14.01.2021

Torfersatzstoffe geschickt kombinieren - Weniger Torf im Kräutertopf

Die Direktsaat stellt hohe Anforderungen an die Substratbeschaffenheit, denn Umfallkrankheiten sind keine Seltenheit
Foto: LVG Heidelberg

Insbesondere Kräuter, die direkt in den Topf gesät werden, stellen große Anforderungen an das Substrat und dessen Qualität. Aus diesem Grund gilt bis dato auch im ökologischen Gartenbau, speziell in der Jungpflanzen- und Topfkräuteranzucht, der anteilige Torfeinsatz als unverzichtbar, will man nicht für den modernen Erwerbsgartenbau das Kulturrisiko erhöhen.    

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) ist auch aufgrund neuer Erkenntnisse über die Wichtigkeit von Mooren als Kohlendioxidspeicher bestrebt, die Verwendung von Torf in Kultursubstraten und Blumenerden mittelfristig auf ein Minimum zu reduzieren, um auch im Gartenbau die CO2-Emissionen zu verringern. Dieses Ziel ist im nationalen Klimaschutzplan 2050 der Bundesregierung festgeschrieben. Neben dem zunehmenden Druck von Umweltverbänden und Politik zur Torfreduzierung darf man auch nicht außer Acht lassen, dass ausgewählte Torfersatzstoffe wie beispielsweise Grünkompost oder Holzfaser mit ihren Eigenschaften die Substratqualität verbessern können. Allerdings ist es heutzutage für die Substratindustrie aufgrund von zunehmender Ressourcenkonkurrenz mit Biogasanlagen oder der thermischen Verwertung immer schwieriger, hochwertige Ausgangsstoffe wie Holzhackschnitzel, Grünkompost oder Rinde, in konstanter Qualität und preislich vertretbar einzukaufen.

Torfersatz geschickt kombinieren

Torf besitzt unbestritten herausragende physikalische und chemische Eigenschaften. Es gibt keinen Ersatzstoff, der Torf 1 zu 1 ersetzen kann, schon gar nicht in der Topfkräuterproduktion. Vielmehr sind die positiven Eigenschaften einzelner Torfersatzstoffe so im Baukastensystem zu kombinieren, dass der Topfkräuterproduzent ein Substrat erhält, welches als Fundament eine problemfreie Kultur von Aussaat bis Verkauf in Aussicht stellt. Aufgrund der sehr geringen Größe von Kräutersamen sollte es eine feine Struktur aufweisen, an der Oberfläche speziell zur Keimung nicht austrocknen, im Topf nicht sacken und keine hohen Salzgehalte zu Beginn der Kultur hervorbringen, um Keimschwierigkeiten zu vermeiden. Wer passt also mit wem zusammen? Grünkompost ist beispielsweise ein „must have“ speziell im Bioanbau. Er liefert Nährstoffe (speziell Phosphor, Kalium und Spurenelemente) sowie wertvolle Mikroorganismen, die für die Umsetzung organischer Dünger verantwortlich sind. Eine sehr gute Kompostqualität zeigt auch positive Effekte auf die Gesunderhaltung der Kräuterpflanzen, speziell in der Unterdrückung bodenbürtiger Krankheiten. Eine schlechte Kompostqualität kann dagegen enorme Probleme verursachen. Denn nicht ausreichend fermentierte Komposte haben eine hohe Anziehungskraft auf Trauermücken, eines der zentralen Pflanzenschutzprobleme in der ökologischen Topfkräuterproduktion. Andere Torfersatzstoffe wie Kokos oder Holzfaser zeigen sich weniger attraktiv für Trauermücken und weisen zudem noch andere positive Eigenschaften auf. Holzfaser erhöht die Luftkapazität im Substrat, allerdings limitiert eine mögliche Stickstoff-Immobilisierung die Beimischung deutlich. Die Verwendung von Kokosfaser/-mehl führt zu einer guten Wiederbenetzbarkeit, bringt aber oftmals auch einen erhöhten Salzgehalt mit sich. Unabhängig davon, welcher Torfersatzstoff zum Einsatz kommt, ist generell zu beachten, dass vielfach die Kulturverfahren angepasst werden müssen oder zumindest in der Anfangsphase der Kontrollaufwand hinsichtlich Düngung und Bewässerung höher ist.

Kräuterversuche intensivieren

Während im Zierpflanzenbau eine hohe Anzahl von verwertbaren Versuchsergebnissen zum Thema Torfreduzierung zu finden ist, liegen für den Topfkräuteranbau deutlich weniger Untersuchungen vor. Beispielhaft seien Untersuchungen im Rahmen des vom Land Niedersachsen finanzierten TeiGa-Projektes genannt. Hier untersuchten Projektmitarbeiter der Leibnitz-Universität Hannover unterschiedliche torffreie Mischungen mit Kompost, Kokosmark, Holzfaser und Perlite in der Kultur von Basilikum. Gute Ergebnisse zeigten sich in Substraten mit hohem Kokosmark-Anteil, während ein zunehmender Holzfaseranteil im Kräutersubstrat vermutlich aufgrund einer zu groben Substratstruktur zu einem schwächeren Wachstum führte. An der LVG Heidelberg unterstrichen Auftragsarbeiten für zwei Substrathersteller die enorme Wichtigkeit von Grünkompost im biologischen Topfkräuteranbau. Die darin enthaltenen Mikroorganismen förderten in der Kultur von Basilikum die Mineralisierung aller getesteten organischen Düngervarianten, während das in einem weiteren Biokräutersubstrat ohne Grünkompostanteil nicht der Fall war. Es gilt nun, die Untersuchungen an den Versuchsanstalten weiter zu intensivieren und auch eine Übersetzung in die Praxis voranzutreiben.

Transport in die Praxis

Diese Intensivierung in Forschung und Praxis sollte jedoch längerfristig und begleitet stattfinden. So hat sich das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) finanzierte BÖLN-Projekt „Torfreduzierte und torffreie Substrate für den Ökologischen Kräuterbetrieb – Erprobung, Optimierung und Wissenstransfer (TerÖko)“ die Entwicklung und Erprobung von Topfkräuter-Substraten mit einem hohen Torfersatzanteil von mindestens 30 bis 50 % bis möglicherweise hin zu einem torffreien Substrat zum Ziel gesetzt. Dabei werden Probleme und Fragen aus einem im Projekt integrierten Netz von Gartenbaubetrieben mit dem Schwerpunkt ökologische Topfkräuter erfasst und gemeinsam mit Forschung, Beratung und Erdenindustrie Lösungsstrategien entwickelt und in den Betrieben erprobt und umgesetzt. Besonders im Fokus stehen die Entwicklung und der Einsatz von Premiumkomposten. Involviert in das dreijährige Projekt „TerÖko“ sind die Bioland Beratung, die LVG Heidelberg, die FH Erfurt, die Universität Kassel und das Ingenieurbüro für Sekundärrohstoffe und Abfallwirtschaft. Startschuss war im September 2020. Die Ergebnisse werden zeitnah und praxisgerecht aufbereitet.

Robert Koch und Barbara Degen, LVG Heidelberg


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