23.11.2021

Trostspender in guten wie in schlechten Zeiten

Am Anfang stand ein Stück Treibholz, die Aussicht auf Sommerferien an der kroatischen Adriaküste und eine gewisse handwerkliche Begabung, die mit einer absolvierten Tischlerausbildung untermauert wurde und wieder dringend ein kreatives Ventil suchte.

Es ist wahrscheinlich nicht zu weit hergeholt, zu vermuten, dass Ralf Knoblauchs weiterer Karriereweg, der nach dem Theologiestudium zur Diakonsweihe führte, in gewisser Weise auch die Vorstellung davon prägte, was er in dem Stück Strandgut sah. So entstand der erste einer mittlerweile mehr als hundertköpfigen Schar von Königen.

Während seiner drei Wochen Sommerfrische merkte Knoblauch schnell, dass es ein Leichtes war, auf dem Campingplatz über den König mit anderen ins Gespräch und dabei ohne Umschweife vom Smalltalk auf Grundsätzlicheres zu kommen. Es ist die Erinnerung an die eigene Menschlichkeit, an die Königswürde, die jedem von uns zu Teil ist und die von den grobgehauenen Figuren ausgehe, erklärt Knoblauch.

Das mache diese Figuren zu universellen Botschaftern der Menschlichkeit und so finden sich weltweit eine Vielzahl seiner Könige, die bald darauf von weiß gewandeten Königinnen komplettiert wurden, an Orten, wo Menschen sich begegnen. An Orten, an denen das Thema Würde eine besonders große Rolle spielt, sei es nun in Altersheimen und Hospizen, Beratungsstellen für Menschen in Not oder den Schiffen der Flüchtlingsretter auf dem Mittelmeer.

Während der ersten Wochen der Coronapandemie waren die Könige auch in Bäckereien und Einkaufszentren anzutreffen, als Trostspender, aber auch als Einladung, berührt zu werden und nicht zuletzt durch diese Berührung etwas in Gang zu setzen. Das immer gleiche weiße Hemd, die immer gleiche schwarze Hose, der Sockel, der den Figuren ein stabiles Fundament bietet sowie die goldene Krone, mal auf dem Kopf, mal abgelegt und manchmal in der Hand getragen unterstreichen den Werkstoff Holz mit all seinen Rissen und Unebenheiten.

Die dann wieder an unsere eigenen Risse und Unebenheiten erinnern. Und so wird der Wecker im Bonn-Lessenicher Pfarrhaus auch weiterhin werktags um 5:00 morgens läuten und wird sich Ralf Knoblauch für ein Stündchen in Klausur begeben, um beim Behauen und Gestalten seiner Königsskulpturen auch die im eigenen Berufsalltag an sozialen Brennpunkten gemachten Erfahrungen zu verarbeiten. Und so sind die Figuren dann mal mehr, mal weniger nach vorne  geneigt und manchen fehlt sogar ein Arm. Einen Zuversicht vermittelnden, offenen Gesichtsausdruck haben sie jedoch alle gemein.

Unter Federführung von Tim Jacobsen entstand im Spätsommer 2021 mit tatkräftiger Unterstützung durch die in Bonn ansässige Graphikdesignerin Astrid Kalandrik ein so genannter Fluthilfekalender zur Unterstützung von Flutopfern im Ahrtal. Für diesen Kalender wurde eine von Ralfs Knoblauchs Königinnen entlang des Rheinburgenwegs in Szene gesetzt. Die mit dem Verkauf des Kalenders generierte Geldsumme wird vollumfänglich der Hochwasserhilfe der Spendenaktion Weihnachtslicht des Bonner Generalanzeigers zur Verfügung gestellt.

13 Kalenderblätter im Format DIN A5, die sich später als DIN A6-Postkarten nutzen lassen, kosten 10 €. Für Porto und Verpackung werden einmalig 4 € fällig. Solange der Vorrat reicht, lässt sich der Kalender per Email an tim.jacobsen@remove-this.gb-profi.de bestellen.