Kosten für eine Wasserbereitstellung senken bzw. eine Beregnung je nach Wasserverfügbarkeit erst ermöglichen. Immik empfahl einen Abstand von 6 m in Kombination mit Tropfschläuchen. Bei Frost wirken die Flipper-Regner bis zu -7 °C, bilden eine klare Eisschicht und benässen nicht die Fahrgassen. Auch bei Hitze kann das Flipper-System klimatisierend eingesetzt werden. Dieser Regnertyp stellt allerdings höhere Ansprüche an die Wasserqualität (120 Mesh Filtersysteme).

Beim Herbizideinsatz ist in Zukunft mit weiter verstärkter Reglementierung zu rechnen. Deshalb werden neue praktikable Alternativen zur Regulierung des unerwünschten Beikrautbewuchs zum Einsatz kommen. Um praxisrelevante Lösungen zu erarbeiten, werden in einem Gemeinschaftsversuch der Universität Bonn und des DLR Rheinpfalz Standardverfahren aus dem ökologischen Obstbau kombiniert und Neuentwicklungen erprobt. Das in Brasilien bereits in der Praxis eingesetzte Gerät Electroherb von Zasso wird zurzeit für den europäischen Markt modifiziert. Mittels Hochspannung auf Gleichstrombasis oder mit hochfrequentem Wechselstrom werden die krautigen Pflanzen durchströmt und somit die Blätter durch Zerstörung der Pflanzenzellen und des Chlorophylls abgetötet. Im praktischen Einsatz wurden ein Mähwerk sowie ein Krümler, Modell 7, von der Firma Ladurner sowie eine Roll- und Fingerhacke von der Firma Adelhelm Landtechnik und ein Geräteträger mit dem Anbaugerät Radius SL Plus von Clemens vorgeführt. Zur optimalen Pflanzenvorbereitung stellte die RWZ Bornheim den Attila-Tiefenlockerer vor. In der Arbeitsbreite von 3,00 m mit sieben Zinken lockert das Gerät tiefgehende Verfestigungen bis zu 45 cm Arbeitstiefe.

Abschließend wurden für den Transport des Ernteguts drei Ladewagen vorgeführt. Der Anhänger des polnischen Unternehmens Agrospar kann fünf Kisten verladen und ist mit 4,5 t fahrbar. Die seitlichen Gitter können hydraulisch vor- und zurückbewegt werden. Am hinteren Teil des Wagens befindet sich eine Verriegelung. Die Firma Wahlen zeigte den Mammutladewagen, eine reine Kistensicherung, möglich mit unterschiedlicher Bereifung. Das Unternehmen Gent führte einen Kistentransporter mit Federung für zehn Kisten vor. Auf Wunsch liefert das Unternehmen auch eine Ausführung für 15 Großkisten mit einer hydraulischen Sicherung der Kisten. Derzeit wird für den Ladewagen eine Straßenzulassung (40 km/h) vorbereitet.

Zwischen den Reihen der Obstanlage wurde beim Apfeltag auf ein Projekt zur ökologischen Schädlingskontrolle im Obstanbau hingewiesen. Zur Erhöhung der Artenvielfalt säte das KoGa die „holländische Blühmischung“ mit den sieben Pflanzenarten: Buchweizen, Kornblume, Wilde Möhre, Schafgarbe, Wiesen-Margerite, Amarant und Koriander in der Obstanlage aus. Erste Untersuchungen zeigten eine erfolgreiche Förderung nützlicher Raubwanzen und anderer Nützlinge. Auf lange Sicht könne durch diese Maßnahme, unterstützend über ein ausgeglichenes Räuber-Beute-Verhältnis, ökologisch gegen den Birnenblattsauger vorgegangen werden.

Vielversprechend zeigen sich auch die Versuche mit Sarepta-Senf (Brassicacea juncea var. juncea) gegen Bodenmüdigkeit in Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim.

Vielversprechende Neuzüchtungen

Ein zentrales Thema beim Apfel sind stets die Neuzüchtungen. Das Sortenkarussell dreht sich beim Apfel enorm schnell, jedes Jahr kommen zahlreiche neue Sorten hinzu und einige verschwinden wieder vom Markt. Die Firma Krings Sorten GmbH aus Rheinbach stellte die neue Apfelsorte unter dem Markennamen Morgana® mit vielversprechenden Anbau- und Markteigenschaften vor. Diese hochproduktive Sorte reift kurz vor `Braeburn´, hat eine leuchtend rote Deckfarbe mit einer grün-gelben Hintergrundfarbe. Die Früchte schmecken aufgrund des hohen Zucker-Säure-Verhältnisses eher süß-säuerlich und zeichnen sich durch ein festes, knackiges und saftiges Fruchtfleisch aus. Auch im Normallager bleiben die Früchte fest, knackig, fetten kaum und haben ein gutes Shelf-life.

„In diesem Jahr haben sich aufgrund der Hitze, hohen Nachttemperaturen und der Hagelnetze die `Elstar´-Mutanten sehr gut ausgefärbt“, betonte Gerhard Baab bei der Vorstellung neuer `Elstar´-Mutanten. Dabei achtet Baab insbesondere auf Mutanten, die zum Zeitpunkt innerlicher Reife auch äußerlich reif sind und genügend Deckfarbe haben. Heute gibt es dunkelrote Sorten, die auch unter einem schwarzen Hagelnetz sehr gut ausfärben. Ein Vertreter, der sehr viel im Alten Land angebaut wird, ist `Red Flame´. Diese Sorte zeigt eine schöne rote Ausfärbung, sowohl bei den 65/70ern als auch bei den großen Früchten, und kommt somit für Beutel- sowie gelegte Ware in Frage. Auch gut rot ausgefärbt zum Zeitpunkt der Reife ist die Mutante PCP. Sie ist weniger alternanzanfällig und drei Tage früher reif als andere Sorten. Allerdings ist PCP lizensiert und nicht überall greifbar, sodass Baab als Alternative die Mutante Elmoo von der Obstbaumschule Dirk Schwichtenberg empfahl. Diese Sorte hat ähnliche Eigenschaften wie PCP, ist zweifarbig rot und sowohl die Fruchtform als auch der Baumhabitus ist `Elstar´-typisch.

Eine weitere Mutante, die in den letzten Jahren in den Niederlanden, Belgien und Deutschland angebaut wurde, ist Elrosa. Diese atypische Mutante hat etwas längere Stiele, ist sehr generativ, ausreichend rot und reift 2-3 Tage nach dem Standard `Elstar´. Dem ursprünglichen `Elstar´ ähnlich ist Elstar Typ Krings, die den Anforderungen nach einer gut aussehenden Mutante mit einem hohen Anteil an erster Pflücke und den modernen Verbraucherwünschen gerecht wird. Die attraktiven, hellroten Früchte der virusfreien Mutante haben ihre `Elstar´-typische Farbausfärbung und Streifenbildung nicht nur beibehalten, sondern sind auch viel deutlicher hervorgetreten.

Um eine bessere Ausfärbung der Früchte zu erreichen, wurde beim Apfeltag die Möglichkeit der Entblätterung der Bäume vorgestellt. Für diesen mechanischen Sommerschnitt stellte das niederländische Unternehmen BoFIX-Systems B.V. die Olmi-Entlaubungsmaschine vor. Erste Versuche in diversen Apfelanlagen zeigten, dass ca. 14 Tage vor der Ernte ein optimaler Zeitpunkt für den Schnitt sei, ohne Beschädigungen zu verursachen. Dabei fährt das Gerät mit 3,5-4 km/h durch die Anlage.

Die chemische Ausdünnung zur Qualitätssteigerung und Alternanzbrechung bei `Gala´ stellte Dr. Christa Lankes vor, mit dem Ziel, den Einfluss der Fruchtgröße zum Anwendungszeitpunkt zu prüfen und den Bedarf an Hand-Ausdünnung möglichst zu verringern. Eingesetzt wurden die Wirkstoffe NAA und Ethepohn bei zunehmender Fruchtgröße. Dabei zeigte sich kein Ausdünn-Effekt in der Behandlung bei einer Fruchtgröße von 6 mm, während bei den Behandlungen ab 10 mm eine deutliche Ausdünnwirkung zu sehen war. Weiter zeigt sich, dass der Fruchtdurchmesser nach dem Junifall bei Anwendungen ab 10 mm um 2 bis 3 mm vergrößert war. Dr. Lankes kündigte an, dass der Einfluss auf die Fruchtgröße zur Ernte weiter überprüft werde. Außerdem seien zu den Auswirkungen der Beimischungen von Ethephon zu NAA weitere Untersuchungen erforderlich.

Um schlecht verzweigte Jungbäume zu vermeiden, untersuchte Christian Nachtwey von der Hochschule Geisenheim in Zusammenarbeit mit dem Kompetenzzentrum Gartenbau die Verzweigungsförderung von Jungbäumen mit Hilfe von Promalin® und einem Algenkonzentrat. Dabei stellte der Student fest, dass die Wuchs- und Verzweigungsleistung mit beiden Produkten erhöht werden kann. Nicht behandelte Baumbereiche verzweigen sich ebenfalls besser, vermutlich durch die Verlagerung mit dem Saftstrom. Die Blattflächengröße kann mit Promalin gesteigert werden, ebenso die Photosynthesefläche. Auch die Blattknospen waren gesünder und größer. Nachtwey empfahl für Bäume im Pflanzjahr und im 1. Laub 3-4 Anwendungen im Mai/Juni bei Temperaturen von 18-22 °C. Dabei sollten die Mittel nur auf ausreichend große und vitale Blätter im Abstand von ca. 10 Tagen mit den Konzentrationen von 250 ppm Promalin bzw. 125 ml Algenkonzentrat ausgebracht werden. Deutlich höhere Konzentrationen könnten zu Phytotox führen.

Birgit Scheel


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Ausgabe 12/2018

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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