13.12.2017

Unser Ansehen in der Gesellschaft

... und die Folgen für die Branche

Thomas Kühlwetter

Ein wenig verwunderlich ist es schon, das Ergebnis einer Emnid-Umfrage vom Frühjahr 2017: Danach rangieren Landwirte gleich hinter den Ärzten und noch vor den Polizisten auf Rang 2 der angesehensten Berufe in Deutschland. Wirft man einmal einen kritischen Blick auf die Berichterstattung über die Landwirtschaft in den Medien, dann wird man den Eindruck nicht los, dass irgendwo eine unübersehbare Diskrepanz zwischen dem Umfrageergebnis und der gefühlten Wahrnehmung aus Sicht der Branche besteht.

Das Thema Glyphosat (siehe dazu auch S. 5) mag da vielleicht nur die Speerspitze einer Entwicklung sinnbildhaft darstellen. Erkennbar ist, wie viele Menschen in einer von Städtern geprägten Gesellschaft den Bezug zur Realität auf dem Land völlig verloren haben. Anstelle von sachlichen Grundlagen bestimmen Emotionen das Meinungsbild.

Wie sieht die Realität auf den Höfen aus? Die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe ist von 275 000 im Jahr 2010 auf 250 000 in 2016 gesunken. Gleichzeitig ist im selben Zeitraum die Zahl der in den Betrieben beschäftigten Familienarbeitskräfte von 556 000 auf 449 000 zurückgegangen. Ebenso sank die Zahl der Saisonarbeitskräfte in diesem Zeitraum von 330 500 auf 286 300 - überwiegend sicher tätig im Bereich der Sonderkulturen - während die Zahl der in den Betrieben ständig beschäftigten Arbeitnehmer von 193 400 auf 204 600 zunahm.

Im Gartenbau sank die Zahl der Betriebe in nur sechs Jahren um stattliche 24 % von 35 700 auf 27 200. Auf der anderen Seite stieg die gärtnerische Nutzfläche in diesem Sechsjahreszeitraum um 5 600 ha, ein Zuwachs um 2,5 %.

Ob man es bedauern möchte oder nicht – die Entwicklung ist eindeutig und geht hin zu stetig größeren und leitungsfähigeren Unternehmen, die in der Lage sein müssen, die ständig steigenden Anforderungen zu erfüllen. Umgesetzt werden können diese nur noch von sehr gut organisierten Unternehmen: Arbeitssicherheit, Qualitätssicherung und Hygiene, Regionalfenster, Bauvorgaben, Sozial- und Umweltstandards oder - wie jüngst verschärft, die Vorgaben zum Einsatz von Düngemitteln - haben ein noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbares Maß an Komplexität erreicht.

Statt immer häufiger mit dem Finger auf eine Branche zu zeigen, sollten Verbraucher sich vielleicht auch einmal die Frage stellen, wo denn noch vor dem Hintergrund der ständigen Verschärfungen die Freude bei den Verantwortlichen auf den Betrieben herkommen soll, denn sie haben zudem bei unaufhaltsam steigenden Kosten auch immer wieder mit erhöhtem Preisdruck zu kämpfen.

Das Jahr 2017 war für viele Betriebe in unserer Branche ein ausgesprochen schwieriges. Die Sorge um die Existenz und den Fortbestand des Hofes ist eng verbunden mit der Hoffnung auf einen weniger problematischen Witterungsverlauf und ein wirtschaftlich günstigeres Umfeld im kommenden Jahr.

Ungeklärt bleibt in diesem Zusammenhang die Frage, ob und gegebenenfalls wie es gelingen kann, unser Meinungsbild in der Gesellschaft aufzubessern, denn ohne ein klares Bekenntnis zu den Höfen und zu deren Produkten wird die Zukunft sicher nicht einfacher.

Im Namen unserer gesamten Redaktion wünsche ich Ihnen, Ihren Familien und Mitarbeitern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest, einige Tage der Ruhe und Erholung im Jahreswechsel, einen guten Rutsch und ein erfolgreiches Jahr 2018.

Thomas Kühlwetter

Zitat: „Ohne ein klares Bekenntnis zu den Höfen wird die Zukunft sicher nicht einfacher!“

 


Industrie-News



Informatives



Ausgabe 12/2017

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

Service

Quicklinks