12.02.2019

Torfreduzierte Substrate sind im Kommen

Kultursubstrate sind im Anbau von Gemüse und Obst nicht mehr wegzudenken. Der Anbau von Fruchtgemüse und Beerenobst im geschützten Tunnel nimmt stetig zu. Die Substrate basieren in den meisten Fällen auf der Grundlage von Torf. Doch das Torfvorkommen ist endlich, und so sind die Anbieter von Substraten auf der Suche nach Alternativen. Auch der Lebensmitteleinzelhandel fragt vermehrt nach torfreduziert erzeugten Produkten. Als Torfersatzprodukte kommen häufig Holzfasern zum Einsatz, aber auch Kokosfasern oder andere Stoffe werden zugemischt. Die Hersteller bieten für die einzelnen Kulturen maßgeschneiderte Substrate für die einzelnen Kulturen an. Wir haben uns auf der Spargel- und Erdbeermesse expoSE in Karlsruhe bei den Ausstellern umgesehen und nach aktuellen Entwicklungen im Bereich der Substrate gefragt.

Passend zur regionalen Erzeugung und Vermarktung von Obst und Gemüse will Einheitserdewerke Patzer ein regional erzeugtes Substrat anbieten
Foto: Brammert-Schröder

Die Einheitserdewerke Patzer setzen bei ihren Substraten für die verschiedenen Bereiche im Gartenbau auf Torfersatzstoffe – und zwar auf Basis von Holzfasern und Ton. Zwar werden auch nach wie vor Produkte mit Torfanteilen aus eigenen Anbaustandorten in Deutschland und dem Baltikum und auch mit Kokosfasern angeboten, aber bei vielen Substraten wird der Torf teilweise ersetzt oder es ist gar kein Torf mehr enthalten. Die Holzfasern werden in der eigenen Anlage aus heimischen Hölzern hergestellt. „Bei uns steht die Produktion von nachhaltigen und nachwachsenden Rohstoffen aus der Region im Fokus“, erklärte Verkaufsleiter Thomas Will, der auch für das Produktmanagement zuständig ist, auf der expoSE in Karlsruhe. „Passend zur regionalen Erzeugung und Vermarktung von Obst und Gemüse wollen wir ein regional erzeugtes Substrat anbieten.“

Die Holzfasern haben seiner Erfahrung nach ähnliche Eigenschaften wie Kokosfasern oder Steinwolle und können diese ersetzen. Auch Naturton wird den Substraten zugesetzt, um die Luft- und Wasserkapazität zu verbessern. „Die Kombination von Holzfasern und Naturton schafft stabile Porenverhältnisse mit guter Drainage sowie dem notwendigen Wasserspeicher“, so Will. Der Naturton wird an drei Standorten in eigenen Tongruben in Deutschland abgebaut. Das neue Substrat auf Basis von Holzfasern und Naturton wurde bereits erfolgreich in Lehr- und Versuchsanstalten im geschützten Anbau von Tomaten, Gurken und Erdbeeren getestet und soll in diesem Jahr den Weg in die Praxis finden. Das gebrauchsfertige Kultursubstrat für Gemüse und Beerenobst eignet sich für die Kultur von Erdbeeren auf Stellagen, Himbeeren im Container sowie Gemüse und Obst in Growbags.

Nachfrage nach Torfersatz hat zugenommen

Die Gebrüder Brill Substrate GmbH & Co KG aus Georgsdorf in der Grafschaft Bentheim ist ein Familienbetrieb mit langjähriger Erfahrung in der Herstellung von Substraten. Basis der Substrate ist in der Regel Weiß- und Schwarztorf, aber auch torfreduzierte und torffreie Substrate werden hergestellt. So baut Brill seine Produktlinie der Green Life-Substrate mit mindestens 30 %  Torfersatz weiter aus. Als Torfersatz werden sowohl Holzfasern aus unbehandeltem, heimischem Nadelholz ohne Rindenanteil als auch ein selbst entwickelter Substratfaserkompost verwendet, der aus Substratfasern heimischer Nadelhölzer und Substratkompost besteht. „Die Nachfrage nach um mindestens 30 % torfreduzierten Substraten hat deutlich zugenommen“, erklärte Renate Schepers, bei Brill für das Qualitätsmanagement zuständig. Sie machen im deutschsprachigen Raum bereits ca. 25 % aus, schätzt sie. Vor allem im Kräuterbereich werden auch torffreie Substrate gefordert, nicht nur von biologisch wirtschaftenden Betrieben.

Gramoflor testet verschiedene Zuschlagstoffe

Auch der deutsche Hersteller Gramoflor spürt eine gestiegene Nachfrage nach Substratkulturen. Die Substratmischungen von Gramoflor basieren auf Torf als Grundlage. Der Weiß- und Schwarztorf stammt rein aus norddeutschem Anbau, eine Renaturierung der Flächen ist im Anschluss an die Nutzung nach Angaben des Unternehmens sichergestellt. Für Beerenobst werden Kokosfasern und Perlite zugesetzt, auch Holzfasern können zum Einsatz kommen. Gramoflor erzeugt die Holzfasern seit 2018 in einem eigenen Werk, sie werden unter dem Namen Lignofibre vertrieben. Zudem testet das Unternehmen in seinem Forschungslabor andere Zuschlagstoffe wie beispielsweise Miscanthus- oder Schilffasern. „Torf als der Generalist für den Gartenbau ist nicht einfach zu ersetzen. Mit den Holzfasern können wir ein Teil des Torfs ersetzen. Auch andere Zusätze wie Kompost, Kokospeats und Perlite sind begrenzt“, so Ralf von Bloh, technischer Fachberater bei Gramoflor. Wichtig ist für ihn eine gute Beratung durch den Außendienst, damit der Kunde das Substrat bekommt, das seinem Produktionsziel entspricht.

Bioaktive Substrate von Floragard

Die Kultursubstrate von Floragard werden überwiegend auf der Basis von Weißtorf hergestellt und je nach Anwendung mit Schwarztorf und Perlite oder anderen Zuschlagstoffen versetzt. „Torf ist geübt“, sagte Vertriebsleiter Dieter Reiss. Der Torf stammt bei Floragard hauptsächlich aus den norddeutschen Werken und aus dem Baltikum, der dort teilweise nach den Richtlinien des Zertifizierungssystems RPP gewonnen wird. Floragard bietet für nahezu alle Bereiche des Gemüse- und Obstbaus Substrate an – je nach Anforderung. Der Kunde kann seitdem vergangen Jahr zudem individuell auf den Betrieb zugeschnittene, mit Mikroorganismen angereicherte, bioaktive Substrate beziehen. Diese Substrate enthalten einen geringen Anteil mikrobiell hochaktiven, gütegesicherten Substratkompost. Durch eine Kombination aus bewährten mineralischen Start- und Langzeitdüngern mit organischen Düngern wird die mikrobielle Aktivität im Substrat zusätzlich angeregt. Auf Wunsch können noch weitere positive Mikroorganismen wie z.B. Trichoderma, Bacillus oder auch Siliziumdünger zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit zugegeben werden.

Das Thema Torfersatz ist auch für das Unternehmen aus Oldenburg wichtig. „Der Lebensmitteleinzelhandel treibt die Nachfrage, weil einzelne Ketten auf Produkte setzen, die in torfreduzierten Substraten erzeugt werden“, erklärte Marketingleiter Christian Mauke. Vor allem in der Schweiz werden torfreduzierte oder auch torffreie Substrate gefordert. Und auch Biobetriebe setzen auf diese Substrate. Floragard hat deshalb im Werk Moorkultur Ramsloh in eine Holzfaseranlage investiert. Die Holzfasern werden in einigen Substratlinien als Torfersatz zugemischt. In Presstopfsubstraten sorgt eine feinstrukturierte Holzfaser für eine verbesserte Luftkapazität in den Töpfen, sodass sich die Wurzeln der Jungpflanzen besser entwickeln. Zudem hat Floragard aus den Holzfasern ein vielseitiges Abdeckmaterial zum Abstreuen von Containerkulturen entwickelt, mit dem die Oberfläche im Container luft- und wasserdurchlässig bleibt. Auf der expoSE stand bei den Besuchern am Stand von Floragard der Anbau von Erdbeeren und Himbeeren in Substrat im Fokus. Für Erdbeeren bietet Floragard ein Substrat an, das zu 100 % aus speziell gepuffertem Kokosmark besteht.

BVB und Legro setzen auf Kokos

Das niederländische Unternehmen BVB Substrate liefert Kultursubstrate für zahlreiche Kulturen eine eigene Mischung. „Wir stellen aber auch nach Kundenwusch spezielle Mischungen her“, sagten Jan Simons und Bart Verheijen in Karlsruhe. Nach ihrer Einschätzung entwickelt sich der Markt für Kultursubstrate für Erdbeeren gut. „Jedes Jahr werden auch in Deutschland mehr Erdbeeren in Substratkulturen angebaut.“ Eine Entwicklung, die in den Niederlanden schon lange zu beobachten sei. Das Unternehmen legt Wert auf eine gute Beratung bei den Kunden. BVB Substrate verwendet als Grundlage für ihre Substrate Sodentorf, Kokosfasern, Kokospeats und Perlite, schauen sich aber auch nach nachhaltigen Alternativen um.

Das niederländische Unternehmen Legro hat viel Erfahrung mit Substratanbau. „Wir haben Standardmischungen, mit denen wir viele Erfahrungen gesammelt haben und die funktionieren“, erklärte Verkaufsberater Martin Hornecker auf der expoSE. Neben den Standardmischungen produzieren sie aber auch nach Kundenwunsch zusammengesetzte Substrate. „Wir haben viele Anfragen von Erzeugern, die mit Substratkulturen neu anfangen wollen“, sagte er. Die Nachfrage steige, viele Betriebe überlegten, ob sie auf geschützten Anbau umsteigen sollen. Legro ist nach eigenen Angaben führend bei Heidelbeersubstraten, die vor allem nach Mittel- und Südamerika sowie Afrika exportiert werden. Für diese Kultur, die lange Standzeiten von rund zehn Jahren aufweist, kommen hauptsächlich Kokosfasern und Perlite zum Einsatz, Torf spielt hier eine untergeordnete Rolle, weil er sich zu schnell zersetzt. Der Torf wird auf rund 3 000 ha eigenen Flächen im Baltikum abgebaut, die Kokosfasern stammen von ausgewählten Erzeugern in Indien. Die Kokosnussschalen werden im eigenen Werk in den Niederlanden verarbeitet, um die besten Qualitäten zu erzielen.

Imke Brammert-Schröder


Industrie-News



Informatives



Ausgabe 04/2019

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

Service

Quicklinks