13.03.2018

Straelener Schnittblumentag - Nischen für Schnittblumen

Seinen Abschluss fand der Schnittblumentag mit einer Besichtigung des Schnittblumenbetriebes von Ralf Schmitz (l.) in Straelen-Altbroekhuysen

 

Schnittblumen erfolgreich und rentabel anzubauen und zu vermarkten, scheint nicht selbstverständlich zu sein. Die Produktion in Deutschland stagniert seit Jahren, der Handel muss sich zunehmend aus dem Ausland bedienen und der Konsument möchte den lange haltbaren Strauß für kleines Geld. Tipps, Tricks und Erfahrungsberichte zum wirtschaftlichen Schnittblumenanbau gab es beim Straelener Schnittblumentag Ende November.

Zunächst informierte Jos van de Venne, Veiling RheinMaas, über die Sortimentsentwicklung an der Veiling RheinMaas, wo jährlich rund 350 000 Stapelwagen mit Schnittblumen umgesetzt werden. Wichtigste Versteigerungstage für Schnittblumen sind in Herongen der Montag und der Mittwoch, wobei mittwochs in der Regel die Preise geringfügig besser sind. Gut 1 600 Händler sind an der Uhr registriert, wobei der Fernkauf immer bedeutender wird. Ein Viertel der Veilingkunden (knapp 400) nutzen die Möglichkeit, von ihrem Büro aus live mitzubieten.

Top 10

Die Top-10-Liste der Schnittblumen (2016) an der Uhr wird angeführt von Rosen, gefolgt von Tulpen und Chrysanthemen. Auf den Plätzen vier bis zehn: Gerbera, Hippeastrum, Lilium, Paeonia, Hydrangea, Gypsophila und Eustoma. Bei den Rosen geht der Trend eindeutig zu großblumigen Sorten; der Anteil der mehrblumigen Rosen habe in den letzten zwei Jahren leicht zugenommen, so van de Venne. Die fünf wichtigsten Sorten/Produkte sind `Red Naomi´, `Avalanche´, Mixcontainer, `Athena´ und `Belle Rose´. Bei den Tulpen liegt der gemischte Bund weiter im Trend. Die Kunden zeigen verstärkt Interesse an einem breiten Sortiment in schweren Qualitäten; Sonderformen wie gefüllte, gefranste oder papageienblütige Sorten sind interessant. Auch bei den Gerbera sind Sondersorten gefragt. Ein breites und tiefes Sortiment ist auch hier wichtig für die Versteigerung. Die Nachfrage nach großblumigen Gerbera habe sich auf niedrigem Niveau stabilisiert, so der Referent. Die Top 5 werden bei den Gerbera vom Mix angeführt, gefolgt von den Sorten `Suri´, `Kimsey´, `Bison´ und `Masserati´.

Bei den Chrysanthemen nehmen die Anteile an ein- und mehrblumigen Sorten ab, während die Santini-Sorten anteilig zunehmen. Bei den Amaryllis sind nach wie vor rote und weiße Farben gefragt, aber es werden auch immer mehr rosafarbene Sorten angeboten. Top 5 sind `Ferrari´, `Mont Blanc´, `Red Lion´, `Cherry Nymph´ und Mix. Wie der Schnittblumen-Experte berichten konnte, erfreuen sich Paeonien weiterhin steigender Beliebtheit, sodass die Saison nach vorne und hinten verlängert wird. Rosa gefüllt blühende Sorten haben weiterhin die höchste Marktbedeutung und so führt `Sara Bernhardt´ auch die Top 5 der Paeonien an, gefolgt von `Duchesse de Nemours´, `Flame´, `Edulis Superba´ und `Dr. Alexander Fleming´.

Bei den Schnitt-Hortensien verzeichnet die Veiling immer noch Flächenzuwächse. Große Blütenstände sind gewünscht. Neben den frischen und den klassischen Farben laufen auch zweifarbige Sorten. Als rückläufig musste van de Venne den Verkauf von Lilien an der Uhr bezeichnen. Auch die Bedeutung von Freiland-Lilien gehe zurück. Lilien in Premium-Qualität würden allerdings zu guten Preisen vermarktet. Den Eustoma bescheinigte der Redner gute Preise; die Ganzjahres-Produzenten würden ihre Sortimente und Menge ausweiten. Bei den Sommerblumen fiel 2017 eine Sortimentserweiterung mit Nischenprodukten auf.

Auch Peter Tiede-Arlt vom Gartenbauzentrum Straelen ging in seinem Vortrag „Besondere Produkte – Wie kann ich mich von der Masse abheben?“ auf die Kultur von Eustoma ein. Hier gebe es interessante Neuzüchtungen mit großen Blüten, interessanten Formen und Farben. Die Kultur komme ohne Wuchsregulierung aus und liefere anders als Importware deutlich bessere Qualitäten, die mit ihrer langen Vasenhaltbarkeit überzeugten. Überdies ging der Versuchsingenieur in seinem Vortrag auf Nischenprodukte ein, die für einzelne Gärtner interessant sein können, insbesondere, wenn es ihnen gelingt, diese beispielsweise über das erzählen einer Geschichte dazu in der Direktvermarktung erfolgreich abzusetzen. Für den Herbst nannte er Ajania pacifica sowie für das Frühjahr Bellis perennis und Primula-Crescendo-Hybriden als Schnittblumen, wobei er vor der arbeitsaufwändigen Marktaufbereitung warnte und die Kultur deshalb nur bei entsprechenden Erlösen für Endverkaufsbetriebe empfahl. Auch Kalanchoë nannte Tiede-Arlt als Schnittblumennische; die Kultur sei allerdings energieintensiv, dauere ein halbes Jahr und habe eine Verdunklung nötig. Mit einer Vasenhaltbarkeit von bis zu drei Monaten im Monostrauß seien Kalanchoë allerdings für Direktvermarkter interessant, die entsprechende Preise erzielen könnten.

Blumen frisch halten

Schnittblumen altern, sobald sie geschnitten sind. Mit dem Aufrechterhalten einer geschlossenen Wasserkette über alle Wege vom Produzenten bis in die Vase des Verbrauchers kann schon viel für maximale Frische erreicht werden. Zusätzlich bietet sich der Einsatz von Frischhaltemitteln an, damit der Konsument möglichst lange Freude an seinen Blumen hat. Das kleine Tütchen mit Frischhaltemittel, das er von seinem Fachgeschäft zum Strauß dazubekommt, ist nur ein Aspekt. Frischhaltemittel sollte bereits der Gärtner dem Wasser zufügen, wenn er die frisch geernteten Blumen in Kübel stellt. Die Hersteller von Frischhaltemitteln halten für jeden Schritt der Vermarktungskette das passende Mittel bereit. Zwei Vertreter von ihnen berichteten beim Schnittblumentag über ihre Produkte.

Zweck der Frischhaltemittel ist es unter anderem, dass sich möglichst keine Bakterien im Blumenwasser entwickeln, die das Vasenleben verkürzen. Stefan Birkel von der Fa. Braun GmbH, Lemgo, proklamierte für Chrysal, dass es die Blüte so lange halten soll, als wäre sie noch mit der Pflanze verbunden. Dabei spielen Hygiene, pH-Wert und Pflanzenernährung neben Licht und Temperatur eine Rolle für die Schnittblume. Der Weltmarktführer bietet für alle Stufen der Vermarktungskette spezielle Frischhalteprodukte an. Produzenten, Großhändler und Floristen können sich von der Fa. Braun mit dem Chrysal Frische-Test zertifizieren lassen und garantieren damit ihren Kunden, dass sie alles in ihrer Macht stehende tun, um die Schnittblumen optimal frisch zu halten.

Tjeerd de Looze vom Gartenbaubedarfsartikelhandel UFO Supplies BV, NL-Aalsmeer, stellte die Florissant-Produkte vor. Auch dieser Hersteller bietet verschiedene Produkte für unterschiedliche Schnittblumenarten und verschiedene Stufen der Handelskette. Allgemein ist zu beachten, ob die Frischhaltemittel in Deutschland zugelassen sind. Überdies gibt es Vermarktungsorganisationen, die nur bestimmte Frischhaltemittel erlauben, beispielsweise nach hauseigenen Tests.

Aus der Praxis

Drei Praktiker erzählten am Nachmittag, wie sie ihre Schnittblumen vermarkten. Den Anfang machte Ulrike Coenen vom Hofladen Coenen in Kaarst. Gemeinsam mit ihrem Mann Rainer bewirtschaftet die Gartenbau-Ingenieurin 15 ha, auf denen Obst, Gemüse und Schnittblumen (1 ha) für die hofeigene Direktvermarktung gedeihen. Bei den Schnittblumen dominieren die Dahlien (5 000 m²), gefolgt von den Pfingstrosen (2 000 m²). Die restliche Fläche teilen sich Sonnen- und Sommerblumen. Pro Sorte sind es häufig nur 40-50 Pflanzen, sodass Besonderheiten auch selbst ausgesät werden. „Wir haben viel Spaß an Blumen, das ist teilweise nicht wirtschaftlich“, lacht Ulrike Coenen, „aber ein bisschen Idealismus ist auch dabei.“

Die Produkte von den 15 ha werden nicht nur im Hofladen, sondern auch auf mehreren Wochenmärkten sowie an Kollegen verkauft. Was die Blumen betrifft, „so ist unsere Nische dat Strüsske“, erläutert die Unternehmerin. Dabei hat sie vor Jahren das Ideen-Strauß-Konzept von Kammerberaterin Birgit Jacquemin übernommen. Alle Sträuße werden zuhause gebunden, und zwar immer mindestens 20 von einer Sorte. Größe und Preis bleiben immer gleich, es werden kleine, mittlere und große Sträuße angeboten. Die Blumen variieren je nach Saison, gegebenenfalls wird mit Schnittgrün „gefüllt“. Gerade an den Marktständen gehen nur Sträuße bis 10 €, entsprechend rationell muss die Binderei sein. Zusätzlich zu bunten, gebundenen Sträußen werden einzelne Blumenarten auch als Bundware angeboten. Zur Anpassung an Trends informieren sich die Coenens in Verbraucherzeitschriften, was gerade „in“ ist und richten ihr Sortiment entsprechend aus.

Großmarktfahrer mit Leib und Seele ist Hans-Peter Heinen von Blumen Heinen Schnittkulturen in Willich. Er produziert mit in Spitzenzeiten bis zu 55 Mitarbeitern an zwei Standorten ein breites Sortiment an Schnittblumen, darunter Tulpen, Ranunkeln, Bartnelken und Chrysanthemen, jeweils in 20-80 Sorten. Neben dem Blumengroßmarkt Düsseldorf beliefert er auch Landgard und FloraHolland. „Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um sechs Nächte in der Woche am Großmarkt zu verbringen und tagsüber zu produzieren“, sagt der Unternehmer. Aber er liebt die Atmosphäre in Düsseldorf, den direkten Kundenkontakt und die Freundschaften, die sich über die Jahre ergeben haben.

Heinen möchte etwas anbieten, was es nicht überall gibt. Deshalb schätzt er die Gespräche mit seinen Kunden, das Miteinanderarbeiten, das Reagierenkönnen auf ihre individuellen Wünsche. Zum Service gehört, dass auch kleine Mengen gekauft werden können und verschiedene Verpackungen und Tüten bereitgehalten werden. Auch nach Sonn- oder Feiertagen bekommt der Kunde stets frisch geschnittene Ware zu einem relativ gleichmäßigen Preisniveau.

Gärtnerssohn Peter Gervens kultiviert seit 2010 in GbR mit seinen Eltern Schnittblumen auf 5 000 m² Gewächshausflächen und 3 ha Freiland. Die vier Hauptkulturen Tulpen, Sonnenblumen, Lilien und Chrysanthemen sowie seit 2016 auch Limonium werden über die Veiling RheinMaas vermarktet. Um bei den Kunden erfolgreich zu sein, wird auf Qualitätserzeugung größter Wert gelegt. Beispielsweise bei den Tulpen werden große Zwiebeln für bessere Qualitäten bevorzugt. Es werden weniger Pflanzen pro Quadratmeter gesetzt. Neue und besondere Sorten erhöhen die Sortenvielfalt. An wechselnde Kundenbedürfnisse beispielsweise hinsichtlich Farben oder Verpackung passt sich die Gärtnerfamilie an. Bei Ernte und Aufbereitung wird stark selektiert mit einem Augenmerk auf hohe und gleichmäßige Qualitäten.

Für den Wiedererkennungswert wird jedes Produkt mit eigenen Etiketten versehen und an jedem Blumenwagen prangt das Betriebslogo. Hochwertige Produktfotos setzen die Ware in Szene. Gleichbleibend hohe Produktqualitäten und eine verlässliche Anlieferung garantieren den Uhrkunden Kontinuität. Peter Gervens sieht klare Vorteile der Vermarktung an der Uhr: Die Veiling RheinMaas übernimmt einen Großteil der kaufmännischen Tätigkeit, Kundenpflege, Transport und Logistik; Kundentage oder Messen können für den direkten Kundenkontakt genutzt werden; flexible Anlieferung von Produktmengen; zuverlässige Zahlungsabwicklung; Produktansprechpartner und Unterstützung bei der Betriebspräsentation in Form eines Werbevideos.

Was sich Floristen wünschen

Floristmeisterin Brigitte Heinrichs aus Heinsberg entführte die Schnittblumenanbauer in die Welt der Blumenkunst. Sie ist der Meinung, dass Gärtner und Floristen mehr miteinander sprechen sollten. Wer wie sie das Handwerk von der Pike auf gelernt hat, versucht, sich mit Individualität, Qualität, Vielfalt und Besonderheiten von der Masse der häufig auch ungelernten Konkurrenz abzuheben. Dafür brauchen die Floristen eine Vielfalt zur Auswahl, aber jeweils nur kleine Mengen. „Je besonderer die Einzelstücke sind, desto besser ist es für uns Künstler“, sagte die Floristmeisterin. „Wir können auch viel kurze Ware verarbeiten, wir brauchen nicht immer lange Stiele.“ Sie bedient sich am liebsten auf dem Blumengroßmarkt, weil sie da auch Besonderheiten verlangen kann und weil sie dank stabiler Preise für ihre Kunden Angebote realistisch kalkulieren kann.

Brigitte Heinrichs wünscht sich von den Gärtnern mehr Phantasie, womit die Floristen noch etwas anfangen können. So verarbeitet sie beispielsweise nicht nur Apfelzweige mit Flechten drauf, sondern auch mal krumm gewachsenes Efeu oder unterm Topf abgeschnittene Wurzelteller. „Wir sind ständig auf der Suche nach was Neuem. Wir brauchen das Besondere“, betonte sie. Floristen und Gärtner sollten enger kommunizieren über ihre Wünsche, Angebote und Neuheiten.

Sabine Aldenhoff

 


Neuerscheinung

Industrie-News



Informatives



Ausgabe 12/2018

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

Service

Quicklinks