12.03.2019

Tipps zum Himbeeranbau

Der Himbeeranbau hat sich in den vergangenen Jahren sehr gewandelt. Während der Freilandanbau stark rückläufig ist, hat der geschützte Anbau im Substrat mit gekühlten Ruten enorm zugenommen. Viele Produzenten sind in diesen Bereich neu eingestiegen und mit den Tücken dieses Anbauverfahrens noch nicht so vertraut. Kulturfehler wirken sich allerdings stark aus. Daher soll hier auf wichtige Punkte hingewiesen werden.

Dreireihiger Himbeeranbau mit Überkopfbewässerung
Foto: Linnemannstöns

Pflanztermin

Vom Aufstellen bis zum Erntebeginn dauert es normalerweise 70 bis 75 Tage, im Frühjahr auch länger. Für eine Ernte ab dem 1. Juni im Tunnel müssen die Pflanzen Anfang März aufgestellt werden. Für eine Ernte ab dem 10. Juli ist eine Aufstellung um den 20. April richtig. Der letzte Aufstelltermin ist der 1. Juni, besser wird schon am 20. Mai aufgestellt. Die Ernte beginnt dann am 10. August und endet etwa am 20. September.

Anbauumfang

Himbeeren lassen sich im Handel nur mit guter Absprache verlässlich absetzen. Es kommt schnell zu Überhängen mit dem Risiko niedriger Preise, die bei Long-Cane-Kulturen auch zu echten Verlusten führen können. In der Direktvermarktung werden nur geringe Mengen abgesetzt. Wenige tausend m² über zwei bis drei Sätze reichen meist völlig aus. 

Pflanzung

Nach dem Pflanzen muss man gut angießen, damit der „alte Topf“ schlüssig mit dem umgebenden Substrat verbunden ist. Dadurch wachsen die Wurzeln besser in das Substrat. Der Spagetti-Tropfer sollte am Rand des „alten Topfes“ platziert werden. Der „alte Topf“ muss weiter mit Wasser versorgt werden, sonst kann es zu Trockenschäden kommt. Es dauert einige Wochen, bis das neue Substrat ausreichend durchwurzelt ist. 


Bewässerung

Die Himbeerpflanze benötigt, wenn sie voll belaubt ist, viel Wasser. Man bewässert bei hohen Verdunstungsraten so häufig, dass 20 bis 25 % Drain entsteht. Eine gute Drainung ohne Vernässung ist aber nur möglich, wenn der Topf gut durchwurzelt ist. Daher lautet die Empfehlung, in den ersten Wochen nach der Pflanzung die Himbeere relativ trocken zu fahren und danach die Wassergaben zu steigern. Wenn es sehr warm ist, nimmt der Wasserverbrauch nicht mehr zu, da die Spaltöffnungen zum Schutz der Pflanzen schließen. Hier wäre es optimal, die Luftfeuchtigkeit durch Übersprühen zu erhöhen. 

Bei der Messung der Drainung muss man darauf achten, dass die Sammelbehälter nicht offen sind, da die Verdunstung sonst sehr hoch sein und zu einer Fehleinschätzung der Drainwassermenge führen kann. Ansonsten gilt, kurz austopfen und auch mit der Hand fühlen wie feucht das Substrat ist. Kann man sehr leicht Wasser herausdrücken, ist das Substrat zu feucht. Kann man gar kein Wasser mehr herausdrücken, ist es zu trocken. Ein anderer guter Maßstab ist die Beobachtung des ersten Drains am Morgen. Drain sollte beim 1. Tropfgang noch nicht entstehen, sondern erst beim 2. oder 3. Mal, sonst ist das Substrat zu feucht. 


Düngung

Die Himbeerpflanze nimmt in den sechs Wochen vor dem Erntebeginn etwa 120 kg N/ha auf. Daher sollte man in dieser Zeit einen hohen EC-Wert von 2,2 bis 2,5 mS/cm im Tropf fahren. Die Summe aus Tropf und Drain sollte etwa bei 4,5 mS/cm liegen. Zur Ernte ist die Düngung deutlich zu reduzieren und die Summe aus Tropf und Drain-EC sollte dann bei maximal 3,5 mS/cm liegen. Zur Ernte wird das Blattwachstum stark reduziert, die Pflanze nimmt dann nur noch wenig Stickstoff auf. 


Stützung der Laterale

Zur Stützung der Lateralen haben sich Chrysanthemennetze bewährt. Die Verwendung von Schnüren - fünf bis sieben Stück - führt zu einer etwas besseren Pflückleistung, weil man „in der Pflanze“ besser arbeiten kann. Ist der Austrieb zu schwach, empfiehlt es sich, die Lateralen nach oben zu leiten. 


Pflanzenschutz

Im geschützten Anbau gibt es nur wenige Probleme mit Botrytis. Eine vorbeugende Spritzung zur Blüte ist allerdings trotzdem sinnvoll. Dadurch wird auch dem Himbeerrost vorgebeugt. Blattläuse sollten rechtzeitig vor der Blüte bekämpft werden. Hier stehen u.a. Calypso, Mospilan und Pirimor als Insektizide zur Verfügung. Spinnmilben können sich zu einem erheblichen Problem entwickeln. In der Regel ist es sinnvoll, zunächst eine chemische Bekämpfung mit Masai oder Floramite  (Einzelbetriebliche Genehmigung nach §22.2 PflSchG) vor der Blüte durchzuführen und dann zur Mitte der Blüte mit Nützlingen zu arbeiten, zunächst mit Amblyseius californicus und bei sichtbarem Befall mit Phytoseiulus persimilis. Die Kirschessigfliege wird zunächst einmal durch konsequente Hygiene und tägliches Pflücken bekämpft. Zusätzlich sind chemische Bekämpfungen erst ab Ende Juli notwendig.


Anbau von Himbeeren im Boden

Beim mehrjährigen Anbau von Himbeeren im Boden gelten sinngemäß natürlich die gleichen Punkte. Da Himbeeren in unserer Region häufig auf Böden mit hohem pH-Wert stehen, empfiehlt es sich zur lokalen pH-Absenkung die Startdüngung mit einem ammoniumhaltigen Volldünger durchzuführen. Außerdem sollte auf eine gute Magnesiumversorgung geachtet werden. Wichtig ist auch eine Bewässerung in vielen kleinen Gaben, damit der Oberboden zwar feucht ist, aber eine Vernässung des Unterbodens vermieden werden kann. Der Pflanzenschutz muss bei einer Freilandanlage hinsichtlich der Botrytisbekämpfung und einer eventuellen Bekämpfung der Himbeergallmücke intensiver sein. Weiterhin ist eine gute Unkrautbekämpfung und ein rechtzeitiges Abbrennen der Ausläufer mit Quickdown und Shark (Einzelbetriebliche Genehmigung nach §22.2 PflSchG) notwendig. Die Ausläufer sollten bis Ende Mai entfernt werden und erst danach durchwachsen. Eine Alternative zum mehrjährigen Anbau ist der einjährige Anbau im Boden. Die Pflanzen bleiben in der Regel gesund und es werden gute Erträge erzielt. 

Ludger Linnemannstöns, LWK NRW, Köln-Auweiler


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Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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