08.06.2018

Topfkräuter für die Region

Regionalität liegt bei Frischeprodukten voll im Trend – ganz besonders bei Küchenkräutern. Somit ist auch der Handel stets auf der Suche nach regionalen Produkten und konstanten Anbaupartnern. Mit diesem Trend gelang auch Andrea und Stephan Velmans der Einstieg in die Kräuterproduktion.

Andrea und Stephan Velmans wagten vor drei Jahren den Einstieg in die Kräuterproduktion
Foto: Scheel

Eigentlich sollten in dem zugekauften zweiten Betriebsteil Beet- und Balkonpflanzen, wie auch in dem Stammbetrieb, kultiviert werden. Doch als die Vermarktungsorganisation mit dem Vorschlag an die Firma Velmans herantrat, in die Topfkräuterproduktion einzusteigen, und da die Zierpflanzengärtner aus Kevelaer neuen Herausforderungen stets aufgeschlossen gegenüber stehen, wurde aus dem Zweitbetrieb ein ganz eigenständiger Betriebsteil. Seit drei Jahren wachsen nun auf 15 000 m² Gewächshaus- sowie 2 000 m² Freilandfläche ganzjährig frische Kräuter. Die Hauptprodukte sind Basilikum und Petersilie, aber auch Salbei, Thymian, Dill, Rosmarin, Rucola und Minze sowie Schnittlauch stehen auf dem Anbauprogramm. Produziert werden mittlerweile mehr als 2 Mio. Töpfe im Jahr in konventioneller Anbauweise. Eine Umstellung auf Bioproduktion war für die Velmans keine Option, da die Nachfrage nach konventioneller Ware nach wie vor hoch ist und die Produktion auch jetzt schon auf Bioniveau erfolgt, bis auf Substrat und Düngung. „In dem ehemaligen Rosenbetrieb wäre eine Umstellung auf ökologischer Produktion auch sehr aufwendig geworden“, erläutert Stephan Velmans und betont, dass sie bei den Kräutern viel mit Nützlingen arbeiten. Diese werden regelmäßig nach einem bewährten Schema ausgebracht Zur Befallskontrolle kommen Gelb- und Blautafeln zum Einsatz. Ein Knoblauchextrakt dient zur Pflanzenstärkung.

Automatisierung

Auch als sehr erfahrene Zierpflanzengärtner mussten die Niederrheiner schnell feststellen, dass die Topfkräuter im Anbau nicht komplett mit Beet- und Balkonpflanzen vergleichbar sind. Das Knowhow für die Produktion holten sie sich von einem externen Berater und erfahrenen Kollegen. „Die Topfkräuter sind anspruchsvolle Kulturen“, stellten die Velmans fest. „Viele Arbeitsschritte haben wir automatisiert, soweit es Sinn machte und bezahlbar war, um leistungsstark agieren zu können.“ Eine Topfmaschine der Fa. Demtec sorgt für die rationelle Verarbeitung der 13er-Kunststofftöpfe sowie 17er-Töpfe für XL-Basilikum. Die kürzlich angeschaffte Maschine ist sehr kompakt und leistungsstark, mit einer Verarbeitungsgeschwindigkeit von bis zu 4 500 Töpfen pro Stunde. Damit werden die Kulturtöpfe automatisch mit einer speziellen Kräutersubstratmischung gefüllt. Ein Erdezufuhrsystem dosiert die Erde automatisch, auch der Transport der Töpfe und die Aussaat erfolgen voll automatisch. Die Kräuter werden ganzjährig ausgesät. Allein mit Basilikum werden jede Woche 25 000 Töpfe ausgesät. Nach der maschinellen Aussaat werden die Töpfe mit einer Folie gegen den Feuchtigkeitsverlust bis zur Keimung abgedeckt und zur Anzuchtstation transportiert.

Beim Thema Technik setzen die Velmans auf die für ihre Kräuter relevante Ausstattung. Ein automatisches Transportsystem ist dabei unerlässlich. Die komplette Produktionsfläche im Gewächshaus und Freiland ist mit Mobiltischen ausgestattet, die mit einem Absetzautomaten auf Schienen transportiert werden. Beim Rücken der Töpfe auf Endabstand kommt ein Roboter zum Einsatz. „Unsere Kräuter werden erst zum Verpacken der verkaufsfertigen Ware in die Hand genommen“, erläutert Andrea Velmans.

Neben der betriebsinternen Logistik ist auch die Kulturtechnik computergesteuert. Zur optimalen Steuerung von Klima, Bewässerung und Schattierung in den einzelnen Gewächshausabteilungen wird ein Klimacomputer genutzt. Die gesamte Produktion erfolgt in einem geschlossenen Bewässerungssystem. Das überschüssige Gießwasser wird aufgefangen. Die Flüssigdüngung mit Einzelnährstoffen wird über den EC-Wert gesteuert und über die Düngestation dosiert.

Das eigene Blockheizkraftwerk (BHKW) liefert die nötige Energie für die Produktion. Zusätzlich wird in den Wintermonaten zum Heizen Gas und Kohle verwendet. Um möglichst viel Energie zu sparen, kommen Energie- und Schattierschirme in der Produktion zum Einsatz. Außerdem wird mit einem Klimakonverter gearbeitet, um die Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus zu reduzieren. „Geringe Luftfeuchtigkeit erfordert weniger Heizenergie“, so Stephan Velmans. „Außerdem lässt sich so der Befall mit Falschem Mehltau reduzieren.“

Für die Assimilationsbelichtung der Topfkräuter fallen hohe Stromkosten an, aber der Lebensmitteleinzelhandel verlangt ganzjährig Kräutertöpfe in gleichbleibender Qualität. Für die Pflanzenbelichtung werden Natriumdampflampen in den Häusern eingesetzt, damit die Pflanzen auch in der dunklen Jahreszeit den Marktansprüchen gerecht werden. Insbesondere vor Weihnachten muss viel Licht eingesetzt werden. Um Energie zu sparen, überlegen die Niederrheiner auch, die Belichtung auf LED-Lampen umzustellen. Dagegen spricht allerdings, dass die Strahlungswärme der Natriumdampflampen als zusätzliche Energiequelle für die Produktion genutzt werden kann. „Im Gewächshaus erreichen wir ca. 7 bis 8 °C höhere Temperaturen durch die Strahlungswärme der konventionellen Lampen“, so Stephan Velmans. „Bei einer Umstellung auf LED-Lampen fällt diese Wärmequelle weg und die Heizkosten würden schließlich steigen.“

Im Bemühen um Ware in Top-Qualität werden die unterschiedlichen Kulturen in der jeweils optimalen Temperaturzone produziert. So entsteht feste Ware mit guter Haltbarkeit. Zur optimalen Belüftung und Temperaturregelung sind alle Gewächshaus-Abteilungen mit so genannten Cabrio-Dächern ausgestattet, sodass nahezu Freilandbedingungen erreicht werden können. Nur die Kräuter, die länger im Betrieb stehen, wie Rosmarin und Minze, werden im Frühjahr ins Freiland gesetzt.

Der Kräuterbetrieb produziert 80 % seiner Ware von Anzucht bis zur verkaufsfertigen Ware komplett selbst. Mit einer Ausnahme: die Schnittlauch-Produktion ist sehr aufwendig und langwierig. Deshalb werden die Schnittlauchpflanzen als Freilandware im Topf zugekauft. Die Pflanzen werden zunächst im Kühlhaus gelagert und anschließend im Gewächshaus angetrieben.

Ganzjähriger Anbau

In dem Kräuterbetrieb wird das ganze Jahr über produziert. Deshalb arbeiten Andrea und Stephan Velmans nicht mit Saisonarbeitskräften, sondern beschäftigen nur Festangestellte im Betrieb. Bis zu 16 Mitarbeiter kümmern sich um die Produktion der Kräuter. Mindestens eine Arbeitskraft ist täglich mit der Aussaat und dem Topfen beschäftigt.

Flexibel sein lautet das Prinzip des Betriebes. Jeder Kunde erhält seine bestellten Kräuter in gleichmäßig guter Qualität, in der gewünschten Menge und zur gewünschten Zeit. Vermarktet werden die Kräuter über Landgard an den Lebensmitteleinzelhandel und den Fachhandel. Die Kunden geben in der Regel vor, welche Kräuter in welchen Mengen und Mischungen geliefert werden sollen. Auch kurzfristige Bestellungen und vor allem die vielfältigen Verpackungswünsche oder Kartongebinde mit verschiedenen Mischungen von Kräuterarten werden erfüllt. An sechs Tagen pro Woche werden die vorbestellten Kräuter je nach Auftrag gelabelt, in Tüten verpackt und ausgeliefert. Der Betrieb hat auch ein eigenes Label entwickelt. „Genuss pur“ spricht die Verbraucher direkt an und gibt den Kräutern ein einheitliches Bild.

Die große Herausforderung bei der Kräuterproduktion bleibt wohl, sich schnell an die schwankenden Mengenanforderungen der Absatzmärkte anzupassen. Diesen Marktbedingungen stellen sich Stephan und Andrea Velmans auch in Zukunft gerne.

Birgit Scheel


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