08.07.2015

Topfkräuter aus ökologischem Anbau

Rudolf Dworschak erläutert die Produktion von Bio-Topfkräutern

Als in den 1990er-Jahren der Kräuter-Boom einsetzte, war der Betrieb Dworschak in Nürnberg-Karftshof bestens darauf vorbereitet. Bereits seit 1988 wurden fast ausschließlich Kräuter im Betrieb produziert. Den für die Unternehmerfamilie konsequenten Schritt, nämlich die Umstellung auf ökologischen Anbau, vollzog sie 1995.

Zu diesem Zeitpunkt wurde der Betrieb aufgeteilt in die Dworschak & Sohn GbR unter Leitung von Hans und Rudolf Dworschak und in die Dworschak & Fleischmann GbR der Tochter Tanja. Beide Betriebe schlossen sich dem Bioland-Verband an. Bis 2002 wurde dann ein Großteil der Gewächshausflächen mit Tischen ausgestattet. Heute bewirtschaftet die Dworschak & Sohn GbR eine Fläche von 17 000 m² Glas sowie 3,5 ha Freiland für den Anbau von Schnittlauch. Die wichtigste Kultur im Betrieb ist Basilikum, gefolgt von Schnittlauch und Petersilie. Rudolf Dworschak sieht die Herausforderungen des Bio-Anbaus gegenüber dem konventionellen Anbau vor allem in der Düngung und im Pflanzenschutz. „Die Zusammensetzung der Erde ist für uns die Grundlage für eine gute Qualität, da im Bio-Anbau faktisch keine Flüssignachdüngung möglich ist“, bemerkt Rudolf Dworschak. Das Substrat wird im Betrieb nach Bedarf selbst gemischt. Der ökologische Pflanzenschutz funktioniert laut Dworschak in der Regel gut. Mit Thripsen gibt es bei ständigem Nachlegen der Nützlinge keine Probleme. Zu einem Befallsdruck kommt es meist erst dann, wenn die Ware länger als sechs Wochen im Betrieb steht. Gegen Trauermücken erzielt er mit Steinernema gute Erfolge. Als Grund für den geringen Schädlingsbefall sieht der Unternehmer auch den Einsatz von Pflanzenstärkungsmittel in Form von Knoblauchextrakt. „Auch wenn behauptet wird, dass das eine Glaubenssache sei, werden wir in der Realität durch gute Ergebnisse bestätigt“, resümiert Dworschak. Im Bio-Anbau seien die Veränderungen langsamer sichtbar als im konventionellen Anbau. Man dürfe nicht den schnellen Erfolg suchen, sondern müsse die Dinge längerfristig angehen, das treffe für die Verwendung von Hornspänen als auch für den Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln zu.

Das Gas-BHKW für die Energieversorgung steht bei Dworschak nicht in einem eigenen Kesselhaus, sondern mitten im Gewächshaus. Bei der geringen Flächenverfügbarkeit im Knoblauchsland eine verständliche Lösung. Mit 140 kW elektrischer Leistung läuft es für die Selbstversorgung nur nach Bedarf. Es wird kein Strom ins Netz eingespeist, aber den Bonus für die Eigennutzung kann der Betrieb geltend machen. Bei der technischen Ausstattung setzt Dworschak auf die für seine Kulturen relevante Ausstattung. Ein automatisches Transportsystem ist dabei unerlässlich. Der Einsatz von LED-Lampen zur Pflanzenbelichtung steht momentan nicht zur Diskussion, da die Strahlungswärme der konventionellen Lampen als zusätzliche Heizquelle genutzt werden kann.

Basilikum ist die Hauptkultur des Kräuter-Produzenten und wird ganzjährig angebaut. Die Töpfe werden größtenteils als Bio-Eigenmarken der Supermärkte verkauft. Etwa 30 % der Töpfe vermarktet der Betrieb ohne das Bio-Siegel. Bei der Vielzahl der Verpackungen, alleine für Basilikum zehn unterschiedliche Folien, ist eine gute Organisation unerlässlich.

Ein weiteres Standbein ist die Schnittlauchtreiberei, eine Kultur, die für Dworschak ideal ins Verkaufsprogramm passt. Die Aussaat erfolgt ab Mai direkt in Töpfe, die im Freiland aufgestellt werden. Bevor sie in die Kühlung kommen, muss das Unkraut in den Töpfen im ökologischen Anbau von Hand entfernt werden - ein arbeitsaufwändiges Verfahren. Die Pflanzen werden in der wenige Kilometer vom Betrieb entfernten Kühlhalle bei - 8 bis - 9 ºC eingefroren und nach Bedarf in drei Sätzen pro Woche angetrieben. Die Töpfe sind dann innerhalb von acht Tagen verkaufsfertig. Eine nicht ganz einfache Kultur, wie Dworschak betont, welche allerdings bei den Abnehmern gut ankommt und von der Gärtnerei sehr flexibel produziert werden kann.

Auch Rosmarin ist eine Kultur, die ein großes Verkaufsfenster aufweist und dabei flexibel vermarktet werden kann. Dworschak hat versucht, die Pflanzen selbst auszusäen, was aber ein für ihn nicht zufriedenstellendes Ergebnis brachte. Und selbst bei den zugekauften Stecklingen aus Israel, die im Winter getopft wurden, gab es erhebliche Ausfälle. Auch hier zeigt sich die Ausdauer des Unternehmers: Er möchte an dem Produkt festhalten und hat nochmals Stecklinge geordert. Für die kommende Saison sind 700 000 Töpfe geplant. Eine weitere, für ihn vielversprechende Kultur ist die Minze, vor allem die Hugo-Minze. Hier sieht Dworschak noch Potenzial, denn die Nachfrage bei seinen Kunden sei nach wie vor steigend.

Die allgemeine Diskussion um den Mindestlohn sieht der Unternehmer gelassen. „Wir zahlen schon lange Mindestlohn, aber jetzt haben wir bei Preisverhandlungen mit unseren Abnehmern ein gutes Kosten-Argument“, erläutert Dworschak. Der Betrieb arbeitet nicht, wie üblich, mit vielen Saisonarbeitskräften. Seine 25 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Nationalitäten sind alle fest angestellt. Aushilfen wie z.B. Schüler aus dem Dorf ergänzen das Team bei Arbeitsspitzen. Viele ältere Arbeitsnehmer, die früher über den Maschinenring beschäftig waren, genauso wie Mitarbeiter mit Behindertenstatus, arbeiten bei Dworschak. Beim Kennzahlenvergleich habe der Betrieb zwar pro Mitarbeiter hohe Lohnkosten, dafür sei aber auch der Gewinn pro Arbeitskraft entsprechend hoch, so Dworschak.

Die Umstellung auf ökologischen Anbau bereut das Bioland-Mitglied in keiner Weise. Auch wenn die Kosten höher sind und die Preisverhandlungen mit dem Lebensmitteleinzelhandel sich manchmal schwierig gestalten, überwiegen für Dworschak die Vorteile.

Einen Hinweis auf das Hobby des Unternehmers finden die Besucher dann in der Maschinenhalle: Den beiden schmucken Oldtimer-Unimogs sieht man es an, dass sie nicht nur als Transportmittel im Betrieb ihr Dasein fristen. Dass auch die nächste Generation bereits Gefallen an einem individuellen Fuhrpark findet, ist da nicht erstaunlich. Beachtenswert sind die tollen selbst gebauten Anhängegeräte – super, wie die Nachfolgegeneration an den Betrieb herangeführt wird.

Ursula Keßler


All Hentai games https://dtsmusic.top/ Foot Fetish