09.04.2015

Verbandspolitische Tagung in Jork

Johann Knabbe, Kreislandwirt Stade, dankte Ministerpräsident Weil und Wirtschaftssenator Frank Horch für ihr Kommen

von Josefine von Hollen

Im Rahmen der Obstbautage in Jork veranstaltete der Kreisbauernverband Stade im Niedersächsischen Landvolk wie in jedem Jahr seine Verbandspolitische Tagung. Der Kreislandwirt Johann Knabbe hielt seine Begrüßungsrede in einer bis auf den letzten Platz besetzten Altländer Festhalle. Immerhin sollten der Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Stephan Weil, und der hamburgische Wirtschaftssenator Frank Horch als Gastredner sprechen. So hofften rund 300 Obstbauern, dass der Landeschef endlich mit der erlösenden Nachricht über eine Einigung bezüglich der Sonderregelung für den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Alten Land die Versammlung positiv überraschen würde.

Sonderregelung nimmt alle in die Pflicht

Ulrich Buchterkirch, Vorsitzender der Landesfachgruppe Obstbau im niedersächsischen Landvolk, kam in seiner Rede dann auch schnell zum kritischen Punkt. Der Vorsitzende lobte vorab die intensive und fruchtbare Zusammenarbeit mit Obstbauern, den Landesregierungen Niedersachsen und Hamburg, dem Bundesministerium, der Politik und den Naturschutzverbänden. Hier sei die einmalige Chance wahrgenommen worden, etwas Großes, Einmaliges und ganz Außergewöhnliches gemeinsam zu erreichen, erklärte der Obstbauer. Die Sondervereinbarung werde den Obstbauern die Existenzen sichern, fachlich umsetzbar sein und den Bogen des Leistbaren nicht überspannen. Aber auch für den Natur- und Umweltschutz sei man einen großen Schritt in die richtige Richtung gegangen, so der Unternehmer. Die Obstbauern und Naturschützer seien enger zusammengerückt und er sei davon überzeugt, in Zukunft voneinander viel lernen und profitieren zu können. „Damit wird das Alte Land zum modernsten, innovativsten und zukunftsorientiertesten Obstanbaugebiet der Welt“, betonte Buchterkirch nicht ohne Stolz. Er appellierte aber auch eindringlich an die Kollegen, diesen nicht einfachen Weg mitzugehen, ermahnte aber gleichzeitig auch die Länder Niedersachsen und Hamburg, zu ihren Verpflichtungen im Rahmen der Vereinbarung zukünftig zu stehen.

Mit Spannung wurde die Rede von Stephan Weil erwartet, aber der Ministerpräsident konnte seine Zuhörer nicht ganz zufriedenstellen. Mit allen Beteiligten sei eine vertretbare Regelung ausgehandelt worden, so betonte auch der Ministerpräsident.

Altes Land ist Obstkorb der Nation

Der Ministerpräsident bescheinigte den Obstbauern eine großartige Tradition und ein großartige Zukunft. Ihm sei bewusst, dass die Obstbauern des Alten Landes nur durch harte Arbeit, Engagement und viel Innovation es geschafft hätten, sich zu dem zu entwickeln, was sie  heute seien – der Obstkorb der Nation. Die Landwirtschaft - und damit der Obstbau - sei im Lande Niedersachsen der zweitwichtigste Wirtschaftsfaktor und vor allem ein flächendeckend arbeitender Wirtschaftszweig. Weil werde sich dafür einsetzen, dass Niedersachsen auch künftig das Agrarland Nummer 1 der Bundesrepublik bleibe.

Der Ministerpräsident zeigte Verständnis dafür, dass die Landwirte die vielen Auflagen und Dokumentationspflichten als überbordend empfänden. Weil ermahnte jedoch, das Positive darin zu sehen. Wer sich an die gesetzlichen Maßstäbe halte, könne auch dazu stehen.

Gute Arbeit braucht guten Lohn

Zu der Problematik bezüglich der Einführung des Mindestlohnes verwies Weil darauf, dass in der Gesellschaft ein Mentalitätswechsel stattfände. Gute Qualität sei ein Ergebnis für gute Arbeit, gute Lebensmittel müssten ihren Preis haben; deshalb müsse auch gute Arbeit einen guten Lohn erhalten. „Der Mindestlohn hat seinen Grund“, erklärte der Ministerpräsident, „wir wollen Fairness. Wir wollen, dass ein Vollzeit-Beschäftigter seine Familie auch ernähren kann.“ Weil räumte ein, dass bei der Durchführung eines solchen Systemwechsels sicherlich Schwierigkeiten auftauchten. Das sei unvermeidlich. Man müsse hier erst Erfahrungen sammeln. Allerdings versicherte er dem Publikum, dass die Politik und Verwaltung auf begründete Anliegen zeitnah und angemessen reagieren werde.

Auch zur geplanten Elbvertiefung äußerte sich der Minister. Ein Thema, das den Altländern erhebliche Probleme bereitet. Weil versicherte, dass das Land Niedersachsen sich hier dafür einsetzen werde, dass die Obstbauern ausreichend Süßwasser von bester Qualität für ihre Zwecke zur Verfügung bekämen, so wie sie es bräuchten. Dabei stünde nicht das „Ob“, sondern nur noch das „Wie“ in Frage, so der Ministerpräsident.

Junge Meister reden Klartext

Die anschließende Ehrung der 13 frischgebackenen Gärtnermeister der Fachgruppe Obstbau mit der feierlichen Überreichung der Meisterbriefe übernahmen Johann Knabbe, der Senator Frank Horch sowie die Blütenkönigin Sandra Müller und die Apfelkönigin Janina Viets.

Einer der drei besten Absolventen des Meisterkurses war Rolf Lühs aus Jork. In seiner Festrede nahm er für seinen Berufsstand kein Blatt vor den Mund. Die Kursteilnehmer hätten eine intensive, fachliche hervorragende Ausbildung genossen. Dies sei eine der Grundfesten für die Zukunft der Obstbbauern im Alten Land. Die maßgebliche Aufgabe der Politik sei, so Lühs, faire Rahmenbedingungen zu schaffen, damit die Unternehmer vorausschauend planen könnten. „Das geht anders!“, warf der junge Obstbaumeister den Politikern unter großem Applaus vor. Und Lühs legte die Finger in die Wunden: Der zunehmende bürokratische „Alptraum“ diene nur noch einem Selbstzweck, nämlich den Behörden Aufgaben zu erteilen. Kein Apfel sei dadurch besser, gesünder oder sicherer. Auch zum Mindestlohn äußerte er sich äußerst kritisch. Gegen den Mindestlohn sei prinzipiell nichts einzuwenden, so Lühs, aber die deutschen Obstbauern stünden im Wettbewerb mit Konkurrenten, die wie z.B. in Polen, einen Durchschnittslohn von 2,17 € zahlten.