11.10.2018

Spargel- und Kürbishof Roelen, Jüchen

Spargel, Tulpen und Kürbis Neben dem normalen Ackerbau wachsen bei Jochen Roelen auch Spargel, Schnitttulpen und Speise- sowie Zierkürbisse. Letztere haben sich in den letzten zwölf Jahren zu einem wichtigen Produkt gemausert, das im Anbau und in der Vermarktung nicht nur Erlös, sondern auch Spaß bringt.

Seit über zehn Jahren baut Jochen Roelen Kürbis professionell an – über die Vielfalt freut er sich jedes Jahr wieder
Foto: Valenta

Angefangen hat alles vor knapp 20 Jahren, als Jochen Roelen den elterlichen Ackerbaubetrieb anfing zu verändern. Neben Weizen und Rüben sollte eine Sonderkultur den nötigen Erlös liefern, damit auch weiterhin mehrere Generationen auf und von dem Hof leben können. Der Schnitttulpenanbau war der erste Schritt in diese neue Ausrichtung. Später folgten dann Mais als zusätzliche Kultur in der Fruchtfolge und die Kürbisse. Auf die Idee, die Beerenfrucht – zu dieser Gruppe gehört der Kürbis ja – anzubauen, kam Jochen Roelen in den USA. Nach der Ausbildung zum Landwirt absolvierte er dort ein praktisches Jahr und sah dort Kürbisfelder zum Selbstschneiden. Da zunächst keine Maschinen für den Kürbisanbau und die –ernte gekauft werden musste, konnte er 2001 direkt starten. Zunächst sollten Zierkürbisse in drei oder vier Sorten getestet werden. Der Anbau klappte gut und so wurde die Kulturfläche für die Kürbisse immer weiter ausgebaut – zu Lasten des Ackerbaus. Auch Spargel fand ungefähr zur gleichen Zeit wie der Kürbis Eingang ins Sortiment des Hofes. Damit startete auch die Selbstvermarktung mittels Hofladen und Verkaufsständen (zur Spargelzeit).

Kürbis vom Profi

Seit 12 Jahren wird der Kürbisanbau jetzt „im großen Stil“ betrieben – auf 12 ha der 20 ha Sonderkulturfläche wächst das Gemüse. Der klassische Ackerbau findet mit Mais, Weizen und Rüben auf 80 ha statt. Der alte Hof aus dem 19 Jahrhundert mit seinen malerischen Backsteingebäuden beherbergt neben Wohnungen auch den Hofladen. Da Kürbisse sowie Maschinen allerdings mehr Platz brauchen als der verwinkelte Hof bietet, baute Jochen Roelen hinter den eigentlichen Hof zusätzliche moderne Hallen. Dort werden die Kürbisse auch gewaschen und gelagert.

Neben der Eigenvermarktung über den Hofladen verkauft Roelen einen Teil seiner Kürbisernte an Wiederverkäufer, die das Sortiment ihrer eigenen Hofläden damit ergänzen. Außerdem gehen kleine Mengen an den Lebensmitteleinzelhandel. Aber die Zusammenarbeit mit Kollegen, die teilweise selbst Kürbisse anbauen, macht Roelen mehr Spaß. „Man begegnet sich auf Augenhöhe und kann sich auch mal über das eine oder andere Problem im Anbau austauschen“, fasst Roelen seine Erfahrungen zusammen. „Die Ernte und Aufbereitung muss auch nicht just-in-time erfolgen. Beim LEH müssten wir heute ernten und morgen schon liefern.“

Braunkohleregion

Statt des malerischen Hofes in Jüchen könnte an gleicher Stelle auch renaturierte Bergbaufolgelandschaft sein. Der Tagebau Garzweiler liegt in unmittelbarer Nähe der Ortschaft, nur getrennt durch Autobahn und Eisenbahnlinie. Diese waren wohl auch ausschlaggebend, warum Jüchen nicht „weggebaggert“ wurde. Durch den Braunkohleabbau haben die Roelens allerdings einige ihrer Flächen verloren, die nach Abschluss der Renaturierung ausgekohlter Flächen wieder ersetzt wurden. Die ältesten Flächen des „Neulands“ sind im Fall der Familie Roelen bereits 20 Jahre alt und gutes, fruchtbares Ackerland. Bei einigen neuen Flächen, die erst seit zwei Jahren wieder von den Roelens bestellt werden, sieht es aber anders aus. Durch die Umlagerung und Durchmischung des Bodens weist dieser einen teilweise 100-mal höheren Calcium-Gehalt aus. Weitere Herausforderungen bei Neuland: Der gedüngte Phosphor verkapselt sich leicht und steht den Pflanzen dann nicht mehr zur Verfügung – ein Problem im Maisanbau. Außerdem kommt es leicht zu Verschlämmungen – Bewässerung sollte dort also nach Roelens Erfahrung ganz unterbleiben.

Die Kürbispflanzen werden in Jüchen sowieso kaum bewässert – auch in diesem heißen und sehr trockenen Sommer nur direkt bei der Pflanzung und einmalig nach der Blüte. Da die Kürbisse v.a. auf Altflächen wachsen, ist dort die Wasserhaltefähigkeit des Bodens sehr gut und die Pflanzen überstanden knapp 17 regenfreie Wochen ganz gut. Allerdings hat auch Jochen Roelen in diesem Jahr Ertragseinbußen zu verzeichnen, die Kürbisse sind kleiner und pro Pflanze sind weniger Früchte gewachsen als in den vergangenen Jahren. Normalerweise könne man bei Hokkaido von 30-40 t/ha ausgehen, so Roelen. Mit rund einem Drittel weniger Ertrag rechnet der Kürbisanbauer kurz vor Ende der diesjährigen Ernte. Begonnen hatte die Ernte Ende Juli, zeitgleich oder kurz nach der Getreideernte. Davor wiederum lagen das Roden der Tulpenzwiebeln und die Spargelzeit. Die verschiedenen Sonderkulturen ergänzen sich mit ihren unterschiedlichen Arbeitsspitzen sehr gut. Deshalb schaffen die Roelens ihre Arbeit auch mit wenigen Fremdarbeitskräften – Familienpower sei Dank.

Handarbeit ist gefragt

Die Ernte erfolgt von Hand. Die Kürbisse werden nach dem Schneiden über ein Ernteband zum Großraumwagen transportiert und dort – wieder von Hand – abgelegt. „Jeder Kürbis wird bei uns achtmal angepackt, bis er verkauft ist“, fasst Roelen die Abläufe zusammen. Nach der Ernte bleiben die Kürbisse zunächst eine Woche in den Großkisten liegen, bevor sie gewaschen werden. Für die kleinen Kaliber bis 20 cm Länge (z.B. Hokkaido und Zierkürbisse) gibt es eine einfache Waschmaschine, in der die Früchte im Wasserbad an Bürsten vorbeilaufen. Nach dem Waschen lagern sie wiederum eine Woche. Erst dann gehen die Kürbisse in den Verkauf. „Ein faules Ei soll lieber bei uns auf dem Hof schlecht werden statt beim Kunden“, so Roelens Taktik, um Reklamationen vorzubeugen.

Einen Großteil seiner Kürbisse sät Roelen nicht, sondern setzt sie als vorgezogene Pflänzchen aus eigener Anzucht. Nur ungefähr 20 % werden direkt gesät. Der Vorteil der Jungpflanzen: früherer und gleichmäßiger Bewuchs. Und je schneller die Pflanzen im Frühjahr loslegen, desto schneller schließen sich die Bestände und Unkraut hat aufgrund der Beschattung durch die großen Kürbisblätter keine Chance mehr. Bis es soweit ist, wird zwischen den Reihen maschinell und in den Reihen von Hand gehackt. Um diesen Aufwand so gering wie möglich zu halten, variiert Jochen Roelen auch die Pflanzabstände je nach Sorte. Bei eher buschig statt rankend wachsenden Sorten sind es 0,5 statt 1 m. Dadurch lässt sich ein höherer Flächenertrag erzielen. Ab Ende April wird in Etappen gepflanzt, der erste Satz erhält noch eine Vliesabdeckung. Gedüngt wird vor der Pflanzung mit Champost.

Trends bei Kürbissen

In den letzten fünf, sechs Jahren wurden Esskürbisse immer beliebter. Zum einen deshalb, weil Kürbis als schmackhaftes und gesundes Gemüse immer bekannter und die passenden Rezepte dank neuer Medien immer schneller Verbreitung finden. Zum anderen liegt es aber auch daran, dass die essbaren Arten und Sorten immer dekorativer werden. Nach dem Motto „Erst Deko, dann Mahlzeit“ schlagen die Kunden so zwei Fliegen mit einer Klappe.

Auf dem Probefeld, das Roelen jedes Jahr in Zusammenarbeit mit Alexander May, Bobby Seeds, anlegt, stehen in diesem Jahr 270 verschiedene Sorten. In unmittelbarer Nähe zum Hof kann Jochen Roelen so viele Neuzüchtungen begutachten. Alexander May, der selbst Kürbisse anbaut und Kürbis-Saatgut vertreibt, bringt in Zusammenarbeit mit Züchtern eigene Sorten heraus. Diese werden unter anderem bei Jochen Roelen unter Anbaubedingungen getestet und bewertet. Auch interessierte Anbauer können sich nach Terminabsprache die Neuzüchtungen zeigen lassen. Neben neuen Farben und Formen steht auch die Pflanzengesundheit ganz oben auf der Wunschliste der Anbauer. Vor allem Mehltau ist im Kürbisanbau ein großes Problem. Je früher nämlich der Blattapparat der Pflanzen zusammenbricht, desto länger sind die Früchte bis zur vollständigen Reife ungeschützt. Dies kann bei dunklen Früchten zu Sonnenbrand und damit zu unverkäuflichen Früchten oder zum Platzen der Früchte führen, wenn das Fruchtfleisch zu kochen beginnt. Auch Schäden durch Hasenverbiss nehmen deutlich zu, sobald die Blätter mit ihren feinen „Kratzhärchen“ die Früchte nicht mehr schützen.

Marion Valenta


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Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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