12.10.2020

Spezialist für Kürbissaatgut

Alexander May betreibt in Kall einen Saatguthandel mit angegliederter Zuchtabteilung mit Schwerpunkt Kübis
Foto: Scheel

Europaweit haben sich drei Unternehmen auf Kürbissamen spezialisiert. In der Schweiz, in den Niederlanden - und in der Eifel. Bei Alexander May dreht sich bereits seit fast drei Jahrzehnten alles um den Kürbis. Heute betreibt er in Kall einen Spezial-Versand für Kürbissamen mit über 300 verschiedenen Sorten und angegliederter Zuchtabteilung. Dabei beliefert er in ganz Europa Kunden aus dem Profianbau sowie verstärkt aus dem Hobbybereich.

„Mein Schwerpunkt ist im Grunde der professionelle Anbauer, vom kleinen Hofladen bis zum großen Kürbisproduzenten“, erläutert Alexander May die Struktur seiner Kundschaft im Unternehmen Floveg GmbH. Doch seitdem er sein Saatgut auch im Internet über den Onlineversandhändler Amazon vertreibt, steigt die Zahl der Kunden aus dem Hobbybereich ständig an. Diese beziehen allerdings nicht nur Kürbisse, sondern auch die wichtigsten anderen Gemüsearten sowie Kräuter, Blumen oder Gründüngungssamen von Floveg über die Marke Bobby Seeds.

Der Ursprung seiner Selbständigkeit liegt zu Beginn der 1990er-Jahre, als May nach seiner Gärtnerausbildung einen Blumengroßhandel betrieb. Zu der Zeit hat sein Freund Alexander Thomas die Gärtnerei seiner Eltern in Hürth bei Köln übernommen und dort mit ihm gemeinsam einen Freiland-Schnittblumenbetrieb aufgebaut. Da der September im Einzelhandel immer ein ziemlich ruhiger Monat ist, kam schnell die Idee auf, auch Kürbisse zu produzieren und so etwas Leben ins Geschäft zu bringen. „Wir haben damals ein kleines Programm mit 90 Kürbissorten für Gartencenter entwickelt“, so May über die Anfänge. Das Unternehmen mit sechs bis acht Beschäftigten hatte damit schlagartig so viel zu tun, dass sie mit dem Nachbarn und Gemüsebauer Leo Haenraets eine Arbeitsgemeinschaft gründeten. Nach zwei Jahren erfolgreicher Kooperation wurden die Betriebe schließlich zusammengelegt und die Floveg GmbH gegründet. „Floveg steht für Flowers and Vegetables“ erläutert May. Während die zwei Partner die Produktion übernommen haben, war May für die Vermehrung des Kürbissaatguts sowie für die Vermarktung der erzeugten Produkte zuständig. Als das Kürbissortiment auf mehr als 100 Sorten angestiegen war, kam die Idee auf, auch das Saatgut zu verkaufen.

„Als ich Anfang 2000 mit dem Samenhandel begonnen hatte, bekam ich einen Anruf aus dem ehemaligen Jugoslawien mit der Anfrage, ob sie für mich Saatgut vermehren könnten“, erinnert sich May. Nachdem er zunächst abgelehnt habe, packte ihn später doch die Abenteuerlust und reiste nach Subotica direkt an der ungarischen Grenze. Aus diesem ersten Kontakt entwickelte sich im Laufe der Zeit eine gute Beziehung und enge Zusammenarbeit. „In Serbien werden überwiegend unsere Kürbis-Spezialitäten vermehrt, die wir sonst nicht kaufen können“, so May. „Dort produzieren die Kleinbauern auch geringe Mengen Saatgut, sodass sich das ausgefallene Sortiment dort sehr gut vermehren lässt.“ Professionelle Mengen und Hybridsaatgut werden auch in den Niederlanden oder mittlerweile auch in China vermehrt.

Neben Kürbis- auch Gemüsesaatgut

„Nach einiger Zeit wurde mir das Geschäft zu groß“, so der Gartenbauer. „Insbesondere die Kürbisproduktion war sehr belastend. Die Anbaufläche ist damals auf fast 200 ha angestiegen und die Kürbisse mussten innerhalb kürzester Zeit vermarktet werden.“ Vor 13 Jahren stieg May aus dem Unternehmen aus und konzentrierte sich dann auf das Saatgutgeschäft. Nach dem Umzug nach Rheinbach bei Bonn lief der Betrieb anfangs etwas ruhiger. Dabei wurde der Kürbisspezialist von seiner Ehefrau und einer Aushilfskraft unterstützt. Zu seinen Kunden zählen zahlreiche Anbauer u.a. aus Deutschland, Österreich, Schweiz und den Niederlanden. Kleinere Mengen gehen auch nach Frankreich oder Großbritannien. Im Laufe der Zeit kamen auch kleinere Direktvermarkter und Privatkunden hinzu, die dann aber auch noch anderes Saatgut als Kürbis haben wollten, erinnert sich der 52-Jährige. Daraufhin nahm May auch Hobbytüten mit diversen Gemüsesorten in sein Sortiment auf, die er anfangs zugekauft hat. „Als der Lieferant aber immer unzuverlässiger wurde, habe ich angefangen, das Saatgut selbst abzufüllen“, so May. Zunächst hat er hauptsächlich Tomaten abgefüllt, aber im Laufe der Zeit wurden auch zunehmend Biosaatgut und weitere Gemüsekulturen verlangt. Mittlerweile bietet Floveg das komplette Hobbytütenprogramm an: von Salaten bis hin zu Fruchtgemüse und natürlich Kürbissen. Seit Anbeginn bietet May sein Sortiment auch im Internet an – mit stets wachsendem Erfolg. „Das Gemüsesaatgut vermehren wir allerdings nur zum kleinen Teil“, betont May. Da konzentriert er sich weiterhin überwiegend auf die Kürbisvermehrung und arbeitet intensiv mit drei Züchtern zusammen. Vor 13 Jahren hat er in Serbien einen professionellen Züchter kennengelernt, der für ihn züchtet, sodass er auch seine eigenen Hybridsorten hat. Mittlerweile hat er außerdem gute Kontakte zu einem Züchter in China sowie einer Züchterin in Deutschland. „Die neuen Sorten testen und bewerten wir unter Praxisbedingungen auf einem 2 ha großen Probefeld in Jüchen“, erläutert May. Dieses Jahr konnten dort zahlreiche Probekreuzungen getestet werden. Die Entwicklung einer Sorte kann durchaus 15 Jahre dauern, betont der Züchter. Im Laufe der Zeit hat er zahlreiche Kürbissorten selektiert. Mittlerweile kann der Kürbisspezialist 300 Sorten präsentieren. „Dies ist meine absolute Obergrenze“, so May. „Heute konzentrieren wir uns mehr auf unsere eigenen Sorten.“ Diese liefert er auch an andere Händler und Tütenabfüller europaweit.

Keimfähigkeit testen

Für May ist die Kürbiskultur Schwerpunkt und Leidenschaft zugleich. Da er viel Zeit mit dem stets weiter wachsenden Geschäft verbringt, trat bei May in Rheinbach schnell der Wunsch auf, Firma und Wohnung zusammenzulegen, um Familie und Arbeit so nah wie möglich zusammen zu haben. Vor zehn Jahren ist May mit dem Unternehmen und der Familie in die Eifel im Raum Bad Münstereifel umgezogen. Das 0,8 ha große Areal bietet neben Wohnraum ausreichend Platz für Büro, Lager, Kühlraum, Abfüll- und Versandhalle. Von dort werden u.a. 10 Mio. Kürbissamen pro Jahr verkauft. Der Gros beim Kürbis macht der Hokkaido aus, allein von `Uchiki Kuri´, der bekannteste und beliebteste Hokkaido-Kürbis, werden 1,5-2,0 t Samen jährlich verkauft. Ein weiterer Schwerpunkt ist neben dem Hokkaido der in Deutschland noch relativ unbekannte Butternut-Kürbis, der weltweit zu den beliebtesten Speisekürbissen zählt. Gelagert wird in Kall das gesamte Saatgut in einem speziellen Raum, dessen Temperatur auf 17,5 bis 18 °C gehalten wird mit einer Luftfeuchtigkeit von ca. 35-40 %. In den Regalen befindet sich das Saatgut in großen Säcken und handlichen Dosen. Das Saatgut ist je nach Art ganz unterschiedlich haltbar. Am längsten hält sich der Gartenkürbis (Cucurbita pepo). Der Moschuskürbis (Cucurbita moschata) lässt sich maximal sieben bis acht Jahre lagern. „Maßgeblich entscheidend für die Haltbarkeit ist die Qualität der Samen zum Erntezeitpunkt“, erläutert May. „Ist die Qualität im Erntejahr sehr hoch, kann eine C. pepo durchaus zehn bis zwölf Jahre gelagert werden. Generell testet Floveg jedes Jahr sein Kürbissaatgut mit eigenen Keimtests. In Anlehnung der offiziellen Regeln der Internationalen Vereinigung für Saatgutprüfung - ISTA (International Seed Testing Association) werden die Samen bei 25 °C in Papier und in Brutkästen geprüft. „Generell verkaufen wir Kürbissaatgut nur mit einer Keimfähigkeit von mindestens 90 %“, betont May.

Neben den Saatguttests ist auch das Abpacken des Saatguts ein Arbeitsschwerpunkt in dem Unternehmen. Die anfallende Arbeit kann May heute nicht mehr allein bewältigen. Floveg hat mittlerweile acht Angestellte. Für die Kunden ist allerdings May nach wie vor wichtigster Ansprechpartner. „Der Kürbisanbau ist sehr speziell und erfordert viel Fachwissen“, so der Rheinländer, der auf 25 Jahre Erfahrung in Sachen Kürbis zurückblicken kann. Nicht nur in Deutschland ist Alexander May ein bekannter Kürbis-Spezialist, der auch international um Rat rund um den Kürbis gefragt wird.

Birgit Scheel