13.07.2017

Viel Neues auf dem Kirschentag - Kirschen erheblich vom Frost betroffen

Auf dem rheinland-pfälzischen Kirschentag Mitte Juni ging es nicht nur um die aktuellen Versuche zu Sorten, Unterlagen und Pflanzsystemen auf der Versuchsfläche in der Nähe von Oppenheim. Auch ein Versuch zur Unterkronenberegnung gegen Spätfröste sowie die Situation bei den Schaderregern waren Thema.

Nicht jede Sorte eignet sich für das Dichtpflanzungssystem. Die Bäume müssen kurze Internodien aufweisen, sodass ausreichend Früchte in Stammnähe angesetzt werden

Der Frost macht den Steinobsterzeugern in Rheinland-Pfalz in diesem Jahr zu schaffen. Die Kirschbäume hängen nicht voll mit Früchten, an manchen Bäumen gibt es auch Totalausfälle. Dieses Bild zeigte sich auch beim rheinland-pfälzischen Kirschentag Mitte Juni auf der Versuchsfläche des DLR Rheinpfalz in Dienheim bei Oppenheim. Pünktlich zum Kirschentag kam die Nachricht aus dem Mainzer Landwirtschaftsministerium, dass die Frostereignisse als Elementarschaden anerkannt werden und die betroffenen Erzeuger vom Land finanzielle Unterstützung erfahren können. „Für viele Erzeuger ist es tödlich, nichts zu ernten. Wir brauchen für diese Betriebe die Unterstützung“, kommentierte Ludwig Schmitt, Kreisvorsitzender im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd, BWV, der in Mainz-Finthen selbst einen Obstbaubetrieb bewirtschaftet. Es würden maximal 10 000 € pro Betrieb ausgezahlt.

Dichtpflanzungssysteme bringen große Kirschen

An vier moderierten Stationen konnten sich die Kirschenanbauer über Neuheiten bei Sorten, Pflanzsystemen, Pflanzenschutz und Beregnung informieren. Auf der Versuchsfläche des DLR in Dienheim werden seit 2013 die Sorten `Axel´, `Kordia´ und `Regina´ im Dichtpflanzungssystem Super Schlanke Achse (SSA) und Bibaum erprobt. Liefern Dichtpflanzungssysteme höhere Erträge und bessere Qualitäten? Wie hoch ist der Arbeitseinsatz? Diese Fragen diskutierten die Praktiker mit dem Italiener Michele Giori, der das Anbausystem seit vielen Jahren auf seinem Betrieb praktiziert. Er erklärte, worauf es bei dem Anbausystem ankommt und welche Vorteile es hat. „Wir wollen möglichst viele dicke Kirschen an den einjährigen Seitentrieben in Stammnähe produzieren“, sagte Giori. Mit dem Dichtpflanzungssystem sei es möglich, viele großkalibrige Früchte, die am Markt gefragt sind, mit einem guten Ertrag zu ernten. Als Zielgröße nannte er einen Ertrag von 13 t/ha mit mindestens 80 % Kirschen in der Sortierung größer als 28 mm.

Allerdings eignen sich nach Aussage von Giori nicht alle Sorten für das Dichtpflanzungssystem. Das Pflanzmaterial müsse kurze Internodien aufweisen mit Knospenabständen von zwei Fingerbreiten. 1,60 bis 1,80 m hohe Pflanzbäume seien ideal. Ab dem zweiten Jahr würden die Bäume Ertrag bringen, erst 500 g/Baum, im dritten Jahr 1 kg und ab dem vierten Jahr rund 2,5 kg. Den Schnittaufwand bezifferte der Italiener auf 100 bis 120 Stunden. Der erste Schnitt erfolgt im September maschinell, der zweite im Frühjahr. „Im Herbst werden die Seitentriebe um ein Drittel eingekürzt, im Frühjahr dann noch einmal, sodass drei Blütenknospen und zwei Blattknospen stehen bleiben“, erklärte Giori. Wichtig sei es, im Frühjahr zur Bestäubung Bienen und Hummeln einzusetzen und auf Monilia zu achten, da die Früchte sehr dicht nebeneinander stehen.

Sorten für den geschützten Anbau

Martin Balmer vom DLR in Oppenheim stellte einige Kirschsorten aus den Versuchen vor. „Für den geschützten Anbau sind die italienischen Sorten `Sweet Valina´ und `Sweet Aryana´ interessant“, sagte er. `Georgia´ sei zwar ertragsstabil, habe aber zu kleine Früchte. Auch `Grace Star´ habe, so Balmer, noch ihre Daseinsberechtigung. Die Sorte `Schneiders´ empfahl er nicht mehr, weil sie eine zu geringe Ertragsstabilität aufweise. Mit SPC 342 steht eine neue Sorte kurz vor der Markteinführung, die sich in den Versuchen als saftig, geschmacklich gut und sehr platzstabil mit festem Fruchtfleisch erwies. Allerdings hat sie nur ein mittleres Ertragsniveau. Sie sei aber durch ihre exzellente Fruchtqualität für Direktvermarkter interessant. Die Sorte, die vom Reifezeitpunkt kurz nach `Samba´ kommt, ist noch nicht im Handel und wird für den Herbst 2018 oder 2019 erwartet.

Unterlagen im Versuch

Martin Balmer präsentierte verschiedene Unterlagenversuche, die seit 2013 am Standort Dienheim durchgeführt werden. Gisela 5 zeigt nach seiner Aussage kaum Unterschiede im Wachstum auf jungfräulichem Boden oder im Nachbau. Gisela 3 empfiehlt er nach wie vor für Neuanlagen, sie neigt aber zum Verkahlen. „Sie ist für wüchsige, großfruchtige Sorten geeignet“, so Balmer. Die Unterlagen Weigi 1-4 sind im mittelstarken Segment eingestuft. „Weigi 2 kommt besser mit hohen Temperaturen zurecht, vielleicht hat sie Potential, wenn es durch Klimawandel wärmer wird“, erklärte Balmer. Gisela 5 habe Probleme, wenn es über 30 °C warm wird.

Schaderreger auf dem Vormarsch

Werner Dahlbender stellte das grenzübergreifende Projekt InvaProtect vor, das sich mit nachhaltigen Pflanzenschutzmaßnahmen gegen invasive Schaderreger im Obst- und Weinbau beschäftigt. Über die deutschen Landesgrenzen hinaus wird ein Monitoring verschiedener Schaderreger betrieben - unter anderem der Kirschessigfliege - und es werden Prognosemodelle erarbeitet. Dahlbender sprach einige Schaderreger an, die die Obstbäume nachhaltig schädigen können. Beispielsweise der Weidenbohrer, ein tagaktiver Falter, der zwischen Juni und August fliegt und vor allem an Weiden geht, aber auch an Kirschbäume.

„Die roten Raupen des Weidenbohrers können bis zu vier Jahre im Baum bleiben, wenn sie sich erst einmal eingebohrt haben“, erklärte Dahlbender. Die Veredelungsstelle sei die ideale Eintrittsstelle, wobei es wohl auch von der Unterlage abhängt, ob die Raupe den Baum auswählt. „Wichtig ist es, den Schaderreger zu erkennen. Wenn er im Baum ist, kann man ihn nicht bekämpfen.“ Wenn sich der Weidenbohrer in den Stamm bohrt, produziert er Bohrmehl. Daran sei ein Befall zu erkennen. „Eigentlich müssten die Eier des Falters bekämpft werden, es fehlen aber die Insektizide. Wir sind noch damit beschäftigt, eine Lösung zu finden.“ Ähnliches gilt für die Maulbeerschildläuse, die Kirschen und Pfirsichbäume befallen und für die es ebenfalls keine zugelassenen Mittel gibt.

Dahlbender äußerte sich auch zum Auftreten der Kirschfruchtfliegen und der Kirschessigfliegen. Während bei den Kirschfruchtfliegen ein starker Flug beobachtet werde, gebe es bei der Kirschessigfliege kaum Flüge, wohl aber bereits Eiablagen. „In einer intensiven Anlage haben wir 40 Eier gefunden. Es schwankt von Anlage zu Anlage. Jeder sollte seine Bäume auf Eiablage kontrollieren, um rechtzeitig behandeln zu können“, gab er den Anbauern mit auf den Weg. Bei heißem Wetter verschiebe sich die Population nach hinten, sie könne sich nach einem Gewitter aber schnell entwickeln. Es gebe, so Dahlbender, verschiedene Präparate zur Bekämpfung, die je nach Reifegrad eingesetzt werden können.

Mit Unterkronenberegnung gegen Frost?

Großes Interesse bestand angesichts der Spätfrostereignisse im Mai an den Ausführungen von Elke Immik, ebenfalls DLR Rheinpfalz, zur Spätfrostbekämpfung mit Unterkronenberegnung im Steinobst. Hierzu hatte Elke Immik vor einigen Jahren einen Versuch zur Wirkungsweise und zu Temperatureffekten gemacht. Sie verdeutlichte, dass durch die Unterkronenberegnung ein indirekter Effekt erzielt wird, indem das Wasser, das mit Regnern oder Sprinklern mit flachem Strahlanstieg auf der Fläche unterhalb der Baumkronen verteilt wird, gefriert und dadurch Erstarrungswärme freigesetzt wird. „1 bis 2 °C kann man mit der Methode gewinnen, sie kann helfen, kritische Bereiche abzumildern“, sagte Immik. Wenn zusätzlich die Bedachung, wenn vorhanden, geschlossen werde, könne auch das noch einen positiven Effekt haben.

Allerdings müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit die Unterkronenberegnung funktioniert. „Man braucht mindestens eine Fläche von einem halben Hektar, damit sich eine Wärmewolke bilden kann.“ Außerdem müsse auf der Fläche genug Bewuchs vorhanden sein, der gefrieren kann. Und auch Wasser muss in ausreichender Menge verfügbar sein. 25, besser 28 m³/ha/h werden benötigt, um einen Effekt zu erzielen. Die Regner oder Sprinkler dürfen nach Elke Immiks Erfahrung maximal 5–7 Grad Strahlanstieg aufweisen, um die Kronen der Bäume nicht zu treffen. Die Kosten für eine solche Beregnungsmöglichkeit bezifferte sie auf 2 500–3 500 €/ha. „Das Problem ist häufig die Wasserbeschaffung. Sie kann sehr teuer werden.“ Allerdings könne die Beregnung auch im Sommer für einen klimatisierenden Effekt genutzt werden.

Begleitet wurde der Kirschentag durch verschiedene Firmen, die ihre Produkte und Dienstleistungen präsentierten.

Imke Brammert-Schröder


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Ausgabe 10/2017

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

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