12.03.2019

Substrate auf der IPM Essen

So wurde von DHG die bioterra Biokräuter- und Anzuchterde vorgestellt
Foto: Gugenhan

Vor Beginn der IPM verschickte der Zentralverband Gartenbau e.V. eine Pressemitteilung zum Thema Substrate. In dieser Pressemitteilung teilte der ZVG mit, dass im Gartenbau qualitativ hochwertige Pflanzen mit hoher Kultursicherheit produziert werden, dazu wird als Basis ein Kultursubstrat benötigt, das dies gewährleistet. Dann folgte der Hinweis, dass Torf nach wie vor der wichtigste Substratausgangsstoff ist, seit längerer Zeit aber auch schon Versuche mit Ersatzstoffen laufen, um die Verwendung von Torf zu reduzieren. Der ZVG will die Bemühungen unterstützen, Alternativen zur Minderung der Torfanteile zur Verfügung zu stellen, auch wenn qualitativ gleichwertige Ersatzstoffe für den Torf jedoch bisher nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. 

Die Hinweise in der Pressemitteilung stimmen exakt mit den Hinweisen der Substratproduzenten, die als Aussteller auf der IPM vertreten waren, überein. Schwerpunkte der dort als Neuheiten und Besonderheiten vorgestellten Produkte waren Substrate, die weitgehend oder zum großen Teil heute schon torffrei produziert werden und auch als Ersatzstoffe vor allem Kokos und Holzfaser in verschiedenen Qualitätsstufen beigesetzt sind. Die Ersatzstoffe haben heute also bereits eine große Bedeutung, andererseits kann man nicht vollständig auf den Torf verzichten. Insbesondere Holzfaserstoffe in verschiedenen Qualitätsstoffen haben heute große Bedeutung, während offensichtlich aus Kostengründen Kokos nicht so sehr in den Vordergrund rückt. 

Auffallend war bei der IPM, dass die Zahl von Spezial-Substratmischungen für bestimmte Kulturen deutlich zugenommen hat. Das gilt vor allen Dingen für die Bereiche Zierpflanzenbau und Obstbau, wo für bestimmte Kulturen auch speziell zubereitete Erdmischungen angeboten werden. Selbst die Jahreszeiten spielen offensichtlich eine gewisse Rolle, denn es werden heute sogar schon Sommer- und Wintersubstrate angeboten. Sie unterscheiden sich vor allen Dingen in der Wasserspeicherfähigkeit, denn im Sommer wird mehr Feuchtigkeit im Wurzelbereich benötigt im Vergleich zum Winter, wo die Substrate wasserdurchlässiger sein sollten. Eine größere Bedeutung haben heute auch bereits zertifizierte Substrate, wobei die Nachfrage vor allem nach zertifizierten Bio-Substraten deutlich im Steigen begriffen ist. 

Letztendlich spielt aber bei vielen Produzenten heute nicht mehr unbedingt die fertige Substratmischung für den Profi-Gartenbau eine besondere Rolle, sondern Mischungen, die exakt auf den Bedarf für bestimmte Kulturen des jeweiligen Kunden ausgerichtet werden. Auf diese Weise kommt man den Wünschen der Kunden weitestgehend entgegen, damit ihnen für ihre Spezialkulturen die jeweils beste Substratmischung geliefert werden kann. 

Natürlich haben zahlreiche Substratbetriebe auch Spezial-Substrate im Angebot, die für bestimmte Kulturen zum Einsatz kommen. Auf diese Erdmischungen wurde auf der IPM von Lieferanten immer besonders hingewiesen.


Spezial-Substrate von Brill

Die Brill Substrate GmbH, Georgsdorf, ist bekannt für die Pro-duktion und Lieferung zahlreicher Substrat-Mischungen. Immer wieder gibt es auch Neuheiten, die zum Beispiel auch auf der IPM in Essen vorgestellt wurden. So wurde im Bereich der torfreduzierten Kultursubstrate die Produktlinie der Green Life-Substrate mit mindestens 30 % Torfersatz weiter ausgebaut. Neu in dieses Sortiment aufgenommen wurde das torfreduzierte Ligno-Mix E & F für Ebbe-Flut-Systeme. So wird in diesem Substrat mindestens 30% Torf durch LignoDrain und Substratfaser ersetzt. LignoDrain wird aus unbehandeltem, heimischem Nadelholz ohne Rindenanteil hergestellt und ähnelt in der Struktur Holzchips. Das Material besitzt eine gleichmäßige Körnung mit geringem Feinanteil. Der Vorteil dieses Materials ist, dass durch die glatte Oberfläche nur eine geringe und kalkulierbare N-Fixierung stattfindet. In Substraten wirkt LignoDrain stabilisierend auf die Struktur, erhöht die Drainfähigkeit, verbessert die Luftkapazität und fördert ein gesundes Wurzelwachstum. 

Deshalb wurde dieses Material jetzt auch mit einem speziellen Topfsubstrat für die Ebbe- und Flut-Bewässerung beigemischt und es eignet sich besonders für die Fließrinnen- und Fließmattenbewässerung. Brill empfiehlt diese neue Mischung für Kulturen in Töpfen ab 10 cm. Tatsächlich hat sich das Material bei Kulturen auf Ebbe- & Flut-Tischen hervorragend bewährt. 

Als weitere Neuheit wurde das Substrat "PRO berry red PE20" vorgestellt, das speziell im Beerenobstbereich eingesetzt werden kann. Das Substrat ist strukturstabil und verfügt über eine hohe Luftkapazität. Es setzt sich zusammen aus 40 % Weißtorf, 40 % Kokosmaterialien und 20 % Perlite, Korngröße 2 bis 6 mm. Außerdem ist das Substrat mit 300 g NP-Dünger/m³ + Spurenelementen versorgt. Diese Substratmischung sorgt für eine gute Drainfähigkeit, schnelle Wiederbenetzung und gute Wasserverteilung. Sie ist bestens geeignet für Beerenkulturen mit längerer Kulturdauer, z.B. für Erdbeeren in Stellagen oder Himbeeren in Containern. 

Außerdem werden zukünftig die Standardrezepturen für die Brill BIO Vermehrungssubstrate mit 30 % Torfersatz angeboten. Diese verschiedenen Substrate sind schon seit Jahren bei der FiBl für Deutschland und die Schweiz und bei InfoXgen für Österreich gelistet. 

Brill liefert auch Substrate in 45-l-Packungen für den Endverkauf. Diese werden in Zukunft auch mit der Lieferadresse des absetzenden Unternehmens auf einer größeren Fläche der Verpackung geliefert. 


Bioterra - torffreies Bio-Erdensortiment

Gemeinsam mit dem Produktionswerk Eifelholz bietet die DHG Vertriebs- und Consulting-Gesellschaft in Kempen erstmals 2019 ein torffreies, ökozertifiziertes Substrat-Sortiment in Premiumqualität an. Auf der IPM wurde auf diese Neuheiten aufmerksam gemacht die torffrei überwiegend aus regionalen, nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden. Sie sind nach der EG-Verordnung 834/20076 zertifiziert und für den ökologischen Landbau geeignet. Es handelt sich also durchweg um Bio-Produkte zur Kultur von Zierpflanzen, Gemüse und Kräuter, die aus Holzfaser, Rindenhumus und Grünkompost sowie mineralischen Bestandteilen bestehen. Sie sorgen für eine ausgeprägte Strukturstabilität und gewährleisten einen optimierten Wasser- und Lufthaushalt. Außerdem gibt es auch noch den Bioterra-Gärtnerhumus, der aus regional erzeugter Holzfaser und gut gereiftem Strukturkompost aus Grünschnitt besteht und zur Bodenverbesserung eingesetzt werden kann. Dieses Substrat hat ebenfalls eine lockere, pflanzen-freundliche Struktur und ist frei von Unkrautsamen und Fremd-stoffen. Damit können schwere, verdichtete Böden wieder aufgelockert werden, um eine bessere Durchwurzelung zu erzielen. Dieser Gärtnerhumus verbessert die Bodenqualität, sorgt bei schweren Böden für eine bessere Bearbeitung und erhöht in sandigen Böden die Bodenfeuchtigkeit. Es handelt sich, so der Hersteller, um einen optimalen Bodenverbesserer für alle Pflanzen- und Gemüsebeete im Garten. Durch den Humusanteil wird das Bodenleben und damit die Fruchtbarkeit gefördert. 

Neue Substrate für Beerenobst 

Auch der Einheitserdewerkverband e.V., Sinntal-Altengronau, stellte auf der IPM einige interessante Neuheiten vor. Spitzenprodukt der Zukunft ist der Eurohum Containermulch, der zu 100 % aus Holzfasern und -häckseln in unterschiedlichen Fraktionen bis 20 mm besteht. Er dient zur Abdeckung von Substraten in Töpfen und Freilandflächen bei Stauden und Gehölzen. Aufgrund der Struktur dieses neuen Mulches verzahnen die einzelnen Fasern fest miteinander und bilden so einen Deckel, der sich schützend über das Substrat im Container legt. Das Besondere dabei ist noch, dass für diesen Verwendungszweck diesem Containermulch noch Gelatinekleber beigemischt wird und auf diese Weise beim Umkippen des Topfes sich am Mulchbelag  nichts verändert. Die Ausbringung erfolgt sowohl auf Töpfen wie auf Pflanzbeeten in einer Schichtdecke von rund 2 cm. Auf diese Weise verhindert der Mulchdeckel einerseits ein Ausschwämmen der Bodennährstoffe durch Wind und Starkregen, andererseits unterdrückt er effektiv Unkraut- und Moosbildung in Containern sowie auf Pflanzbeeten. 

Aufgrund seiner Struktur minimiert der Mulch auch das Keimen zufliegender Unkrautsamen, jedoch nicht die Wasseraufnahme und ist auf diese Weise für alle Beregnungssysteme geeignet. Natürlich wird gleichzeitig die Verdunstung von Wasser verringert und so auch Bewässerungsmaßnahmen eingespart. Geliefert wird der Containermulch Kunden im 70-l-Sack, im BigBag bis 2,5 m³ und als lose Ware als halbe bzw. ganze Lkw-Ladung. 

Als weitere Neuheit wurde das torffreie GBS-Gemüse- und Beerenobstsubstrat vorgestellt, das ausschließlich aus nachhaltigen Rohstoffen aus der Region hergestellt wird. Ein in dieser Form gebrauchsfertiges Kultursubstrat für Beerenobst und Gemüse hat es, so Produktmanager Thomas Will, bisher noch nicht gegeben. Das neue Substrat hat den Vorteil, dass es aufgrund der stabilen Porenverhältnisse mit guter Drainage sowie dem positiven Wasserspeicher für ein optimales Wachstum mit gutem Ertrag und bester Fruchtqualität sorgt. Empfohlen wird das Substrat für die Kultur von Erdbeeren auf Stellagen, Himbeeren im Container sowie Gemüse und Obst im Big Bag. Auch dieses neue GBS-Gemüse- und Beerenobstsubstrat wird Kunden im 70-l-Sack, im Big Bag oder als lose Ware ausgeliefert. Auch stellt das Unternehmen Obst- und Gemüsebauern für einen Testanbau Material in entsprechender Menge zur Verfügung. 

100 Jahre Floragard 

Auch die Floragard Vertriebs GmbH, Oldenburg, war auf der IPM vertreten und konnte dort gleichzeitig mit einem gewissen Stolz auf eine 100jährige Geschichte zurückblicken. Das Unternehmen wurde 1919 als Torfstreuverband mit Sitz in Berlin gegründet, gründete 1929 die Qualitätsmarke "Floratorf" und verlegte nach dem 2. Weltkrieg, 1946, den Firmensitz nach Oldenburg. Noch eine kleine Veränderung gab es 1987. Damals wurde die Vermarktung der Hobby-Erden unter der Marke Floragard eingeführt. Heute ist Floragard weltweit tätig, wobei sowohl Profi- und Hobby-Produkte in vielen Variationen produziert und angeboten werden. 

Auf der IPM gab Floragard eine weit gefächerte Übersicht über ihre Produkte, wobei natürlich neben den Grundsubstanzen auch die handelsüblichen Mischungen vorgestellt wurden. Dabei wurde auch darauf hingewiesen, dass heute zur Herstellung von Substraten Holzfaser-Produkte eine große Bedeutung gewonnen haben. So wurde eine Holzfaseranlage im Floragard-Werk Moorkultur Ramsloh neu aufgebaut und mit einer Produktionsmenge von bis zu 40 000 m³ dort ein nachwachsender Ausgangsstoff in bester Qualität produziert. 

Natürlich wurden auf der IPM Muster von Fertigsubstraten vorgestellt, darunter auch einige Neuheiten, die sofort im Handel erhältlich sind. 

Interessent war in diesem Zusammenhang die deutlichen Unter-schiede in den Mischungsverhältnissen, die ganz speziell auf die jeweiligen Kulturen eingestellt waren. Als besondere Neuheit gezeigt wurden zum Beispiel die Mischungen Floradur zur Topfkultur von Primula und Viola und Florabalt zur Topfkultur von Bromelien. Außerdem gab es als weitere Neuheit die Mischung Floradur zur Topf- und Containerkultur ganz speziell für Heidelbeeren. 

Gut kombiniert - Torf reduziert

Auch die Gramoflor GmbH, Vechta, war auf der IPM mit neuen Substraten vertreten. Obwohl das Unternehmen über eigene Torfgewinnungsflächen in Norddeutschland verfügt, hat Firmenchef Josef Gramann das Unternehmen den Ansprüchen der Zeit angepasst. So werden heute viele Substrate in selbst hergestellter Qualitätsholzfaser: "Lignofibre" und Kokossub-straten in drei "Cocopeat-Qualitätsstufen" produziert und angeboten. Dabei werden z.B. bei einigen Profisubstraten, z.B. für Containerkulturen, Mischungen in deutlich faseriger Struktur produziert, während andererseits, z.B. für Anzuchtsubstrate und Hobbyerden, eher feine Mischungen hergestellt werden. Für Topfsubstrate im 9-cm- und 11-cm-Topf wird sogar auf eine sehr feine Struktur geachtet. So hat sich also Gramoflor auch vollständig der Entwicklung im Substratbe-reich angepasst und liefert Substrate "gut kombiniert und torfreduziert". Auch torffreie Substrate, die für bestimmte Kulturen eingesetzt werden können, sind im Angebot. 

Baltische Schwarztorferde 

Auch die Hawita Gruppe GmbH, Vechta, präsentierte in Essen ihre Produkte. Als besondere Neuheit wurde auf eine Presstopferde hingewiesen, bei der baltischer Schwarztorf im Vordergrund steht. Dieses Torfprodukt soll nicht so klebend wirken, ansonsten gleich gute Eigenschaften wie andere Torfprodukte besitzen. Gegenüber deutschem Schwarztorf soll aber dieses baltische Produkt einen bessern Lufthaushalt gewährleisten. Als Beispiel wurde der Einsatz bei der Kultur von Feldsalat vorgestellt, der in dem Produktionsbetrieb von Hermann Welzel, Essingen, produziert wurde. Dieser Gemüsebaubetrieb setzt also ganz speziell dieses Produkt von Hawita ein, um gerade auch während der Winterzeit qualitativ hochwertige Gemüsearten in guten Eigenschaften produzieren zu können. Offensichtlich hat das Substrat auch noch den Vorteil, dass es aufgrund seiner besonderen Eigenschaften gerade die Gemüsearten wie Feldsalat weitgehend vor pilzlichen Erkrankungen schützt.

Bio-zertifizierte Substrate 

Das Substratunternehmen Klasmann-Deilmann GmbH, Geeste, hat sich in den letzten Jahren weitgehend auf den ökologischen Gartenbau eingestellt. Durch den weiter steigenden Bedarf an Bio-Substraten hat das Unternehmen aktuell die Bio-Zertifizierung neu ausgerichtet. Gerade dieses Thema stand auf der IPM am Stand von Klasmann-Deilmann im Vordergrund. Entscheidend war nämlich, dass mit Beginn des Jahres 2019 die Produktion von Bio-Substraten der internationalen Kontrollstelle Ecocert unterstellt wurde. Diese Öko-Kontrollstelle prüft und zertifiziert jetzt die derzeit mehr als 200 Rezepturen für Bio-Substrate von Klasmann-Deilmann nach Maßgabe der EU-Ökoverordnung. Die Ecocert IMO GmbH mit Sitz in Konstanz ist eine international operierende Zertifizierungsstelle mit hohem Bekanntheitsgrad. 

Als besondere Neuheit wurde von Klasmann-Deilmann auf den Growcoon hingewiesen. Es handelt sich dabei um einen biologisch abbaubaren Plug mit einer flexiblen und offenen Struktur. Er wird empfohlen zum Einsatz in Vermehrungssystemen und sorgt für einen stabilen Wurzelballen. Er besteht aus lebensmittelechten Komponenten, trägt das "OK Compost"-Siegel, entsprechend EN 13432. Das bedeutet, dass diese Growcoon keine Schadstoffrisiken für Kultur, Mensch und Umwelt enthält. Verfügbar ist dieser Growcoon in Standard- und Spezialgrößen, dazu passend auch die Anzuchtplatten/Trays. So kann dieser Growcoon in allen gängigen Vermehrungssystemen und unterschiedlichen Trays eingesetzt werden. Es handelt sich also um ein ideales Anzuchtsystem für alle Vermehrungsarten im Produktionsgartenbau. Mit seiner elastischen und offenen Struktur ermöglicht das Substrat eine schnellere Wurzel-entwicklung der Jungpflanzen. Dadurch werden die Vermehrungszeiten verkürzt und es entstehen kräftige, gesunde Jungpflanzen mit hoher Pflanzleistung. Offensichtlich mussten bisher die Growcoons manuell in die jeweiligen Trays eingefügt werden. Doch gibt es jetzt auch einen vorgeschalteten Dispenser, der die automatische Platzierung in die jeweiligen Trays übernimmt. 

Spezialsubstrate

Auf einige Neuheiten bei den Substraten wurde hingewiesen. Im Blickpunkt stand vor allen Dingen wegen der offenbar international weiter steigenden Nachfrage nach Spezialsubstraten für eine sichere Kultur von Beerenobst eine neue Produktlinie. Diese Spezialsubstrate gewährleisten eine sichere Anzucht und ertragreiche Weiterkultur von Kulturbeerenobst in Töpfen und Containern. Die praxiserprobten Substrate sind vor allen Dingen für Erdbeeren, Blaubeeren, Himbeeren, Heidelbeeren und Johannisbeeren in Containern auf Basis der Rohstoffe Torf, Kokos, GreenFibre und Perlite geeignet. Die verschiedenen Substrate sind hinsichtlich ihrer pH-Werte und der Nährstoffversorgung exakt auf die Ansprüche von Beerenobst ausgelegt. Gerade diese Substrate sollen dazu dienen, dass vor allen Dingen solche Betriebe, die neu in die Kultur von Beerenobst einsteigen, die Möglichkeit haben, optimale Wachstums- und Ertragsleistungen zu erzielen. Auch wurde darauf hingewiesen, dass Klasmann-Deilmann Gartenbaube-trieben eine umfassende Beratung zu allen Details zu einer Kultur von Beerenobst anbietet. 

Kleeschulte verzichtet weitgehend auf Kokos 

Auch bei der Kleeschulte Erden GmbH, Rüthen, sind wieder einige Besonderheiten auf der IPM aufgefallen. Ganz besonders im Blickpunkt stand zunächst beim Zugang das wunderschöne handgemalte 3 x 6 m große Wandbild der Hamburger Künstlerin Berger, die eine wunderschöne blühende Landschaft darstellte.  

Der Kernpunkt der fachlichen Ausstellung waren natürlich die Substrate, die auch insgesamt gesehen zu den Besonderheiten zählten. Dazu wies der Substrathersteller darauf hin, dass bei ihm torffreie und torfreduzierte Produkte zur Kernkompetenz zählen. Während die Branche, so seine Ausführungen, durchschnittlich nur 17 % nachhaltige Rohstoffe verarbeiten, sind es im Erdenwerk Kleeschulte 95 %. Damit ist dieses Unternehmen der Innovationsführer in der Branche. 

Zu den wichtigsten Produkten für den Erwerbsgartenbau zählt die Substanz topora aqua. Bereits im vergangenen Jahr stellte das Kleeschulte-Team diese Substanz als erste nachhaltige und wasserspeichernde Substratfaser für Erden und Substrate vor. Seinen ersten Härtetest hat dieses Material im Jahrhundertsommer 2018 bestanden, denn auch bei der ungewöhnlichen Hitze und geringen Niederschlägen hat dieser Zuschlagstoff seine hervorragenden Eigenschaften hinsichtlich optimierter Wasseraufnahme und Wasserspeicherung unter besten Beweis gestellt. Aufgrund dieser positiven Erfahrungen wird heute bei Kleeschulte bei der Produktion von Substratmischungen weitgehend auf Kokosprodukte verzichtet. 

Eine neue Besonderheit ist in diesem Jahr aber der Kleeschulte Universalmulch. Er wird als schützender Teppich z.B. auf Stau-den- und Gehölzbeeten ausgelegt und schützt so die Flächen vor starker Wasserverdunstung. Es handelt sich dabei um ein Sub-stratfaserprodukt mit sehr hoher Wasserhaltefähigkeit aufgrund einer gezielten Rohstoffzusammensetzung. Es reicht auch völlig aus, wenn er nur in einer Schichthöhe von 3 bis 5 cm ausgebracht wird. Das Material hat aufgrund der ausgewählten Rohstoffe ein relativ geringes Gewicht und ermöglicht so ein leichtes und schnelles Ausbringen. Auch ist das Material sehr strukturstabil und rutscht an Hanglagen bis 45 ° nicht ab. So ist dieser Universalmulch eigentlich ein Hydromulch, der durchaus eine wasserspeichernde Wirkung besitzt. 

Ein weiteres neues Produkt ist der Funktionsmulch "Kleeschulte Fibrepine". Er besteht vorwiegend aus Pinienrinde und besitzt eine perfekte Optik und vorteilhafte Mulcheigenschaften. Dieser Fibrepine ist besonders gut geeignet für Abdeckflächen in Hang- und Schräglage, z.B. im Straßenbau. Der besondere Faserverbund sorgt für eine hohe Lagerstabilität, die auch das Abschwämmen bei Starkregen verhindert. Das Material kann sparsam angewendet werden und ist leicht zu verteilen. Besonders empfohlen wird Fibrepine auch als hochwertiges und dauerhaftes Abdeckmaterial für Grabflächen. 

Produktlinien für den Erwerbsgartenbau 

Die Stender AG, Schermbeck, bietet ebenfalls ein sehr umfangreiches Substratsortiment für den Profi- und Hobbygartenbau an. Auch hier hat sich vieles verändert und bei den zahlreichen Sortimenten der Anteil an Weißtorf verringert, dafür jedoch der Anteil an Substratholzfaser stark vergrößert. Unter der Bezeichnung "Stender add it" bietet Stender ein Grundsortiment von bewährten Substratstrukturen an, die jedoch individuell auf den Anspruch des jeweiligen Gartenbaubetriebs editiert werden können. Die Grundstrukturen können hier maßgeschneidert auf die jeweilige Kultur, das Kulturverfahren oder auf jahreszeitliche und klimatische Bedingungen durch die Zugabe von gewünschten Düngern, Ton, pH-Wert usw. in Absprache mit dem Kunden eingestellt werden. In diesem Sortiment sind insgesamt rund 25 Grundsortimente enthalten, darunter auch ein völlig torffreies Substrat unter der Bezeichnung "ZB 9", das vor allen Dingen für Kulturen in 10- bis 13-cm-Töpfe geeignet ist. 

Unter der bekannten Bezeichnung Euflor wird auch für den Hobbybereich ein umfangreiches Substrat- und Düngersortiment angeboten, die im Gartenfachmarkt in mobilen Ständern werbewirksam angeboten werden können.
 

Premium-Kultursubstrate 

Auch die Vogteier Erdenwerk GmbH, Niederdorla, hat eine größere Anzahl neu entwickelter Spezialsubstrate im Angebot, die unter der Bezeichnung Thomasan Premium-Kultursubstrate im Handel sind. Auch sie enthalten in bestimmten Mengen Hochmoortorfe und sind gemischt mit gütegesichertem Substratkompost, Rindenhumus, Holzfaserstoffen, Perlite und zahlreichen anderen Substanzen. Ausgerichtet sind die Mischungen auf den Verwendungsbereich, wobei alle Stufen von der Aussaat über die Anzucht bis zur Pflanzung abgedeckt werden können. Besondere Substrate für Spezialkulturen sind ebenfalls im Angebot. Eine besondere Gruppe sind die "Thomasan Premium-Biosubstrate", die umweltfreundlich hergestellt werden und ökologisch hochwertig sind. In diesem Sortiment ist zum Beispiel auch die torffreie Thomasan Biouniversalerde, die für den ökologischen Anbau und zur Produktion von Grün- und Blühpflanzen ausgerichtet ist. Sie besteht ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen und eignet sich zur Bodenver-besserung von Pflanzflächen sowie zum Topfen und Umtopfen in Balkonkästen, Schalen, Töpfen oder Kübel. Dasselbe gilt für die Thomasan torffreie Bio-Tomaten- & Gemüseerde, die als hochwertiges Kultursubstrat für Fruchtgemüsearten mit hohem Nährstoffbedarf verwendet werden kann. Auch für die Anzucht und Kultur von Beerenobst wird ein spezielles Substrat angeboten. 

Sommer- und Wintersubstrate

Aus Rucava in Lettland war auch das Unternehmen Compaqpeat auf der IPM vertreten. Es produziert Substrate, die Torfe aus eigenen Moorflächen enthalten. Dort werden auf einer Fläche von rund 1 500 ha erstklassige Torfe abgebaut. Das Unternehmen produziert aus diesen Torfen zahlreiche Substrate, die zurzeit in 45 verschiedene Länder exportiert werden. So bietet das Unternehmen spezielle Vermehrungs- und Topfsubstrate sowie Spezialmischungen an. Im Vordergrund stehen heute  Biosubstrate, bei denen auch mehr Holzfasersubstrate enthalten sind. 

Auf der IPM wurde vor allen Dingen auf eine Neuheit besonders hingewiesen, die sich auf die veränderten Klimabedingungen be-zieht. So werden in Zukunft gezielt Sommer- und Win-tersubstrate produziert, welche die Produktion risikofreier machen sollen. So werden zum Beispiel für die Topfpflanzenanzucht bei steigenden Lichtverhältnissen von Compaqpeat spezielle Sommersubstrate angeboten, die den Pflanzen immer ausreichend Wasser und Nährlösung zur Verfügung stellen. Dabei soll ein substratbedingter ausgeglichener Wasserhaushalt das Streckungswachstum der Pflanzen reduzieren, arttypischen Aufbau des Wuchses fördern, aber gleichzeitig den nötigen Hemmstoffeinsatz reduzieren. So erhält der Kultivateur sehr aktive Substrate, die eine schnelle und gesunde Kulturführung im Frühjahr und Sommer ermöglichen.   

Auf die Wintermonate, die geprägt sind von weniger Licht, tieferen Temperaturen und einem langsameren Pflanzenwachstum, wird bei den Compaqpeat-Substraten  ebenfalls Rücksicht genommen. Um eine bessere Abtrocknung der Substrate zu ermöglichen, wird eine bestimmte Rohstoffauswahl getroffen, welche einen gesicherten Lufthaushalt und eine offenporige Substratoberfläche ermöglicht. Diese Substrate sorgen gleichzeitig für geringere Pflanzenschutzprobleme, z.B. durch Botrytis, Phytium und Phytophthora. Unterstützt werden diese Punkte durch eine gezielte Zugabe von stärkenden Mikroorganismen im Substrat. Auch bezüglch der eingesetzten Dünger wird zu diesem Substrat eine verbesserte Versorgung mit Kalium und eine reduzierte Zugabe von Nitratstickstoff durchgeführt. So wird ein guter Luft- und Wasseraustausch ge-währleistet und auch ein geringerer Befall durch Bodenschäd-linge erzielt. Erreicht werden diese Erfolge durch die Auswahl der richtigen Rohstoffe Ton, Cocopeat und Holzfaser und eine optimale Strukturwahl der Substrate. 

Auf diese Weise möchte Compaqpeat ganz allgemein die Bedürfnisse der Kunden erfüllen, wobei natürlich das Unternehmen auch schwerpunktmäßig kundenspezifische Produkte anbietet. 

Perligran zur Bodenverbesserung 

Perligran ist heute ein bedeutender Zusatzstoff zur Substratverbesserung. Es sorgt für eine optimale Drainage, Strukturstabilität und Belüftung der Wurzeln. Durch die Beimischungen zu Substraten wird ein deutlich stärkeres Wurzelwachstum und kräftigere und widerstandsfähigere Pflanze erzielt. 

Perligran basiert auf Perlit, einem glasartigen Gestein, das seinen Ursprung in vulkanischer Lava hat. Gewonnen wird es auf der griechischen Insel Milos, wobei aus dem Rohstoff nach einer weiteren Veredelung unterschiedliche, hoch spezialisierte Endprodukte entstehen. Es handelt sich also um ein 100 % natürliches, mineralisches Material, das im pH-Wert neutral, salzfrei und frei von Nährstoffen ist. Es ist auch einfach zu transportieren und zu Handhaben, da sein Trockengewicht nur 90 kg/m³ beträgt. 


RAL-Gütesicherung 

Auf der IPM war auch die Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen e.V., Hannover, vertreten, um die Besucher über das Thema Substratqualität zu informieren. Wie auf der IPM zu erfahren war, wurden 2018 die Gütekriterien überarbeitet und auf den neuesten Stand der Technik gebracht. So wurde zum Beispiel beim Rindenhumus und den Holzfasern der pH-Grenzwert gesenkt, sodass beide Rohstoffe als Ausgangsstoff für torfreduzierte Substrate noch interessanter werden. Die Gütegemeinschaft untersucht Kultursubstrate und Blumenerden, aber auch deren Ausgangsstoffe wie Torf, Holzfasern, Rinden- und Kokosprodukte. Im Fokus stehen neben den chemischen und physikalischen Prüfparametern auch biologische Kriterien wie Pflanzenverträglichkeit, Unkrautfreiheit usw.  Über 55 Substrathersteller aus dem In- und Ausland lassen ihre Produkte kontinuierlich überwachen. Sie werden anschließend alle mit dem RAL-Gütezeichen dokumentiert. Kunden dieser Unternehmen haben den Vorteil, dass sie Substrate beziehen, die garantiert in den angegebenen Mischungsverhältnissen hergestellt wurden und eine hohe Produktqualität besitzen. 

Edgar Gugenhan


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