27.03.2015

Schutz vor Drosophila

Moderne Überdachungssysteme für Obstkulturen

Bei dem Überdachungssystem der Firma Brändlin Systems GmbH

Die Kirschessigfliege (Drosophila suzukii) verursacht zum Teil erhebliche Schäden und kann zur großen Gefahr für Obstkulturen werden. Die Bekämpfung der Kirschessigfliege stellt eine große Heraus-forderung im europäischen Obstbau dar; wissenschaftliche Institute vieler Länder forschen seit mehreren Jahren nach Möglichkeiten, den Befall zu regulieren. Da die Drosophila gesunde Früchte kurz vor der Ernte befällt und unmittelbar vor der Ernte kein Insektizid mehr eingesetzt werden kann, kann eine chemische Bekämpfung nur bedingt zum Einsatz kommen. Das vollständige engmaschige Einnetzen einer Anlage stellt nach heutigem Wissensstand die effektivste Maßnahme dar. Welchen mechanischen Schutz die einzelnen Hersteller anbieten, lesen Sie im folgenden Text.

Überdachungen bei Kirschbäumen bietet die BayWa AG seit längerem. Wie im Hagelschutz bestehen die Unterkonstruktionen aus Beton oder Holz und teilweise auch aus Stahl. Auch sonst ähneln sich die Systeme sehr. Bei den Überdachungen ist es mittlerweile Standard, die Flächen oben mit Hagelnetzen abzudecken und hiermit eine separate Handhabung von Netz und Folie zu ermöglichen. Dies hat sowohl für die Kultur als auch für die Bewirtschaftung der Flächen erhebliche Vorteile.

Zum Standard gehört mittlerweile auch die Außeneinnetzung der Flächen mit herkömmlichen Hagelnetzen zum Schutz gegen Vögel und als Windschutz. Im Kampf gegen den neuen Schädling Drosophila suzukii scheint aus heutiger Sicht ein abgestimmtes, aus vielen Elementen bestehendes Vorgehen am erfolgversprechendsten. Erste Erfahrungen lassen vermuten, dass mittelfristig ein Maßnahmenmix genügend Schutz generieren kann, um existenzielle Schäden zu vermeiden. In diesem Maßnahmenmix kann die Einnetzung von Flächen einen maßgeblichen Beitrag leisten. Die Verwendung von Netzen zum Schutz gegen die Kirschessigfliege ist in erheblichem Maße durch die Größe und das Flugverhalten dieser Insekten beeinflusst. So werden heute Netze für geeignet gehalten (Quelle: Agroscope CH), welche eine Maschenweite kleiner 1,3 mm aufweisen. BayWa hat sich auf einen Standard von 1,0 x 1,2 mm zunächst festgelegt.  Wichtig in Bezug auf den Einsatz ist sicherlich die Adaption in bestehende Systeme, aber auch die Verwendung in zukünftigen Systemkonzepten.  Dabei ist sehr fraglich, ob eine Kompletteinnetzung (also auch die obenliegende Flächeneinnetzung) mit „Suzukii“-Netzen sinnvoll ist. Nicht gewollte Klimaveränderungen mit zusätzlichen Problemen unterhalb der Systeme könnten die Folge sein. Deshalb verfolgt BayWa derzeit eine Strategie, welche die Fläche inkl. Vorgewende in einen Käfig integriert und diesen nach außen hin komplett mit Netzen bis zu einer Höhe von ca. 4,0 m schützt. Dass die Netze dabei gegen Winddruck im Erdbereich stabilisiert und gehalten werden müssen, liegt auf der Hand. Auch sind entsprechende Tore notwendig, über welche der Produzent auf die Fläche gelangt.

Die BayWa AG ist von dieser Vorgehensweise überzeugt, einen wesentlichen Beitrag für den Schutz der jeweiligen Kulturen leisten zu können. Darüber hinaus sind weitere individualisierbare und auf die jeweiligen Anforderungen der Kulturen und Produzenten anpassbare Lösungen möglich. Hierfür sind dann jeweilige Abklärungen notwendig, um dem Thema bzw. der Problematik gerecht werden zu können.

Einzelreiheneinnetzungen bietet die Firma Brändlin Systems GmbH mit dem so genannten „Keep in touch“. Dieses System kann auf jeden Feldtyp installiert und - unabhängig von der Betriebsgröße - auf einzelne Reihen verwendet werden. Dank eines besonderen Schließungssystems lassen sich die Seiten schnell öffnen und schließen. Das System Keep in touch besteht aus einem gewobenen Netz mit zwei Dichtgrößen. Im oberen Teil beträgt die Maschenweite des Netzes 2,2 x 2,2 mm. Dieser Abschnitt ist schwarz und aus 100 % Polyäthylen-Faden gewoben und eigens dazu entwickelt, um das Durchwachsen der frischen Vegetation zu verhindern. Außerdem bietet der schwarze Teil auf dem First einen Sonnen- und Hagelschutz. Der zentrale Teil ist lichtdurchlässig im neutralen Weiß, glänzend und reflektierend mit rechteckigen Maschen (2,2 x 4,0 mm). Diese Netzdichte verhindert das Eindringen der Insekten, aber erlaubt eine optimale Licht- und Luftdurchlässigkeit. Im unteren Teil besteht das Netzende aus einer 10 cm breiten, schwarzen Webkante, die geeignet ist, um an den Boden geheftet zu werden und als Mulch-Abdeckung dient.

Aus dem Keep in touch wurde das System antiaqua als Regenschutz weiterentwickelt. Dies ist mit einem patentierten Aqua-Stopp-Gewebe ausgestattet, das aus drei Netztypen besteht: Der obere Teil mit Regenschutz-Funktion ist aus „Microtex“-Gewebe und besteht aus zwei übereinandergelegten Schichten: Die äußere Schicht bricht die Wassertropfen, die innere Folie sammelt das Wasser und leitet es zu den Seiten hin ab. Dieses Gewebe mit Mikroöffnungen verhindert das Durchdringen von Wasser, behindert aber nicht den Luftaustausch. Das Gewebe garantiert eine gute Widerstandskraft gegen Pflanzenschutzmittel und eine lange Lebensdauer des Materials. Das Aqua-Stopp-Netz wird ergänzt durch ein seitlich angenähtes weiteres Netz mit größeren Maschen, das jedoch dicht genug ist, um ein Durchdringen von kleineren Insekten (Drosophila suzukii) zu verhindern und einen sehr guten Luftaustausch zu ermöglichen.

Seit Jahren stellt die Firma Brühwiler aus Balterswil Regendächer in ihrer eigenen Produktion her. Das bekannte Brühwiler-Regendach ist ein auf Modulbau basierendes System und kann in der Länge und Breite beliebig erweitert werden. Die feuerverzinkte Stahlkonstruktion ist sehr windstabil und benötigt keine lästigen Außenverankerungen.

Zur Abdeckung werden hochwertige und UV-stabile 200 mµ Gewächshausfolien verwendet. Die hochwertige Folie bietet eine hohe Lichtdurchlässigkeit, welche das Wachstum der Trauben, Beeren, Kirschen usw. positiv beeinflusst.

Neuerdings müssen die Früchte nicht nur gegen Regen und Hagel, sondern auch gegen die Kirschessigfliege geschützt werden. Das Brühwiler Regendach als Grundkonstruktion eignet sich besonders gut, um einfach und kostengünstig das nötige Insektenschutznetz anzubringen. Diese werden mit Clips direkt an der Konstruktion befestigt und bieten somit guten Halt. Die Firma Brühwiler bietet auch Netze in verschiedenen Breiten für die Zwischenräume der Reihen an.

Neu im Angebot ist eine 100 mµ-Folie mit 2 % UV-Schutz erhältlich. Diese kann je nach Kultur ein bis drei Jahre eingesetzt werden. Diese Folie zeichnet sich durch eine hohe Lichtdurchlässigkeit und ein geringes Gewicht aus. Dieses liegt bei einer 100 m-Folie für Kirschen bei nur noch 37 kg pro Rolle und kann in 20 Minuten mit drei Personen montiert werden.

Im Überdachungssystem der Firma Voen sind überlappende Folienstreifen auf ein Hagelnetz aufgenäht – damit ist das Netz bereits im Dach integriert. In der Produktion kann ein engmaschiges Netz im Traufbereich verarbeitet werden, um den Zuflug von Insekten auch über das Dach zu vermeiden. Es sind also keine zusätzlichen Arbeitsschritte in der Obstanlage nötig, wie beispielsweise die Installation eines kompletten Netzes über dem Foliensystem. Die Stirn- und Querseiten der Obstanlagen werden ebenfalls mit engmaschigem Netz geschützt. Gemeinsam mit den Dachfolien werden die Netze an die bestehenden Abspannungsseile plakettiert. Auch an den Seiten sind keine zusätzlichen Arbeitsmaßnahmen notwendig.

Neben der Anpassung des Überdachungssystems ist die Maschenweite ausschlaggebender Faktor: auf Grundlage von Untersuchungsergebnissen mehrerer Forschungseinrichtungen kommt eine Maschenweite von 1,2 x 1,2 mm zum Einsatz, um Drosophila s. abzuwehren.

Neuinstallationen werden im Bereich von Stein- und Beerenobst weitgehend mit den zusätzlichen Schutzmaßnahmen ausgestattet. Zunehmend wird ein Käfig in den Vorgewenden mit eingeplant, um ein Befahren der Anlage ohne Öffnen der Netze möglich zu machen. Betriebe in Regionen mit hohem Befall melden sehr gute Ergebnisse zurück: erfolgreicher Schutz gegen Drosophila und erfolgreicher Schutz der Ernte.