06.08.2015

Neue Rote Johannisbeere `Haronia´

Haronia

Der Obstgroßmarkt Mittelbaden (OGM) hatte am 22.06.2015 zur Vorstellung der Roten Johannisbeere `Haronia´ eingeladen. Unter den Besuchern waren viele interessierte Johannisbeerproduzenten aus der Region sowie Anbauberater und die Fachpresse.

Markus Litterst, OGM-Anbauberater, und Wendelin Obrecht, Vorstandsvorsitzender des OGM, erläuterten die Bedeutung der Roten Johannisbeere für die Genossenschaft. Der Obstgroßmarkt Mittelbaden mit Sitz in Oberkirch vermarktet jährlich ca. 1 500 t Rote Johannisbeeren auf dem Frischmarkt. Hauptsorten sind im Frühbereich `Jonkher van Tets´ und `Red Lake´ und in der späten Reifeperiode `Rovada´. Durch CA-Lagerung der Hauptsorte `Rovada´ können Johannisbeeren bis Dezember angeboten werden. Im Frühgebiet Mittelbaden wird der Fokus in allen Kulturen auf Frühsorten gerichtet. So sieht der OGM die neue Frühsorte `Haronia´ als gute Ergänzung des Sortiments und aufgrund der hervorragenden Fruchteigenschaften und des Ertragsverhaltens auch mit hohem Potential.

Als „Zufallssämling“ entdeckt

Hansjörg Gmeiner, der Vater von `Haronia´, stellte die neue Sorte und deren „Lebenslauf“ vor. Die Sorte `Haronia´ ist ein Zufallssämling, den Hansjörg Gmeiner 2004 auf seinem Betrieb entdeckt hat. Die frühe Reifezeit und der gute Geschmack haben ihn dazu bewogen, die Sorte zunächst auf dem eigenen Betrieb zu vermehren und zu beobachten. 2007 hat Hansjörg Gmeiner die Vermehrung an die Baumschule Paul Kimmig übergeben. Die Sorte wurde virusfrei gemacht und als Sorte beim Bundessortenamt angemeldet. Gleichzeitig hat Gmeiner auf seinem Betrieb größere Stückzahlen aufgepflanzt und mit unterschiedlichen Anbausystemen Erfahrungen gesammelt.

Roland Fritsch, Johannisbeer-Spezialist aus Oberkirch, unterstützt seit zwei Jahren Hansjörg Gmeiner in der Anbautechnik und stellte die Sorte `Haronia´ im Detail vor. `Haronia´ reift wie `Red Lake´ ca. eine Woche nach `Jonkher van Tets´. Im Vergleich zur schwachwachsenden Sorte `Red Lake´ zeigt sie einen deutlich stärkeren Wuchs und hohe Robustheit gegen Holzkrankheiten. Sie bildet bei konsequentem Schnitt eine Vielzahl einjähriger Seitentriebe.

Große Beeren und lange Trauben

Die Wuchsleistung sorgt für große Beeren und lange Trauben und bietet Schutz gegen Sonnenbrand. Die Beeren sind leuchtend rot mit einem angenehmen Zucker-Säure-Verhältnis und sehr gutem Geschmack. Sie rieselt kaum aus, ist witterungsstabil und platzfest. Somit hat sie beste Voraussetzungen für hohe und gleichmäßige Erträge. Beim Pflanzenschutz ist die Mehltauanfälligkeit zu beachten. Interessant ist noch die Beobachtung zum Kältestundenbedarf. In der Saison 2014 zeigte `Haronia´ als einzige Sorte im Standardsortiment einen gleichmäßigen und rechtzeitigen Austrieb. Das könnte ein Hinweis auf weniger Kältestundenbedarf im Vergleich zu `Jonkher van Tets´ und `Red Lake´ sein, der allerdings noch geprüft werden muss.

In der Johannisbeeranlage von Hansjörg Gmeiner konnten die Teilnehmer die Vorzüge von `Haronia´ mit der Sorte `Red Lake´ in verschiedenen Altersstufen vergleichen. In der Anlage stehen vier- bzw. siebenjährige Pflanzen, die als Drei-Ast-Hecke erzogen werden.

Tipps zur Pflege und Erziehung

Danach beschrieb Roland Fritsch in einer `Haronia´-Junganlage mit Spindelerziehung im 3. Laub seine Vorstellung von intensivem Anbau. Der Pflanzabstand beträgt 2,5 x 0,33 m. In den ersten zwei Jahren werden alle Seitentriebe über Zapfen und  zusätzlich alle Trauben zur Vollblüte entfernt. Damit erreicht die Mitte im dritten Jahr die Endhöhe von ca. 1,8 m. Ab dem 3. Laub werden max. sechs einjährige Seitentriebe belassen. Alle weiteren Seitentriebe werden auf Zapfen zurückgeschnitten. Sämtliche Blütentrauben, die an der Mittelachse austreiben, werden entfernt. Ein Arbeitsaufwand von ca. 100 Std./ha muss hierfür eingeplant werden. Demgegenüber stehen die Einsparungen von ca. 300 Erntestunden/ha.

Direkt nach der Ernte werden die fruchttragenden Triebe über Zapfen weggenommen. Eine leichte Stickstoffdüngung fördert die Blütenknospenqualität. Der Winterschnitt wird bevorzugt schon im Oktober durchgeführt. Die Gefahr für Infektionen durch die Rotpustelkrankheit wird dadurch reduziert. Roland Fritsch kalkuliert bei diesem intensiven System einen möglichen Ertrag von 18 t/ha. Bei einer Dreiasthecke sind max. 12 t/ha machbar.

Im Baumschulquartier der Baumschule Paul Kimmig, Oberkirch, konnten sich die Teilnehmer noch von der guten Qualität des einjährigen Pflanzmaterials von `Haronia´ überzeugen. Kräftige, gesunde Pflanzen sind die Basis für eine intensive und erfolgreiche Johannisbeerkultur.

Die Lizenz für die Sorte `Haronia´ hat die Baumschulgruppe ARTEVOS. Vermehrt wird die Sorte von den Baumschulen Erich Kiefer, Ortenberg, und Paul Kimmig, Oberkirch. Für die Pflanzsaison 2015/16 ist noch eine begrenzte Anzahl einjähriger Pflanzen verfügbar.

Markus Litterst, OGM Oberkirch


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