14.05.2019

Süßkirschen in besonderen Töpfen

Rund 40 l Substrat fasst diese Variante des Air-Pot für Süßkirschen mit Mikrosprinkler als Bewässerung
Fotos: Aldenhoff

Im Air-Pot gedeihen auch zahlreiche andere Obst-, Gemüse- und Gehölzarten

Diese Kulturtöpfe sehen schon ein bisschen so aus, als hätten Außerirdische sie mit auf unseren Planeten gebracht. Stachelig wie ein Igel, voller kleiner Löcher und zusammengerollt wie ein Wickelrock. Die Töpfe und Container aus dem UK heißen Air-Pot und die gleichnamige Firma lebt offenbar von nichts anderem als dem Vertrieb dieser Pflanzkübel weltweit. 

Einer, den diese Töpfe auch faszinieren, ist Kirschenproduzent Hay Roelofs aus dem niederländischen Wellerlooi nahe der Grenze zum Niederrhein. Seit fünf Jahren kultiviert er seine Süßkirschen im Air-Pot, nachdem er die besonderen Kulturgefäße bei einem Kollegen gesehen hatte. Auf 6 000 m² stehen rund 1 000 Bäume unter Regenkappen. Bewässerung und Düngung seien besser zu steuern im Air-Pot und es passten mehr Pflanzen auf den laufenden Meter als bei der Bodenkultur.

Installation der Anlage

Die Regenkappen, die erst zur Blüte geschlossen werden, befinden sich auf Metallstützen, an den Seitenwänden können Insektenschutznetze heruntergelassen werden. Die gesamte Fläche wurde mit Bändchengewebe ausgelegt. Jeder Topf steht auf einem Stück undurchlässiger Folie. Die Töpfe, also quasi nur die senkrechten Topfwände, werden als Meterware flach geliefert, erst vor Ort zu Töpfen zusammengerollt und die Wandenden mit zwei Plastiksteckern zusammengehalten. Einen Boden haben die Container ab einer gewissen Größe nicht. Für die Süßkirschen von Hay Roelofs wurden 40-l-Air-Pots mit 41 cm Wandhöhe ausgewählt. Das Substrat aus Torf und Rindenchips ist speziell für Obstbäume zusammengestellt und stammt von der Firma BVB Substrates. Es sollte keine groben Stücke enthalten, die die Löcher des Air-Pots zusetzen könnten. Beim Befüllen muss es gut angedrückt werden, damit die Ausstülpungen in der Topfwand bis zum Loch mit Substrat ausgefüllt sind. 

Getopft wurden im Mai 2014 zweijährige Jungbäume der Baumschule Fleuren, NL-Baarlo: `Bellise´, `Merchant´ und `Summer Sun´ auf GiSelA 3 sowie `Vanda´ und `Zoë´ auf GiSelA 5. Bewässert und flüssig gedüngt wird über je einen Mikrosprinkler (Netafim PC-Spraystake) pro Topf. Die Bäume wurden zu Pyramiden von maximal 3 m Höhe erzogen, was viel Schnittarbeit bedeutet. Etwa zehn bis zwölf Jahre soll die Anlage genutzt werden.

Kulturführung 

Wie viel er bewässern muss, hat Hay Roelofs im Laufe der Jahre ins Gefühl bekommen. Da Bäume, die im Air-Pot wachsen, ein üppigeres Wurzelsystem ausbilden als in herkömmlichen Töpfen, beanspruchen die vitaleren Pflanzen auch mehr Wasser und Nährstoffe, um oberirdisch ihr volles Potential ausschöpfen zu können. An heißen Tagen bewässert der Kirschenanbauer bis zu dreimal am Tag mit manueller Schaltung. Gedüngt wird nach Substratanalyse flüssig über A- und B-Bak, wobei ein EC-Wert von 1,5 angestrebt wird.

Zur Bestäubung sind Hummeln und Bienen in der Anlage unterwegs. Manche Sorten, wie beispielsweise `Zoë´, werden von Bienen besser bestäubt als von Hummeln, so die Erfahrung von Roelofs. Diese Sorte lässt sehr große Früchte reifen, ist aber empfindlich gegenüber feuchtem Wetter in der Blütezeit. Den Pflanzenschutz betreibt der Niederländer am liebsten biologisch und vorbeugend. Da es weit und breit keine weiteren Obstplantagen gibt, rechnet er nicht mit Drosophila suzukii, die Insektenschutznetze nutzt er aber natürlich trotzdem.

Von Ende Juni bis Ende Juli werden die Kirschen, die früh, mittel und spät reifen, geerntet. Dafür beschäftigen Hay und seine Frau Gerty Roelofs ein oder zwei Pflücker nach Bedarf. Abhängig von der Witterung und den Sorten, kommen 5-8 kg/Baum zusammen. Die Eheleute legen großen Wert auf besondere Qualitäten, möglichst große, süße Früchte. Die Kirschen werden dafür möglichst lange am Baum gelassen und dann über einen Verkaufsautomat hauptsächlich ab Hof vermarktet. Außerdem werden Einzelhändler in der Region mit den leckeren Kirschen versorgt. Auf eine Sortiermaschine wird verzichtet. Die Früchte werden direkt in die 500-g-Verkaufsschalen gepflückt und somit nicht weiter angefasst oder mechanisch belastet. 

Erfahrungen in anderen Kulturen

Zwischen den Kirschen steht eine ebenfalls fünf Jahre alte Reihe Heidelbeeren der Sorte `Liberty´ im Air-Pot. Gerade bei dieser Beerenart kommen die Vorteile des besonderen Gefäßes voll zur Geltung. Verkaufsberater Bas van Dijk von der Fa. Air-Pot berichtet von Heidelbeerplantagen, die im 38-l-Air-Pot die gleichen Erträge liefern wie in einem herkömmlichen 65-l-Container. Tropfbewässerung ist ein Muss, sonst funktioniert das System nicht. Was die Frostgefahr angeht, so macht der Air-Pot gegenüber einem herkömmlichen Topf keine großen Unterschiede. Allenfalls kann man sich vorstellen, dass der Air-Pot etwas besser isoliert, weil mehr Luft im Substrat ist.

Da der Air-Pot gut doppelt so viel kostet, wie herkömmliche Container, sollte er für hochwertige Kulturen genutzt werden. Das Material ist allerdings sehr langlebig und von guter UV-Resistenz. Bei einzelnen Nutzern sind die Töpfe schon gut 18 Jahre im Einsatz. Nach Reinigung können sie immer wieder verwendet werden. 

Kultiviert werden im Air-Pot nicht nur Baumschulprodukte, sondern auch Äpfel, Nektarinen, Orangen, Tomaten, Paprika, Gurken und Melonen. Als U-Rinne bietet das Air-Pot-System beste Voraussetzungen für die Anzucht von Steckhölzern. Hobbyisten, die sich gerne an Wettbewerben um das größte Gemüse beteiligen, haben das Air-Pot-System entdeckt, um dank des überlegenen Wurzelsystems besonders riesige Früchte zu ernten. So spekuliert beispielsweise ein britischer Zwiebelfreak auf den Weltrekord dank Air-Pot. 

Sabine Aldenhoff


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