08.06.2018

Technik zur Baumstreifenbehandlung

Verfahren zur alternativen Unkrautregulierung werden im Obstbau nicht erst seit dem Anwendungsverbot von Basta gesucht. Bei einer Maschinenvorführung in einer Kernobstanlage stellte das DLR Rheinpfalz gemeinsam mit dem Arbeitskreis Erwerbsobstbau Rheinhessen zahlreiche Geräte zur Baumstreifenbehandlung im Obstbau vor.

Das Interesse seitens der Praxis war sehr groß - zahlreiche Obstbauer haben sich am 24. April auf den Weg nach Mainz-Drais gemacht, um sich die Maschinen im Einsatz anzusehen. Dabei waren viele Standardgeräte zur mechanischen Unkrautregulierung, die nicht nur im ökologischen Obstanbau im Einsatz sind, sowie Geräte zur Herbizid-Ausbringung im praktischen Einsatz zu sehen. "Mit zwei Geräten wollen wir in die Zukunft blicken, die vielleicht die Unkrautbekämpfung revolutionieren werden", kündigte Werner Dahlbender, DLR, in seiner Begrüßungsrede an. Eine Ausstellung zahlreicher Firmen aus dem Obstbau rundete das Programm ab.

Mechanische Bodenbearbeitung

Aus Südtirol hatte sich das Unternehmen Ladurner Karl J. & Co. OHG auf den Weg gemacht und gleich zwei Maschinen mitgebracht: Das Fadenmähgerät für den Baumstreifen sowie den Ladurner-Krümler, der in der Praxis nur als "der Ladurner" bezeichnet wird.

Bei dem doppelseitigen Fadengerät mähen die Fadenbürsten den Bewuchs in der Baumreihe. Die Arbeitsbreite liegt bei 40 cm pro Seite. Das Gerät kann bei Reihenbreiten von 1,8 m bis 3,6 m standardmäßig eingesetzt werden, Ladurner hat aber auch schon Geräte bis 6 m Breite gebaut. Auch Arbeiten im hohen Gras bis zu 40 cm sind mit dem Fadengerät möglich. Die Mähköpfe sind über eine Feder aufgehängt, sodass sie bis zu 30 cm zur Seite hin nachgeben können, wenn sie an ein Hindernis geraten. „Der Vorteil bei diesem Gerät ist, dass hier kein Boden bewegt wird“, erläuterte Jürgen Zimmer vom DLR.

Ladurner hatte auch ein Bodenbearbeitungsgerät mit nach Mainz gebracht: den Krümler, Modell 7. Mit diesem Bodenpflegegerät kann der Baumstreifen höhenverstellbar zwischen 0 und 10 cm sehr flach und gleichmäßig tief bearbeitet werden. Das Gras und Beikraut wird mit den Wurzeln herausgerissen und leicht eingearbeitet. Dieses doppelseitig arbeitende Hackgerät mit jeweils zwei Kreiseln ist mit zwei Feintastern ausgestattet, die entlang der Reihen jeden Baum abtasten. Durch die langsam arbeitenden Werkzeuge bleibt die natürliche Krümelstruktur des Bodens erhalten und die Nährstoffmobilisierung wird gefördert. Durch den hinteren Kreisel wird gewährleistet, dass die Erde wieder gleichmäßig im Baumstreifen verteilt wird und es zu keinen Bodenverlagerungen kommt. So eignet sich das Gerät auch für die Hanglage.

Jochen Adelheim, Adelheim Landtechnik Maschinenbau (ALM), Nordhorn, stellte den UGR-Universal-Geräterahmen vor. Bestückt ist der Rahmen mit Rollhackelementen SRN in verschiedenen Breiten, um eine effektive sowie zeit- und kostensparende Bodenbearbeitung in den Anlagen durchführen zu können. Der Geräterahmen ist relativ niedrig gebaut, um möglichst wenig Schaden an den Bäumen und Früchten zu verursachen. Hydraulische Breitenverstellung sowie hydraulische Vertikalverstellung sind beim UGR serienmäßig verbaut. „So kann auch in Hanglagen das Arbeitswerkzeug an jede Situation angepasst werden“, betonte Adelheim. Zur Steuerung sind verschiedene Optionen erhältlich – ebenso wie ein zweiter Anbaubock. So kann der UGR sowohl im Front- als auch im Heckanbau gefahren werden. An die Werkzeugaufnahme können außer Rollhackelementen noch verschiedene Werkzeuge oder bereits in dem Betrieb vorhandene Geräte gebaut werden. Die Rollhacke ist beispielsweise kombinierbar mit einer Finderhacke und ermöglicht eine Arbeitsgeschwindigkeit von 10-12 km/h, so Adelheim. Die Arbeitsbreite beträgt 2,5 m bis 4 m (je nach Werkzeugbestückung). Der Rahmen ist klappbar, sodass der Straßentransport und die Bearbeitung auf kleinen Flächen möglich sind.

Das Unternehmen Clemens aus Wittlich stellte den einseitigen Geräteträger mit der Bezeichnung SB Mono vor, der sowohl im Front- als auch im Heckanbau eingesetzt werden kann. Die hydraulische Breitenverstellung kann ohne großen Aufwand von rechts nach links umgebaut werden. Der Grundrahmen lässt sich mittels Zylinder einseitig um 50 cm von 0,96 auf 1,46 m hydraulisch verstellen, wahlweise nach rechts oder links. Der Grundrahmen dient als Geräteträger für z.B. Radius, Multiclean, GSP-Scheibe und Rollhacke. Ein Verlängerungsholm dient bei der Montage am Heck zur Aufnahme des Erd- und Steinschiebers.

Clemens hat ein ganzes System mit verschiedenen Rahmen entwickelt, an denen man die unterschiedlichen Anbaugeräte anbauen kann. Die Rahmenbreite beginnt bei 45 cm für Weinbau oder Sonderkulturen und geht bis 5,50 m.

In Mainz war ein zweiter Dreipunktrahmen von Clemens aufgebaut, der pendelnd gelagert war. „Das Zwei-Seiten-Gerät hat den Vorteil, dass die Bodenabtastung noch besser ist“, unterstrich Stefan Monzel von der Fa. Clemens. Am Rahmen angebaut war der Um-den-Stock-Räumer „Radius“, der mit einem Taster ausgestattet ist und hydraulisch bedient wird. Dies hat den Vorteil, dass man ihn an einer Seite herausheben und so nur einseitig durch die Anlage fahren kann.

Die mechanische Bodenbearbeitung in der Reihe nach dem Stockräumerprinzip führte Müller & Sohn Spezialmaschinen GmbH, Eltville am Rhein, mit dem Modell RPM vor. Der Reihenputzer für den Frontanbau ist mit zwei Interplanet-Krümelköpfen von je 40 cm Ø ausgestattet. Der eine ist mit einer Sensorsteuerung verstellbar für die Zwischenstockbearbeitung, der andere ist starr angebracht. Die Sensorsteuerung ist vorteilhaft für eine feine Abtastung und somit auch für junge Anlagen geeignet. Das Gerät gibt es in verschiedenen Ausführungen als beidseitiges Gerät, sowohl im Front- als auch im Heckanbau fahrbar. An dem Tragrahmen kann beispielsweise auch ein Mulchkopf oder ein Gummilappenrotor befestigt werden. Müller hat an dem RPM eine Bürste verbaut, um Austriebe unten am Stock beizuputzen. Das Gerät bietet zwei Laufrichtungen, sodass es zum Stock bzw. Baum hin- oder vom Stock wegarbeiten kann. Die Krümlerköpfe können ganz beliebig eingestellt werden, je nachdem wie viel Erde sie bearbeiten sollen. Man kann sie auch nur leicht unter der Bodenoberfläche scharren lassen, sodass gerade nur die oberste Unkrautschicht abgenommen wird.

Maschinen der Zukunft

Während sich die meiste vorgeführte Technik bereits in der Praxis etabliert hat und zum Standard zählt, konnten auch zwei Geräte vorgeführt werden, die einen Einblick in die Zukunft gewähren ließen. Einen autonomen Roboter für die mechanische Unkrautbekämpfung und Transporthilfe stellte das Unternehmen K.U.L.T., Kress Umweltschonende Landtechnik GmbH, Vaihingen, vor. Der Hackroboter Typ OZ eignet sich speziell für den Gemüse-, Wein- und Obstbau und wurde von dem französischen Unternehmen Naïo Technologies entwickelt. Die drei Haupteigenschaften des OZ Hacken, Folgen und Transportieren (Plattform belastbar mit 80-100 kg) erleichtern die täglichen Arbeiten in vielen Bereichen. Neben der autonomen Betriebsweise kann der OZ auch dem Benutzer folgen oder fernbedient werden. Der kleine Hackroboter ist mit Allradantrieb ausgestattet und wird mit Elektromotoren angetrieben (je nach Akku bis zu 10 Stunden Arbeitsautonomie). Die Führung erfolgt mit Kameras und Laser und erreicht eine Genauigkeit von ca. 2 cm - auch Mulchfolien können erkannt werden. Das GPS dient nicht zum Lenken des Roboters, sondern allein zur Orientierung auf dem Acker. Mit einer Geschwindigkeit von 1 bis 1,5 km/h können 1 000 m in der Stunde gejätet werden.

Ein weiteres Gerät der Zukunft, das Unkraut mit Hilfe elektronischer Hochspannung bekämpft, stellte die Zasso GmbH, Aachen, vor. Die systemische Wirkung der Hochspannung geht bis in die Pflanzenwurzel hinein, minimiert den Energieaufwand und ersetzt Chemie, so das Unternehmen. Die elektrische Hochspannung wird lokal erzeugt und über Applikationen in die Pflanzen eingeleitet. Der Strom fließt durch Spross und Wurzel und zerstört dort die Wasserleitbündel. Danach verteilt sich der Strom im Boden und wird kurz darauf vom zweiten Applikator direkt vom Boden oder durch weitere Pflanzen hindurch wieder zur Stromquelle zurückgeführt, um den Stromkreis zu schließen.

Herbizid-Ausbringung

Neben den zahlreichen Geräten zur mechanischen Bodenbearbeitung waren in Mainz auch Maschinen zur konventionellen Herbizid-Ausbringung zu sehen. Dabei wurde betont, dass alle vorgeführten Maschinen mit Abdrift mindernder Technik versehen waren.

Das Unternehmen Müller & Sohn Spezialmaschinen GmbH führte den überarbeiteten Spritzbalken Herbika OB/2 vor. Dieses sparsame und abdriftmindernde Herbizid-Spritzgerät mit einer neuen Aufhängung ist seit einem Jahr mit drei abdriftmindernden Düsen ausgestattet: eine asymmetrische Injektorkompaktdüse als Rand, eine normale 120-°-Kompaktinjektordüse und eine abgewinkelte Injektorkompaktdüse, die nach außen gerichtet ist, um die Streifenbildung im mittleren Bereich der Reihe zu reduzieren. „Darüber hinaus hat Müller nun die Abschirmung der einzelnen Herbizidkästen erweitert, sodass noch weniger Pflanzenschutzmittel abdriften kann, erläuterte Leonard Tamke von Müller. Vorgeführt wurde der Herbika im Frontanbau mit zwei Aushebetürmen, die hydraulisch angehoben und ausgefahren werden können. Anlagen von 3 m bis 5 m können mit dem Herbika befahren werden, mit einer Arbeitsgeschwindigkeit von 4-5 km/h. Müller bietet verschiedene Kästen von 27 bis 60 cm, sodass der Herbika für alle Anlagen optimal ausgelegt ist.

Verlustmindernde Technik wurde auch von dem familiengeführten Unternehmen MAF Maschinenbau, Gau-Bickelheim, mit dem Bandspritzgestänge MAF uni vorgeführt. Als universelles und professionelles Arbeitsgerät zur chemischen Stockpflege im Wein- und Obstbau ist das Gerät mit einer Pumpspritze ausgestattet, die über Sensortechnik gesteuert wird. Die Einsatzgebiete dieses Geräts liegen in der Winter- oder Austriebsspritzung, in der Herbizidspritzung, dem chemischen Rebstammputzen oder Ausbrechen sowie in Sonderanwendungen, wie Mathias Friedrich erläuterte. Das MAF uni Bandspritzgestängesystem dient zur Pflege der im Ertrag stehenden Nutzpflanzen im Wein- und Obstbau sowie in Sonderkulturen. Durch die Nutzung von vorhandenen Spritz- und Sprühgeräten erziele man durch die Nutzung von vorhandener multifunktionaler Modulbauweise eine große Flächenleistung. „Für jeden Zweck die passende Ausführung“, so Friedrich. Sonderausstattungen und spezielle anwendungsorientierte Ausführungen seien jederzeit möglich.

Einen regelrechten „Exoten“ stellte Holger Böhm mit dem Reihenherbizidgestänge des spanischen Unternehmen Talleres Corbins Agricultural Technology vor. Auf der Suche nach einem Gerät für die Herbizidausbringung ist Böhm vor zwei Jahren auf dieses Gerät gestoßen und fungiert nun als Importeur und Zwischenhändler. Dieses Corbins-Gerät wird hydraulisch in der Breite und Höhe geregelt. Das Spritzgetänge ist seitlich mit einer Bürste abgedeckt und kann bei Bedarf auch in der Neigung hydraulisch eingestellt werden.

Rund um den Pflanzenschutz

Bei der Herbizid-Ausbringung sollten die Produzenten großen Wert auf eine gründliche Reinigung der Spritze legen. Felix Ruppert, DLR, stellte das Prinzip der kontinuierlichen Innenreinigung vor. Um den Arbeitsaufwand bei der Reinigung zu reduzieren, bieten die Spritzgerätehersteller für Neugeräte mittlerweile integrierte und vollständig automatisierte Reinigungssysteme an. Das Prinzip basiert auf einem Herausdrücken der Spritzbrühe. Hierbei wird die Konzentration im Leitungssystem innerhalb kurzer Zeit deutlich verringert. Bei älteren Geräten können eine zusätzliche Wasserpumpe und abhängig von der Behältergröße mindestens zwei Innenreinigungsdüsen nachgerüstet werden, um eine kontinuierliche Innenreinigung zu installieren. Der automatisierte Reinigungsvorgang in nachgerüsteten Gebrauchtgeräten verläuft nicht „absätzig“, sondern wird „kontinuierlich“ durchgeführt. Die Spritze mit der Brühe wird zunächst „leer“ gespritzt, bis es zum Druckabfall kommt und Luft aus den Düsen austritt. Dann wird die zusätzliche Wasserpumpe eingeschaltet, während die Spritzpumpe weiter läuft. Das Klarwasser wird über die Reinigungsdüsen in den Tank und weiter von der Spritzpumpe in die Leitungen, den Rücklauf und das Gestänge gepumpt. Die dabei entstehende Reinigungsbrühe wird kontinuierlich mit Klarwasser verdünnt und während des gesamten Arbeitsprozesses aus der Spritze befördert. Die Düsenleitungen müssen während des Reinigungsvorganges mehrfach an- und ausgeschaltet werden, damit mögliche Brüherestmengen „herausgedrückt“ werden und die Spritze für nachfolgende Anwendungen wirklich komplett sauber ist.

Die Anwendungsbestimmungen von Pflanzenschutzmitteln fordern den Einsatz von abdriftmindernden Geräten und die Einhaltung von Abstandsauflagen zu Oberflächengewässern und Saumstrukturen. Bei der Firmenausstellung konnten sich die Anbauer im Rahmen der Maschinenvorführung am Düsendemostand der Firma Syngenta verschiedene Düsentypen im Vergleich ansehen. „Abdrift ist bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln unerwünscht“, so Ulrich Henser von der Fa. Syngenta. Dies ist aber meistens nicht gänzlich vermeidbar. Die Regel ist: je kleiner die Tropfen, desto mehr Abdrift durch Windbewegung. Die Düse und der Spritzdruck bestimmen im Wesentlichen die Tropfengröße. Unterschiedliche Geräteausprägungen können den Effekt der Abdrift schwächen oder verstärken.

Birgit Scheel


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Ausgabe 06/2018

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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