16.05.2018

Schrijnwerkers:Fast fünf Jahrzehnte Blaubeeren

Neue Baumschule

Das Gewächshaus im neuen Vermehrungsstandort in Overloon bietet Leon Schrijnwerkers die Möglichkeit zur Anzucht der Blaubeerpflanzen unter standardisierten Bedingungen in ihrer Jugendphase
Foto: Kühlwetter

Als Rob Schrijnwerkers 1969 auf einer 1 ha großen Fläche 15 verschiedene Blaubeersorten aufpflanzte, um diese auf ihre Anbaueignung zu testen, ahnte er wohl noch nicht, dass diese Kultur eines Tages das Leben seiner beiden Söhne Leon und Frans wesentlich mitbestimmen würde. Frans bewirtschaftet heute im belgischen Gruitrode einen Blaubeerbetrieb mit 17 ha Anbaufläche. Leon, der 1985 in den elterlichen Betrieb einstieg und diesen weiterführt, hat das Unternehmen zu einem der führenden Anbaubetriebe in der niederländisch-deutschen Grenzregion ausgebaut. Der Neubau, der seit Jahrzehnten von ihm geführten Baumschule am neuen Standort in Overloon, direkt an der Autobahn A73 zwischen Venlo und Nimwegen, ca. 10 km nördlich von Horst gelegen, ist das jüngste Projekt in der Firmengeschichte.

Dem vorausgegangen war der Verkauf des bisherigen 24 ha großen Produktionsstandortes in Grubbenvorst. Auf dieser Fläche ist die Errichtung eines Industriegebietes geplant. Als Ersatz errichtete Leon Schrijnwerkers 2016 in 1 km Entfernung vom ehemaligen Grubbenvorster Standort einen neuen 15 ha großen Betrieb für den Blaubeeranbau inklusive Haus, einer Halle und Unterkünften für die Saisonmitarbeiter. Im gleichen Jahr wuchs die Anbaufläche von Blueberry Giant in Weeze, einem Projekt, das Leon gemeinsam mit seinem Partner Harm Valckx betreibt, von 52 ha Anbaufläche durch die Anpflanzung von Blaubeeren an einem weiteren Standort in der Nähe von Blueberry Giant auf insgesamt 76 ha. Der Neubau der Baumschule in Overloon ist nun ein vorläufiger Abschluss der Erweiterungsaktivitäten. Bis zur Inbetriebnahme in Overloon wurden Blaubeeren vorwiegend auf einer 3 ha großen Containerfläche in Weeze sowie auf einer kleineren Fläche in Grubbenvorst herangezogen.

Nun erscheint alles noch offener und moderner. Auf einer 5 ha großen Containerfläche können, abhängig von den verwendeten Topfgrößen, 1,0 Mio. bis 1,5 Mio. Pflanzen angezogen werden. In Vorbereitung für die jetzige Nutzung der Flächen mussten 35 000 m³ Erde bewegt werden. Die Gesetzgebung in den Niederlanden sieht vor, dass von solchen Flächen keine Abwässer in den Unterboden gelangen dürfen. Für Leon Schrijnwerkers bedeutete dies, dass mit hohem Aufwand Entwässerungs- und Drainageleitungen, Folien, Schotterschichten und Antiwurzeltücher verlegt werden mussten. Es wurden alleine 800 t Lava in diese Fläche eingebracht. Nun sorgt eine 12-cm-Lavaschicht dafür, dass das Wasser einfach direkt vertikal nach unten abfließen kann, sodass die Pflanzen sehr gut bewurzelt werden.

Angrenzend an die neue Containerfläche errichtete Leon Schrijnwerkers eine Halle, in der Technik, Trays, Töpfe und Verpackungsmaterialien Platz finden sowie ein Büro. Der Betriebsinhaber schätzt, dass die Investition insgesamt ca. 3 Mio. € gekostet hat. In dieser Summe ist auch die Errichtung eines Gewächshauses enthalten, in dem die jungen Pikierlinge, die über eine Mikrostecklingsvermehrung aus streng von der NAKG kontrollierten Mutterpflanzen gewonnen werden, in ihrer Jugendphase zunächst in 400er Platten unter kontrollierten und standardisierten Klimabedingungen anwurzeln und ihre ersten Wachstumsschritte machen.

Topfroboter ersetzt Menschen

In ihrer weiteren Entwicklung werden die Setzlinge später mit eigenem Topfroboter in Platten mit größeren Zellen (84er, 66er und 45er) automatisch umgetopft. „Früher konnten wir mit zehn Frauen täglich 10 000 Pflanzen umtopfen, jetzt ermöglicht uns die neue Technik, 10 000 bis 15 000 Pflanzen pro Stunde umzutopfen“, erklärt Leon Schrijnwerkers. In einem nächsten Schritt werden die Pflanzen später dann von den Platten in Töpfe mit 2-, 3- und 5-l-Volumen in ein spezielles Blaubeersubstrat umgetopft und auf der Containerfläche im Freiland weiter kultiviert.

Bei der Anzahl der Töpfe ist dies logistisch schon eine besondere Herausforderung. Für den Transport nutzt Schrijnwerkers Gabelstapler, die mit speziellen Gabeln zum Greifen der Töpfe ausgerüstet sind. Während die Töpfe in den ersten beiden Monaten auf dem Containerfeld eng aneinander stehen („dies sorgt für ein besseres Mikroklima im Bestand und ein kompakteres Wachstum der Pflanzen“), werden die Pflanzenabstände in der weiteren Kulturzeit mehrfach mit Hilfe der Stapler erweitert.

„Die Pflanzen sollen kräftig werden und starke Triebe bilden, es muss „Schwung“ in der Pflanze sein“, betont Schrijnwerkers. Die richtige Voraussetzung für ein solches Wachstum kann nur geschaffen werden, wenn die Versorgung der Pflanzen mit Wasser und Nährstoffen optimal und bedarfsgerecht erfolgt und darüber hinaus ein Befall durch Schaderreger vorgebeugt wird. Ein 42,5 m breiter Gießwagen bewegt sich langsam bei Bedarf über die 260 m langen Beete und versorgt die Pflanzen schonend mit Wasser und Nährstoffen. Das überschüssige Wasser wird in einem 3 500 m³ Wasser fassenden Bassin aufgefangen und vor Wiederverwendung durch eine UV-Filteranlage gereinigt und entkeimt.

Welche Sorten pflanzen?

Für den frühen Erntebereich ist `Duke´ nach Meinung von Leon Schrijnwerkers die beste und von ihm am meisten vermehrte Sorte. Eine Woche später als `Duke´ reift `Huron´, mit aromatischen Früchten und einem guten Ertrag. Wenn `Huron´ schöne dicke Beeren liefern soll, müssen die Sträucher aber auch gut geschnitten werden. Im mittleren Erntebereich werden `Draper´ und im Anschluss daran `Liberty´, die eine sehr gute Produktion mit schönen Beeren und gutem Geschmack liefert, empfohlen.

Für den späten Bereich nennt Leon Schrijnwerkers `Aurora´, obwohl über deren Geschmack immer wieder diskutiert wird. Oft – so hat der Blaubeerexperte bemerkt – wird gerade für die lange Lagerung zu einem frühen Zeitpunkt geerntet, in dem die Früchte noch nicht ihre geschmacklichen Qualitäten voll entwickelt haben. „Man möchte immer länger Heidelbeeren anbieten, schöne und süße Früchte – wie soll der Geschmack besser werden, wenn bei fortschreitender Saison immer weniger die Sonne scheint?“, wirft Leon Schrijnwerkers ein. „Vielleicht sollte man die Früchte länger unter einer Überdachung reifen lassen und so eine Möglichkeit zur Verbesserung des Geschmackes bieten“. Die neueste Sorte ist `Calypso´, eine Lizenzsorte der Michigan State University. `Calypso´ reift mittel-spät. Über die genannten Sorten hinaus hat der niederländische Vermehrungsbetrieb weitere Sorten im Angebot.

Gemeinsam mit zwei Kollegen aus der Pflanzenvermehrung hat Schrijnwerkers auch eine Zusammenarbeit mit dem schottischen James Hutton-Institut begonnen und hofft, in absehbarer Zeit von vielleicht fünf Jahren eine oder mehrere Sorten anbieten zu können, die sich für den nordwesteuropäischen Klimaraum als besondere empfehlenswert herauskristallisieren.

Ohne Schnitt geht es nicht

Schrijnwerkersgeht davon aus, dass Pflanzenbestände in Zukunft aufgrund abnehmender Fruchtqualitäten und Erträge kaum noch länger als 20 Jahre kultiviert werden. Um diese Kulturzeit überhaupt zu erreichen, ist nach seiner Auffassung ein kontinuierlicher Schnitt verpflichtend, denn nur so kann eine Balance zwischen Wachstum, Ertrag und Fruchtqualität erreicht werden. „Wir müssen große Beeren ernten, um eine optimale Ernteleistung erzielen und die Wirtschaftlichkeit im Anbau gewährleisten zu können.

Der Flächenvorbereitung mehr Aufmerksamkeit schenken

Und wer mit kräftigen Pflanzen und einer guten Flächenvorbereitung startet, kann schon frühzeitig gute Erträge erzielen. Gerade in einer unzureichenden Flächenvorbereitung sieht Leon häufig ein Manko auf den Praxisbetrieben. Die Anbausysteme haben sich gewandelt, auch in seinem Betrieb. Heute pflanzt er auf 50 cm hohen Dämmen, die aus großen MengenWeißtorf und etwas Grünkompost - auf dessen Qualität man unbedingt achten muss – aufgebaut sind. In der oberen Schicht dieser Dämme, in der die Pflanzen einen wichtigen Teil ihrer Haarwurzelmasse ausbilden, wird ausschließlich Weißtorf verwendet. Unbedingt ist darauf zu achten, dass Staunässe vermieden wird. Bewässert und fertigiert wird über zwei Tropfleitungen, links und rechts der Pflanzen. In einer nach diesem Muster vorbereiteten Anlage konnte Leon Schrijnwerkers mit dreijährigen, im April in den Damm gesteckten Pflanzen schon im Juli 1 kg Ertrag pro Pflanze erzielen.

Thomas Kühlwetter

 


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