14.03.2017

Tomaten für Gourmets - Bio Frings, Mechernich

Ingrid und Theo Frings starten mit Mitte Fünfzig nochmal neu durch

Foto: Frings

„Der Zierpflanzenbau hat irgendwann keinen Spaß mehr gemacht – die Vielfalt der Kulturen ging mit der Zeit verloren“, beschreibt Ingrid Frings die Situation ihres Betriebs vor ein paar Jahren. Doch dann startete das Betriebsleiterpaar mit Anfang Fünfzig nochmal neu durch und sattelte auf Bio-Gemüsebau um.

Alles fing mit einem Sortenanbauversuch 2012 an. Von Ralf Schräder von der Saatgutfirma Graines Voltz angesprochen, probierten Ingrid und Theo Frings den Anbau in einem ihrer Gewächshäuser mit Bodenbeeten aus. Und siehe da – die zunächst ungewohnte Kultur machte Spaß und die Stammkunden waren durchwegs interessiert. Familie Frings, der der Zierpflanzenbau sowieso keinen Spaß mehr machte, setzte dann 2013 alles auf eine Karte und stellte komplett auf den Anbau von Bio-Gemüse – hauptsächlich Tomaten – um. 

Die Gärtnerei, die 1955 von Theo Frings senior als reine Zierpflanzengärtnerei gegründet wurde und 1970 an den Ortsrand von Mechernich in der Eifel aussiedelte, besteht aus mehreren Gewächshäusern mit einer Gesamtfläche von 6500 m². Diese wurden zwischen 1970 und 1996 gebaut und nach und nach fast alle mit Ebbe-Flut-Tischen ausgestattet. Bei der Umstellung auf Bio-Gemüse wurden diese wieder „herausgerissen – ganze acht LKW-Ladungen waren das“, erinnert sich Theo Frings. Die Größe des Betriebs und die sehr ländliche Lage waren für den Absatz der Zierpflanzen denkbar schlecht. Die meiste Ware wurde über Landgard abgesetzt, was Familie Frings zunehmend nicht mehr zufrieden stellte, und ein kleiner Teil an die Kunden der Umgebung direkt. Das kalte Frühjahr mit sehr hohen Verlusten bei den Zierpflanzen war dann neben dem erfolgreichen Gemüseanbautest im Vorjahr der ausschlaggebende Punkt, um ganz auf die Gemüseproduktion umzustellen.

Nach einer 2,5-jährigen Umstellungsphase und der Bioland-Zertifizierung können die Frings´ seit Oktober 2015 bio liefern. „Unser Alleinstellungsmerkmal ist die Sortenvielfalt“, ist sich Theo Frings sicher. Ungefähr 35 Sorten Tomaten, einige Sorten Schlangen-, Snack- und Landgurken sowie Paprika, Chili, Zucchini und Auberginen werden kultiviert. Auch eher exotische Arten wie die Olivengurke haben ihren Platz im Sortiment schon gefunden. Die Tomatenkultur beginnt bei Familie Frings Ende Februar/Anfang März mit der Pflanzung, geerntet wird dann je nach Zustand der Pflanzen bis November. Im Winter wachsen in den Bodenbeeten Feldsalat und verschiedene Sorten Pflücksalat, die mit hohem Aufwand von Hand geschnitten und vor allem an die Gastronomie der Umgebung vermarktet werden.

Wie aber funktioniert der Absatz des Fruchtgemüses auf dem flachen Land, der bei den Zierpflanzen schon so schwierig war? Die Frings´ haben sich mehrere Standbeine aufgebaut: Der Großteil ihrer Ernte wird über den regionalen LEH-Betreiber REWE Richrath vertrieben. Die Brüder Lutz und Peter Richrath setzen sich bereits seit zehn Jahren erfolgreich für die Vermarktung von Produkten aus der Region ein. Unter der Marke „Wir aus der Region“ werden neben den Biotomaten der Familie Frings auch die konventionell erzeugten Tomaten von Familie Bong aus Niederaußem vermarktet. Für die Kunden wurde extra eine kleine „Tomatenfibel“ gedruckt, in der die Erzeuger kurz vorgestellt werden und viele der Bio-Tomatensorten beschrieben sind. Die zweite Vermarktungsschiene ist der eigene Hofladen, der neben den frisch geernteten Gemüsesorten auch Käse aus der Demeter-Landwirtschaft Haus Bollheim und eigene, verarbeitete Produkte wie Tomatenpüree, Soßen und Suppen bietet. 

Virtueller Bauernmarkt

Der dritte Vermarktungsweg nennt sich „Food Assembly“ und ist eine Art Kombination aus Onlineshop und Wochenmarkt. Die Plattform soll Produzenten aus der Region und Käufer zusammenbringen. In vielen Städten gibt es bereits Food Assemblies, die meisten davon in Frankreich, von wo die Idee stammt. Auf der Internetseite www.foodassembly.de kann man sowohl eine Assembly, also eine Verkaufsstelle für regional erzeugte Produkte, eröffnen als auch einer Assembly beitreten, um dort einkaufen zu können. Vor knapp drei Jahren sollte so eine Verkaufsstelle in Köln-Ehrenfeld eröffnet werden. Die Gründer waren hierzu in der Region unterwegs, um Produzenten dafür zu gewinnen. „Eines Tages kamen da drei junge Männer, die sehr öko aussahen, auf uns zu und fragten uns, ob wir mitmachen wollen.“ So beschreibt Ingrid Frings den Anfang der Assembly. Da die beiden ihre Vermarktung sowieso gerade am Aufbauen waren, sagten sie zu. Seitdem vermarkten sie einen stetig wachsenden Teil ihrer Ernte über die Assembly, wobei der Anteil insgesamt noch sehr gering ist. 

Bei dieser neuen Form der Direktvermarktung melden sich interessierte Kunden einfach über die Homepage bei ein oder zwei Assemblies in der Nähe ihres Wohnorts an. Diese Anmeldung ist kostenlos und verpflichtet zu keinem Kauf. Allerdings können nur registrierte Kunden die von den Produzenten angebotenen Waren und deren Preise sehen. Die Preise legen die Anbauer dabei völlig frei selbst fest. Die Bestellung über die Plattform erfolgt jede Woche bis Montagabend, am Mittwochabend wird dann nach Köln geliefert. Die bestellte Ware ist für jeden Kunden fertig kommissioniert, während der Hauptsaison können die Tomaten sortenrein bestellt werden, zum Ende der Saison als bunte Mischung. Die Verteilung der Ware erfolgt durch den „Gastgeber“ der Assembly – in Ehrenfeld ist das „Colabor – Raum für Nachhaltigkeit“. Die Bezahlung erfolgt online über den Betreiber der Internetseite. 

Jeweils 8,25 % des Umsatzes erhalten die „Gastgeber“, die sowohl die Räumlichkeiten zur Verfügung stellen als auch die Verteilung organisieren, und die Betreiber der Plattform mit Sitz in Frankreich für Werbung, Abrechnung und das Betreiben und Pflegen der Internetseite. „Für gut 16 % Umsatzanteil bekommst du aber keinen Marktstand“, gibt Ingrid Frings zu Bedenken. Hinzu kommt, dass der zeitliche Aufwand für die Beschickung eines Marktstandes und das Verräumen der Rückware viel höher wäre. Die Food Assembly ist sowohl für Städter, die sich dafür interessieren, woher ihre Lebensmittel stammen, und die Anbauer in der Region unterstützen wollen, als auch für Produzenten eine tolle Möglichkeit der Vermarktung. „Man muss aber offen sein und keine Angst davor haben, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen – denn davon lebt so eine Form der Vermarktung“, gibt Ingrid Frings zu Bedenken. Mindestens einmal im Monat sind die Produzenten der Food Assembly bei der Verteilung anwesend, stehen für Fragen zur Verfügung und bieten meist Produkte zum Verkosten an. „Durch den Verkauf in der Assembly erreichen wir nochmal eine ganz andere Käuferklientel als über den LEH oder den Hofladen“, freut sich Ingrid Frings.

Marion Valenta

 

Food Assembly – eine Idee aus Frankreich

2010 wurde “La Ruche Qui Dit Oui!” in Frankreich gegründet. 2011 eröffnete die erste sogenannte “Ruche” (Assembly) in Toulouse. Vier Jahre später sind über 700 Ruches in ganz Frankreich aktiv, sowohl in Großstädten wie auch im ländlichen Raum. Zwischen 2013 und 2014 wurde das Projekt europaweit lanciert. In Deutschland, Belgien, Großbritannien, Spanien und Italien arbeiten lokale Teams zur Entwicklung und Betreuung des lokalen Netzwerks. Food Assembly Deutschland ist ein selbstständiger Teil des europäischen Netzwerkes. Die erste Assembly Deutschlands wurde im Juli 2014 in Berlin eröffnet. Ende Juni 2015 gab es 14 aktive Assemblies in Berlin, Köln, München und Chemnitz, die von ca. 100 Erzeugern beliefert werden. 20 weitere Assemblies sind zu diesem Zeitpunkt im Aufbau.


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