08.05.2015

Lagerung von Strauchbeeren

Mit dem Palliflex-System sind Rote Johannisbeeren bis zu sechs Monaten lagerfähig.

von Thomas Kühlwetter

Wenn man einen Blick auf die Statistik wirft, so hat der Anbau von Strauchbeeren im Zeitraum von 2005 bis 2014 von 5 851 auf 7 566 einen erheblichen Aufwärtstrend in Deutschland erfahren. In der Beliebtheitsskala der Verbraucher rangieren einige dieser Strauchbeerenarten – wie z.B. die Heidelbeeren – an der Spitze. Einer der Gründe für diese Entwicklung ist neben der Diversifizierung des Angebotes sicher auch die Erweiterung der Angebotszeiträume, denn Heidelbeeren und Rote Johannisbeeren sind heute – dank geeigneter Lagertechniken – zum Teil bis weit über den eigentlichen Erntezeitraum hinaus in den Regalen des Einzelhandels zu finden. Zeitgleich zu dieser Entwicklung sind auch die Importe erheblich gestiegen, so dass manche Strauchbeerenarten über den gesamten Jahreszeitraum erhältlich sind.

Zur Lagerung von Strauchbeeren stehen verschiedene technische Lösungen zur Verfügung. Doch wer sich mit diesem Thema befasst, sollte zunächst einmal die Absatzmöglichkeiten für die eigenen Erzeugnisse genau prüfen. Neben den Chancen im Markt sollten die Kosten und Risiken, die eine Lagerung der oftmals sensiblen Früchte über mehrere Wochen bis hin zu fast einem halben Jahr (bei Roten Johannisbeeren) mit sich bringt, beachtet werden. Am Beispiel der Roten Johannisbeeren ist klar, welche Aspekte vor einer möglichen Lagerung berücksichtigt werden sollten. Nach Erfahrung in der Praxis ist die Kulturführung der Bestände ein besonders wichtiger Aspekt. Die Ware sollte frei hängen und abtrocknen können. Eine Überdachung ist wünschenswert, aber noch nicht überall Standard. Besonders zur Lagerung geeignet sind noch nicht voll ausgereifte Früchte aus dem mittleren Erntefenster, sie müssen unbedingt trocken gepflückt werden. Werden feuchte Früchte geerntet oder wird nach großen Niederschlägen gepflückt, besteht die Gefahr, dass der Turgordruck in den Früchten ansteigt und diese auch noch nach dem Ablegen in die Schale im Lager aufplatzen können. Während der Lagerung trocknen diese Früchte meist ein und müssen vor der Auslieferung ausselektiert werden. Wird aus feuchten oder ungesunden Beständen geerntet, besteht während des Lagerns darüber hinaus die Gefahr der Fäulnisbildung und die späteren Schäden bei der Auslagerung können enorm sein.

Verschiedene technische Lösungen

Zur Lagerung von Strauchbeeren stehen diverse Lösungen zur Verfügung, von der Aufbewahrung in CA-ULO Kühlräumen über die Verwendung von gasdichten Palettenhauben oder semipermeablen Beuteln bzw. Folien, in deren Inhalt sich eine modifizierte Atmosphäre (MAP) einstellt. Möglich ist auch eine Lagerung in verschließbaren Kunststoffboxen, deren Deckel mit einer Membrane ausgestattet ist, unter der sich eine kontrollierte Atmosphäre mit einem geringen Sauerstoffgehalt einstellt. Gemeinsam haben all diese Verfahren, dass zunächst einmal geeignete, exakte steuerbare Kühllagerräume zur Verfügung stehen müssen. Für welches Lagerverfahren ein Erzeugerbetrieb oder  eine Vermarktungsgesellschaft sich entscheiden, hängt letztendlich von der vorhandenen bzw. noch zu errichtenden Infrastruktur, dem beabsichtigten Lagerungszeitraum sowie der gewünschten Flexibilität während der Lagerung und natürlich den Kosten ab.

Lagerung in CA-ULO Kühlräumen

Diese Technik ist auf vielen Betrieben vorhanden und wird oftmals während der Zeit der Strauchbeerenernte nicht genutzt. Während Himbeeren und Brombeeren* maximal eine Woche bei 0-2 °C und 15-20 % CO2 aufbewahrt werden können, sind Schwarze Johannisbeeren unter gleichen Bedingungen zwei bis drei Wochen haltbar, Stachelbeeren bei 0-2 °C und 12-15 % CO2 bis zu vier Wochen lagerbar und Rote Johannisbeeren bei 0-2 °C und 20-25 % CO2 für vier bis fünf Monate im CA-ULO-Lager haltbar. Wichtig für den späteren Erfolg bei der Auslagerung ist, dass das Einstellen der Ware ins Kühlhaus über einen sehr kurzen Zeitraum erfolgt und möglichst schnell die vorgegebenen Lagerkonditionen, die während der weiteren Lagerphase immer wieder zu kontrollieren sind, eingestellt werden. Da die einzelnen Partien bei den Strauchbeeren meist ein deutlich geringeres Volumen im Vergleich zur Kernobstlagerung haben, sind kleinere Kühlräume für diesen Bereich der Lagerung von Vorteil und erhöhen die Flexibilität.

Peak-Fresh: Beutel und Abdeckhauben

Weit verbreitet beim Ferntransport von Weichobst, wie z.B. Süßkirschen oder Heidelbeeren, ist die Verwendung von Beuteln bzw. Palettenabdeckhauben, in deren Innerem während der Lagerung aufgrund der Permeabilität der Folie eine modifizierte Atmosphäre (MAP) entsteht. Durch ein Einrollen und Einschlagen der Beutelecken bzw. Palettenabdeckhauben werden diese nach dem Abkühlen verschlossen. Vor dem Verbringen in die Verpackung ist es unabdingbar, dass die Beeren trocken sind und schnell auf ihre optimale Lagertemperatur abgekühlt werden. Die feuchtigkeitsregulierenden Beutel sorgen für den Erhalt der optimalen Luftfeuchtigkeit und verhindern das Austrocknen des Lagergutes. Gleichzeitig hemmen die Anti-Fog-Eigenschaften des Materials das Wachstum von Bakterien. Die Beutel sind in Gebindengrößen von 2 kg, 5 kg, 10 kg bis hin zur Palettenabdeckhaube lieferbar. Bei entsprechender Kühlung sind Heidelbeeren z.B. bis zu vier Wochen in den Beuteln haltbar.

Kunststoffboxen mit selektiven Membranen

Verschiedene Unternehmen bieten Kunststoffboxen in Größe der bekannten Obstgroßkisten an, die mit einem Deckel, der mit selektiven Membranen ausgestattet ist, verschlossen werden. Die eingelagerten Strauchbeeren veratmen O2 und die Membrane im Deckel reguliert den Austausch von O2 und CO2, so dass im Innern eine „Mini-CA-Atmosphäre“ entsteht. Nach Herstellerangaben können z.B. Rote Johannisbeeren in diesen Kunststoffkisten in einem klassischen Kühllager bei 2 °C bis zu 40 Tage gelagert werden. Sowohl bei der Aus- als auch bei der Einlagerung ermöglicht das System aufgrund des begrenzten Volumens der Kunststoffkiste eine hohe Flexibilität.

Palliflex-System

Eine hohe Flexibilität ermöglicht auch das vom niederländischen Unternehmen Van Amerongen entwickelte Palliflex-Lagersystem. Dieses eignet sich sowohl für die kurzfristige als auch langfristige Lagerung von Strauchbeeren unter CA- und ULO-Bedingungen. Die Palliflex-Einheit besteht aus einer Haube und einer Kunststoffpalette. Die Hauben sind beständig und transparent und aus PA/PE-Folie oder PU-Folie hergestellt. Haube und Palette können gasdicht miteinander verbunden werden. Einer der Vorzüge dieses Systems ist, dass die Gaskonditionen pro Palette individuell eingestellt werden können. Darüber hinaus können Fäulnisinfektionen nicht von einer Einheit auf eine andere übertragen werden. Ähnlich wie bei den vorgenannten Systemen ist auch bei Palliflex zur Kühlung der Ware ein klassisches Kühllager erforderlich.

*Quelle: Beeren lagern – nicht einfach, Dr. Daniel Alexandre Neuwald, KOB, BWagrar-23/2012

Tab.: Strauchbeerenanbau im Freiland nach Obstarten1)


Betriebe


Anbaufläche



2005

2014

2005

2014

Insgesamt

2 958

1 287

5 851

7 566

Heidelbeeren

494

406

1 411

2 083

Johannisbeeren

1 933

976

2 099

2 459

-        Rote und Weiße Johannisbeeren


541


686

-        Schwarze Johannisbeeren


435


1 773

Himbeeren

1 501

561

1 121

974

Holunder

160

121

329

619

Sanddorn

33

52

240

672

Stachelbeeren

595

310

192

259

Brombeeren

551

253

116

137

Sonstige Strauchbeeren

195

105

343

362

Anmerkungen: Bei der Gartenbauerhebung 2005 galten andere Abschneidegrenzen als für die Strauchbeeren- erhebung 2012 bis 2014. Aus diesem Grund sind die Zahlen nur eingeschränkt vergleichbar. Im Jahr 2005 wurden die Flächen von Betrieben erfasst, die mindestens eine Freilandfläche von 30 Ar bewirtschaften. Für die Strauchbeerenerhebung im Jahr 2012 bis 2014 liegt die Abschneidegrenze bei 50 Ar im Freiland bzw. 10 Ar unter hohen begehbaren Schutzabdeckungen. Der geschützte Anbau belief sich in 2014 auf 151 ha, darunter 129 ha Himbeeren

Quelle: Statistisches Bundesamt


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