08.07.2015

Bioanbau als Alternative

Maschinen, die im praktischen Einsatz vorgeführt

Bio- und IP-Obstbauer beim Obstbaunachmittag

Eine Veranstaltung der besonderen Art war der Obstbaunachmittag am Kompetenzzentrum Klein-Altendorf am 20. Mai, bei der Obstanbauer von Bio- sowie IP-Betriebe zusammen kamen. Ein abwechslungsreiches Programm mit interessanten Vorträgen, innovativer Kulturtechnik und diversen Maschinen im praktischen Einsatz lockte zahlreiche Obstbauer zu dieser Sonderveranstaltung, die vom Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz zusammen mit der Landwirtschaftskammer NRW organisiert wurde.

Aktuelles aus der Arbeit der Fördergemeinschaft ökologischer Obstbau e.V. (Föko) wussten Bert Krämer und Lothar Krämer vom Vorstand der Föko West zu berichten. Die Föko ist ein Zusammenschluss von ökologisch wirtschaftenden Obstbauern im Bundesgebiet mit derzeit ca. 200 Mitgliedern. Ziel der Föko ist es, den ökologischen Obstbau zu fördern und so einen wesentlichen Beitrag zu einem zukunftsfähigen Obstbau beizutragen. Eine wichtige Aufgabe der Föko besteht in der Durchführung verschiedener Projekte zu auftretenden Fragen im ökologischen Obstbau. Dabei liegt der Schwerpunkt der Föko nicht nur im Kernobst, sondern auch im Stein- und Beerenobst.

Schorftolerante Sorten

„Im Obstbau bereitet vor allem Schorf große Probleme“, erläuterte Gerhard Baab vom DLR Rheinpfalz und berichtete über aktuelle schorftolerante Apfelsorten für den Ökoobstbau. `Deljonca´, eine Neuzüchtung aus Frankreich mit einer Reife in der zweiten bis dritten Augustwoche, zeichnet sich durch seinen guten Geschmack (süß-feinsäuerlich, saftig und aromatisch), einer attraktiven Farbe und guten Lagerfähigkeit sowie einem positiven Resistenzverhalten und einer geringen Anfälligkeit für Mehltau und Krebs aus. Allerdings ist die Fruchtgröße mit 60-70 mm klein bis mittelgroß und die Erträge sind niedriger als bei `Delcorf´. Die Deckfarbenausbildung liegt bei 50-80 %. Dafür sind zwei bis drei Durchpflücken erforderlich.

WUR 10, eine neue Züchtung von PRI Wageningen, ist eine betont süße Apfelsorte mit einem aromatischen, knackigen und saftigen Geschmack. Diese schorfresistente Sorte reift acht bis zehn Tage vor `Golden´, hat eine mittelgroße bis große Frucht und eine flächig rote Deckfarbe.

Aus der Schweiz stammt die Neuzüchtung `Ladina´, die resistent gegen Schorf, Mehltau und Feuerbrand ist. Die attraktive Frucht wächst an einem problemlosen Baum und hat zur Ernte einen süß, saftigen, mittelaromatisches Geschmack, der nach der Kühllagerung bis Ende Dezember nachlässt. Die Lagereignung bezeichnete Baab als befriedigend bis gut.

Einen sehr guten Geschmack sowie eine sehr gute Lagerfähigkeit und ein langes Shelf life zeichnen die neue Züchtung aus Wageningen mit dem Namen `Natyra´ aus, die bis 2016 nur über die Föko an Ökobetriebe vermarktet wird. Sie reift mit `Braeburn´ in der zweiten bis dritten Oktoberwoche und benötigt ein bis zwei Pflückdurchgänge. `Natyra´ hat gute Resistenzeigenschaften bei Schorf, Mehltau und Feuerbrand und ist wenig anfällig für Gloeosporium. Trotz einiger Nachteile wie (zu) schwaches Wachstum, mäßige Erträge und Fruchtgröße erklärte Baab diese Sorte als empfehlenswert.

Absatz von Bio-Obst

Die Absatzmöglichkeiten von Bio-Obst im Rheinland stellten Alexander Krings und Dr. Andreas Mager von der RheinBioFrucht GmbH sowie Albert Fuhs von Landgard Bio dar. Als Vermarkter leidet Krings unter den Grenzen der Vermarktung. „Regionalität hat sich in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund gestellt und steht fast in Konkurrenz mit Bioware“, so Krings. Dieser versuchte den Bioobstbau attraktiver zu machen und neue Anbauer zu gewinnen. Auch Dr. Mager, der vor über zehn Jahren seine Obstproduktion auf Bio umgestellt hat, ist mit der Vermarktung zum Teil über den LEH sehr zufrieden und machte den anwesenden IP-Obstbauern Mut, auf Bioobstbau umzustellen. „Regionale Produkte machen der Bioware nur Konkurrenz, weil zu wenig einheimische Bioware verfügbar ist“, betonte Fuhs, der sich seit über 30 Jahren mit dem Ökolandbau beschäftigt und bei der Bioproduktion einen wachsenden Markt sieht.

Worauf achten beim Bioanbau?

In Rheinland-Pfalz wird zurzeit auf einer Anbaufläche von 5 300 ha Obst produziert - davon sind ca. 10 % Bioobstanbau, erläuterte Jürgen Zimmer, DLR Rheinpfalz, und unterstrich, dass Rheinland-Pfalz eine geringe aber kontinuierliche Umstellungsrate hat. „Mit über 50 % Flächenanteil ist das Kernobst und dabei der Apfel die wichtigste Obstart im rheinland-pfälzischen Ökoanbau. Den zweithöchsten Anteil besitzt der Holunder mit über 25 %. Mit 16 % Flächenanteil wird Steinobst angebaut. Von geringerer Bedeutung ist Beerenobst (ca. 2 % der Bioobstfläche). Die Vermarktung ist individuell und die Betriebe sind dabei auf sich alleine gestellt. Nachteilig in RLP ist die dezentrale Lage der Betriebe zueinander – z.T. liegen über 200 km zwischen den Biobetrieben. Eine Flächenlagerung wäre möglich, wenn Vermarkter gute Vermarktungskonzepte für den Öko-Obstbau anbieten würden, so Zimmer, der in seinem Vortrag aufzeigte, worauf bei der ökologischen Produktion von Kernobst zu achten ist. „Neben den geringeren Erträgen ist der Apfelschorf das größte Problem im Kernobst“, so Zimmer und betonte, dass die Apfelschorfbekämpfung ein ganzen System sei. Zu den „Bausteinen“, die ineinandergreifen, zählen Standortwahl, pflanzenbauliche Maßnahmen, schorfresistente Sorten, phytosanitäre Maßnahmen sowie Prognosemodelle und direkte Bekämpfungsmaßnahmen. Hierzu stehen dem Ökoanbau Kupfer, Netzschwefel und Curatio (Schwefelkalk) zur Verfügung. Kaliumhydrogencarbonat (Kaliumbicarbonat) ist Teil einer Kupferminimierungsstrategie. Beispielsweise VitiSan® oder Kumar können in Kombination mit Netzschwefel je nach Witterungsbedingungen eine zusätzliche Alternative zu Schwefelkalk darstellen. Eine weitere alternative Bekämpfungsmöglichkeit bietet MycoSin, das den Gloeosporiumbefall im Vergleich zu anderen Präparaten am besten reguliert. „Am Standort Klein-Altendorf wurden mit MycoSin und dem Tauchverfahren die besten Resultate erzielt“, erläuterte Zimmer. Mit diesem Präparat konnte auch eine leichte Reduzierung des Lagerschorfbefalls erzielt werden.

Weiterhin bereiten Regenflecken und diverse tierische Schädlinge Probleme im Bioobstanbau. Im Gegensatz zu anderen Regionen treten Regenflecken in RLP alle fünf bis sieben Jahre auf. Die Bioobstbauer wirken dem mit Kaliumhydrogencarbonaten entgegen – man muss es nur früh genug im Blick haben, betonte Zimmer. Im Bioanbau kann auch der Apfelwickler Probleme bereiten. Hier können Nematoden eingesetzt werden, die allerdings feuchte Bedingungen benötigen. Bei der Blutlaus steht dem Ökoanbau keine direkte Bekämpfungsmaßnahme zur Verfügung, so dass Nützlinge wie der asiatische Marienkäfer zum Einsatz kommen. Große Probleme bereiten vermehrt Mäuse. Dieses kann man in den Griff bekommen – ist aber teuer und arbeitsintensiv, unterstrich Zimmer.

Mechanische Baumstreifenpflege

Abschließend gab der Obstbauberater zu bedenken, dass Umstellungswillige beachten sollten, dass der Zeitaufwand im Vergleich zum Herbizideinsatz wesentlich höher sei. Bei der mechanischen Bodenbearbeitung stehen heute aber moderne Geräte zur Verfügung. Eine Auswahl dieser Maschinen wurde zum Ende der Veranstaltung im praktischen Einsatz vorgeführt und mit großem Interesse begutachtet.

Demonstriert wurde die Arbeitsweise verschiedener Geräte der italienischen Hersteller Ladurner und Vimas. Im Markt präsent sind aber noch weitere Hersteller wie z.B. Aedes oder Spedo. Für die Praktiker ist entscheidend, dass in den Baumstreifen kein zu starker Pflanzenbewuchs aufkommt, der dann das Wachstum der Kulturpflanzen erheblich im negativen Sinne beeinflussen könnte. Darüber hinaus sollte möglichst nahe an die Bäume heran gearbeitet werden können, ohne jedoch die Baumscheibe bzw. den Stamm zu beschädigen oder das Wurzelwachstum zu beeinträchtigen. Und schließlich ist natürlich - neben den Anschaffungs- und Betriebskosten – die Fahrgeschwindigkeit und Flächenleistung ein wesentlicher Aspekt für die Praktiker.

Zur Erreichung dieser Ziele bietet die Technik diverse Lösungen an. Zum Abschlagen des Bewuchses kommen z.B. mit Fäden bestückte, horizontal arbeitende Werkzeugköpfe zum Einsatz. Eine flache Aufarbeitung des Bodens mit Entfernung des Unkraut- oder Grasaufwuchses wird z.B. durch horizontal drehende Scheiben, die in Kombination mit einem Krümler knapp unter der Bodenoberfläche geführt werden, möglich. Zum gleichen Zweck werden auch Krümler (solo), niedrig bauende Kreiseleggen, Scheibeneggen oder Flachschare eingesetzt. Ein Grundgerät kann bei einigen Herstellern mit verschiedenen Anbaugeräten kombiniert werden (z.B. Spedo), was die Einsatzmöglichkeiten deutlich erhöht.

Birgit Scheel/TK


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