16.11.2018

Apfelanbau in Neuseeland - Äpfel von den Kiwis

Der Apfelanbau Neuseelands ist stark auf den Export ausgerichtet – kein Wunder, denn eine halbe Million Tonnen Äpfel wären für 4,5 Mio. Einwohner auch etwas viel. Die Kiwis, wie Neuseelands Bewohner oft genannt werden, profitieren beim Anbau von den vielen Sonnenstunden, meist jungfräulichem Boden und den milden Wintern. Einen Einblick in den Apfelanbau und –export gab auf dem Bundeskernobstseminar Björn Schmitz vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.

Dr. van Hooijdonk und Dr.Tustin (v.l.), die das Future Orchard Production System und Artificial Spur Extinction erfroschen, hinter zwei Envy™-Bäumen
Foto: Schmitz

Neuseeland ist ca. 267 000 km² groß und hat 4, 47 Mio. Einwohner. Der Apfelanbau findet in Neuseeland vor allem in drei Regionen statt: Hawke`s Bay, Nelson und Otago. Insgesamt sind es rund 9 000 ha Apfelanbaufläche, 6 000 ha entfallen davon auf Hawke`s Bay auf der Nordinsel Neuseelands. Bei einem durchschnittlichen Ertrag von bis zu 60 t/ha kommen so 500 000 t jährlich zusammen. Davon wiederum werden ca. 350 000 t exportiert – hauptsächlich nach Asien, Europa und Nordamerika. Abgewickelt wird die Vermarktung durch Exporteure, wenige ganz große Anbauer betreiben ihren eigenen Export. Insgesamt machen ca. 20 Unternehmen den neuseeländischen Apfelexport „unter sich aus“. Seit Jahren ist der Absatz stabil und die Preise für Transport, Lagerung und Logistik relativ konstant. Die größten Mitbewerber im Apfelgeschäft sind für die Kiwis Chile, Südafrika und die USA (Washington State).

Systeme für die Zukunft?

Von seinem Aufenthalt in Neuseeland während seines Studiums – unter anderem an der Obstbauversuchsanstalt Plant & Food Research – stellte Björn Schmitz einige Forschungsprojekte vor:

·         ASE (Artificial Spur Extinction): Bei dieser Art von Handausdünnung werden die Knospen während der Winterruhe abhängig vom Astdurchmesser selektiv ausgedünnt. Der hohe Arbeitsaufwand von bis zu 250 Std./ha wiederholt sich dann optimalerweise in einer weiteren Handausdünnung der Früchte. Das aufwendige System wird zurzeit noch nicht praxiserprobt, wie Schmitz betonte, allerdings würden sich sehr gleichmäßige und hohe Erträge damit erzielen lassen.

·         FOPS (Future Orchard Production System): Das intensive Pflanzsystem zielt darauf ab, die Lichtaufnahme der Pflanzen und den Ertrag zu maximieren. Die Bi-Bäume stehen dazu mit 3 m Abstand und 1,5-2 m Reihenabstand. Die Haupttriebe werden horizontal formiert und jeweils zehn bis zwölf fruchtende Triebe an einem Drahtgerüst nach oben geführt. Diese Form der Erziehung beruhigt das Wachstum der Bäume und ermöglicht eine effiziente Ernte, da die Früchte wie bei einer Fruchtwand sehr exponiert hängen. Der Standraum lässt sich mit nur wenigen Bäumen ausfüllen und es ließen sich laut Schmitz Rekordernten von über 60 t/ha mit außergewöhnlichen Qualitäten erzielen. Die Herausforderungen dieses Systems: hohe Gerüstkosten, kein Platz für herkömmliche Technik/Großkisten, Lichtmangel im unteren Bereich der Bäume möglich und hohe Formierungskosten.

Das Sortenspektrum wird von `Gala´ (27 %) dominiert, dann folgen `Braeburn´ (13 %) und `Fuji´ (9 %) – allerdings alle mit abnehmender Tendenz. Hingegen nimmt der Anbau von Jazz (8 %), Pink Lady (6 %) und Envy (6 %) weiter zu. Björn Schmitz stellte auch einige Sorten, die in Neuseeland gezüchtet wurden, vor:

·         Envy™ (`Scilate´): gezüchtet von Plant & Food Research, Lizenz von Enza, `Braeburn´ x `Royal Gala´, Reife mit `Elstar´, mögliche Berostungsprobleme, Versuchserträge von 100-150 t/ha

·         Smitten® (PremA153): gezüchtet von Plant & Food Research, Lizenz von Prevar, Selektion mit Vorfahren von `Falstaff´, `Breaburn´ und `Royal Gala´, Reife mit `Elstar´, Schale rot gestreift mit gelblicher Grundfarbe, festes Fruchtfleisch, Versuchserträge von 70-100 t/ha

·         Jazz (`Scifresh´): gezüchtet von Plant & Food Research, Lizenz von Enza, `Braeburn´ x `Royal Gala´, Reife vor `Braeburn´, weltweiter Anbau

·         Dazzle® (PremA129): gezüchtet von Plant & Food Research, `Sweetie´ x `Scired´, Lizenz von Prevar, vorgestellt 2016, v.a. für den asiatischen Markt (Früchte groß, rot, knackig, süß, saftig, wenig Säure), 2017 wurden bereits 100 000 Bäume aufgepflanzt

Mensch oder Maschine

Die Kulturführung in Neuseeland beschrieb Björn Schmitz so: Viel Handarbeit! Meist werden die Apfelbäume als hohe Spindeln mit 4 m Kronenhöhe angebaut und mit Leitern, nicht selten auch mit Arbeitsbühnen, beerntet. Neben der aufwendigen Ernte bringen auch der intensive Winterschnitt und die manuelle Fruchtausdünnung einen hohen Anteil an Handarbeit. Saisonarbeitskräfte sind allerdings für die neuseeländischen Anbauer leicht zu finden. Neben Bewohnern der pazifischen Inseln kommen auch viele Backpacker nach Neuseeland, um durch ihre Arbeit auf den Farmen Land und Leute kennenzulernen. Ein Mindestlohn gilt in Neuseeland bereits seit acht Jahren und liegt umgerechnet bei ca. 9,30 €/h.

Für ihr Wasser mussten die Anbauer viele Jahre gar nichts bezahlen, mittlerweile gibt es eine geringe Gebühr. Die Technik, so Schmitz, ist meist noch veraltet - was auch daran liegen mag, dass Einfuhren, z.B. von Ersatzteilen oder Maschinen, sehr teuer sind. Neuseeland liegt nun mal sehr weit „draußen“ – und trotzdem haben es die Kiwis geschafft, sich ihren Platz im Apfelexportgeschäft aufzubauen. Allerdings steigen auch in Neuseeland die Produktionskosten und die Anbauer sind auf Premium- bzw. Clubsorten angewiesen, die entsprechende Erträge liefern. Und nicht zuletzt die zunehmende Konkurrenz aus Chile setzt die Kiwis unter Druck.

Marion Valenta


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Ausgabe 12/2018

 

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