10.09.2021

Traumberuf Landwirt?

Foto: Valenta

Mitnichten. Mehr als die Hälfte der Deutschen sieht laut Rabobank Food Navigator hier eine eher schwindende Attraktivität. Das gilt vor allem bei den jungen Menschen. Der Stadt-Land-Vergleich dagegen zeigt ein anderes Ergebnis. 

Weitläufige Kornfelder, blühende Kräutergärten, glückliche Tiere auf saftigen Wiesen und strahlende Hofbesitzer mit Karohemden, Gummistiefeln und Milchkanne – Hochglanzbilder von Landwirten und ihrer Umgebung gibt es in der Werbung oder den sozialen Medien genug. Auch beliebte TV-Formate der letzten Jahre tragen ihren Teil dazu bei, dass Landwirte eine gewisse öffentliche Aufmerksamkeit genießen. Doch wie ist es um das Image des Berufs bestellt? Wollen vielleicht sogar aufgrund solcher Bilder mehr junge Menschen Landwirt werden? Der Rabobank Food Navigator zeigt: Mehr als die Hälfte der Deutschen (54,1 %) glaubt nicht daran, dass der Beruf des Landwirts in Zukunft attraktiver wird. Immerhin ein Drittel (30,5 %) bewertet die Anziehungskraft des Berufs positiv. Gleichzeitig sprechen sich 46,4 %der Befragten dafür aus, Landwirte fairer zu entlohnen.

Dass der Beruf insbesondere bei der jungen Bevölkerung zunehmend an Attraktivität verliert, bestätigen auch die Ausbildungszahlen des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft: Sie sind seit Jahren schwach rückläufig. 2010 entschieden sich noch 38.667 junge Menschen (davon 8.772 Frauen) für eine Ausbildung in landwirtschaftlichen Berufen. 2019 sank die Zahl der Nachwuchslandwirte um rund 6.000 auf 32.331 (davon 7.470 Frauen). Auch die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe schrumpft weiter: 2001 gab es noch rund 450.000 Betriebe in Deutschland, 20 Jahre später sind es noch knapp 263.000.

Wenig Interesse bei den Jüngeren

Der Rabobank Food Navigator zeigt: Je jünger die Befragten, desto weniger attraktiv erscheint der Beruf des Landwirts. Während bei den 65-Jährigen Zustimmung und Ablehnung noch relativ gleichauf liegen – 42,8 % glauben nicht daran, 19,8 % sind unentschieden und 37,4 % sind überzeugt, dass der Beruf attraktiver werden wird, – klafft bei den 18- bis 29-Jährigen eine deutlich größere Lücke: 71,0 % sehen die Attraktivität schwinden, fast doppelt so viele wie die Generation der Eltern und Großeltern. Dagegen kann sich nur ein Sechstel (16,0 %) der jungen Menschen vorstellen, dass der Beruf des Landwirts in Zukunft spannender wird. Bei den Altersgruppen dazwischen zeigt sich eine lineare Entwicklung: Je jünger die Befragten, desto weniger attraktiv finden sie diesen Beruf.

Mehr Überzeugungsarbeit bei Männern nötig

Bei den Geschlechtern glauben etwas mehr Männer als Frauen, dass der Beruf des Landwirts künftig nicht attraktiver wird: Mehr als die Hälfte der Männer (56,1 %) kann sich das nicht vorstellen. Die Frauen liegen mit 52,1 % etwas dahinter. Auf der anderen Seite glauben mehr Frauen (32,8 %) als Männer (28,2 %), dass der Beruf künftig interessanter für den Nachwuchs wird.

Ost und West nahezu gleichauf, genau wie Stadt und Land

Der Blick auf die Bevölkerungsdichte zeigt wenig Unterschiede bei Land- und Stadtbewohnern: In der Stadt ist man mit 57,7 % am ehesten überzeugt, dass Landwirte künftig mehr Werbung für ihren Beruf machen müssen, auf dem Land sehen das 53,1 % so.  Auf der anderen Seite leben hier – sicherlich der Nähe geschuldet – auch die meisten, die weiterhin an eine positive Entwicklung des Berufs glauben (31,3 %). Nur in Kleinstädten finden sich noch etwas mehr Befürworter (31,5 %).

Ost- und Westdeutsche sind sich ziemlich einig in der Annahme, dass das Dasein als Landwirt an Attraktivität verliert – im Osten sehen das 54,0 % so, im Westen 54,2 %. Auf der anderen Seite sind die Menschen im Osten zuversichtlicher, dass es eben nicht so kommt: Ein Drittel (33,9 %) glaubt an die wachsende Attraktivität, während es im Westen nur 29,5 % sind.

Für die Erhebung der Daten kooperiert die Rabobank mit Civey, einem der führenden Unternehmen für digitale Markt- und Meinungsdaten in Deutschland. Die Umfrage zum Thema Verantwortung für eine nachhaltigere Landwirtschaft ist repräsentativ und wurde online durchgeführt. Dafür wurden am 3. und 4. September 2021 mehr als 2.800 Teilnehmer*innen befragt. Die Stichprobengröße liegt bei über 2.500 Personen.

Quelle: Rabobank


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