14.01.2021

Obsthof Barum und Obstscheune Tätendorf, Barum - Professionelle Direktvermarktung

Svenja, Alexander, Helmut und Claudia Reinhart (v.l.)
Foto: Reinhart

Seit fast 40 Jahren betreibt Familie Reinhart Direktvermarktung. Neben dem selbst produzierten Obst kann man in der Obstscheune an der B4 in Barum/Tätendorf aus einem breiten Genusssortiment wählen, ein Onlineshop komplettiert das Angebot.

Auf dem Bundeskernobstseminar 2020 stellte Alexander Reinhart seinen Betrieb vor. Eigentlich sind es zwei Betriebe, die der Obstbaumeister zusammen mit seinen Eltern und seiner Frau in der Nähe von Uelzen in der Lüneburger Heide führt: Den Obsthof Barum als reinen Produktionsbetrieb und die Obstscheune Tätendorf für die Vermarktung.

Als die Eltern von Alexander Reinhart, Helmut und Claudia Reinhart, den Betrieb 1980 von ihren Eltern übernommen hatten, stellten sie relativ schnell auf Direktvermarktung um. Damals waren 15 ha Äpfel und 5 ha Schattenmorellen im Anbau, die an Wiederverkäufer vermarktet wurden. Um für die Kunden attraktiv zu sein, haben sie ihr Anbausortiment nach und nach erweitert. Heute bauen die Reinharts auf insgesamt 25 ha Fläche Obst an, davon auf 11 ha Äpfel, auf 2,5 ha Birnen, auf 2,5 ha Erdbeeren, auf 2 ha Zwetschen, auf 1 ha Süßkirschen (unter Dach) und auf 1 ha Himbeeren. Die komplette Anbaufläche ist bewässerbar.

Für Anbau und Ernte sind neben der Familie noch ein Festangestellter und bis zu 15 Saison-AK nötig. Eingelagert werden können 350 t, davon 300 t unter ULO-Bedingungen.

Café in der Scheune

Mittlerweile ist mit Alexander Reinhart die nächste Generation in das Familienunternehmen eingestiegen. Neben seinem Obstbaumeister hat er auch eine Ausbildung zum Wirtschafter für Obstbau und Obstveredelung absolviert und ist seit 2008 im Unternehmen tätig. Der Name Obstscheune kommt von der ehemaligen Verkaufsstätte – einer alten Fachwerkscheune direkt an der Bundesstraße 4. Vor gut zehn Jahren ist dort aber das Café eingerichtet worden, das 90 Innensitzplätze sowie 80 Terrassenplätze bietet. Dort kann neben dem klassischen Kaffee und Kuchen am Nachmittag auch Frühstück und Mittagessen eingenommen werden.

Die Kuchen und Torten werden alle in der hauseignen Bäckerei von „Hausfrauen der Umgebung“ möglichst mit Zutaten aus der Region bzw. vom eigenen Hof unter Leitung einer fest angestellten Konditorin hergestellt. Die Kuchen und Torten kommen so gut an, dass auch für den Außer-Haus-Verzehr (Feiern, Cafés ohne eigene Backstube) gebacken wird. Auch die wechselnden Mittagsgerichte werden nach „Hausfrauenart“ zubereitet und erfreuen sich großer Beliebtheit.

Für den Hofverkauf wurde 2009 eine neue Halle mit 500 m² Verkaufsbereich und direkt anschließendem Lagerhaus gebaut. Dort werden neben dem eigenen Obst auch – möglichst – regionales Gemüse, Wurst, Molkereiprodukte sowie Wein und Craft Bier vermarktet. Auch mit Brot und Brötchen können sich die Kunden der Obstscheune eindecken, sowohl von einem konventionellen Bäcker als auch in Bio-Qualität. Abgerundet wird das umfangreiche Sortiment durch Nudeln, Müsli, Schokolade, Tee, Kaffee und vielem mehr. Zusätzlich werden die hofeigenen Produkte an Verkaufsständen in der Umgebung vermarktet.

Verarbeiten statt entsorgen

Neben Café und Hofladen ist auch die Obstverarbeitung ein wichtiges Standbein der Obstscheune. Überkapazitäten und 2.-Wahl-Früchte aus dem Obstanbau wandern in die Mosterei und werden zu Saft verpresst. Neben dem klassischen Apfelsaft (aus verschiedenen Sorten, in der 5-l-Bag-in-Box) und Birnensaft gibt es auch sortenreine Apfelsäfte oder Mischungen mit anderen Obstarten wie Kirschen oder Aronia. Zum eigenen Saft kommt noch die Lohnmosterei für andere Obstbetriebe und Privatkunden. Diese können nach Terminvereinbarung ihr Obst zur Mosterei bringen und den Saft ihres eigenen Obstes mitnehmen.

Auch Überbestände aus dem Tagesgeschäft des Hofladens werden weiterverarbeitet. Meistens werden die Früchte zunächst tiefgefroren und dann – wenn Zeit und Mengen passen – in der Marmeladenküche verarbeitet. Über 50 verschiedene Sorten umfasst das Sortiment an Fruchtaufstrichen mittlerweile, dazu kommen noch Fruchtsoßen und Apfelmus.

Insgesamt 35 Festangestellte und rund 45 Aushilfen unterstützen die Reinharts in ihren Betrieben. Erwerben kann man die Produkte nicht nur in Tätendorf, sondern auch über den Online-Shop. Dieser wird vor allem von Kunden genutzt, die z.B. auf der Durchreise schon einmal vor Ort waren und die Produkte wieder haben möchten. Das Sortiment umfasst die Säfte und Fruchtaufstriche aus eigener Erzeugung sowie abgepackte/haltbare Produkte wie Tee, Kaffee, Müsli, Secco oder Kekse.

Marketing immer wichtiger

Auf dem Bundeskernobstseminar ging es aber nicht nur darum, die Betriebe und Vermarktungsstrukturen kennenzulernen, sondern auch einen Einblick ins Marketing zu bekommen. Alexander Reinhart stellte seinen Berufskollegen vor, was er bzw. seine Familie in Sachen Kundenbindung und –neugewinnung unternehmen.

Wichtig für die Wiedererkennung seien zum einen Logos und Fahnen in und um die Verkaufsstellen sowie – wo es geht – Werbung auf den Produkten. Hier lohnt es sich laut Alexander Reinhart, mit den Abfüllern zu sprechen, ob sich ein Firmenaufdruck realisieren lässt. Das Sortiment des Hoflandes sollte ständig weiterentwickelt werden und Artikel auch mal ausgetauscht werden.

Über ausgefallene Produkte oder Sorten (z.B. als einziger Anbieter der näheren Umgebung die Sorte `Wellant´ führen) kann man sich Alleinstellungsmerkmale erarbeiten. Für diese Produkte kommen die Kunden dann gezielt in den Hofladen. Zudem sollten Probiermöglichkeiten, z.B. für Säfte oder Apfelsorten, angeboten werden.

Auch die Homepage oder die sozialen Medien sollten genutzt werden, um Aufmerksamkeit für den Betrieb zu erzielen. Ebenso geeignet sind laut Reinhart Anzeigen in lokalen Printmedien mit Coupons oder Angeboten. Außerdem können lokale Zeitungen oder Anzeigenblätter mit Artikeln für den redaktionellen Teil mit Bezug zur aktuellen Saison versorgt werden – nebenbei ist dies kostenlose Werbung fürs Unternehmen. Auch themenbezogene Auftritte in Fernsehsendungen oder fürs Radio können die Bekanntheit der eigenen Marke steigern und neue Kunden anlocken.

Wirkungsvolle Magnete sind auch Hoffeste oder saisonale Verkaufs- oder Aktionstage wie Erdbeerfest, Apfelgenießertag usw. Auch die Möglichkeit zur Selbstpflücke lockt die Kunden auf den Hof – oft verbunden mit einem Einkauf im Hofladen. Diesen „Kickback“ kann man auch gezielt nutzen: Die Kunden erhalten bei der Selbstpflücke oder dem Besuch am Verkaufsstand auf dem Markt einen Coupon für z.B. einen Kaffee im Hofcafe; lösen sie diesen ein, kaufen die meisten dann noch im Hofladen ein. Auch Newsletter oder Kundenpostkarten können mit Coupons bestückt die Kunden (zurück) in den Laden/das Café locken.

Marion Valenta

 

Bitte als Kasten:

Corona-Jahr im Rückblick

Mit den Erntehelfern habe man überhaupt kein Problem gehabt, so Alexander Reinhart auf Nachfrage. Sowohl die Anreise als auch die Unterbringung habe wie in den letzten Jahren funktioniert. In der Gastronomie sehe es aber ganz anders aus: Insgesamt vier Monate war das Hofcafé 2020 komplett geschlossen, die meisten Mitarbeiter mussten in Kurzarbeit geschickt werden. Dies hatte aber auch zur Folge, dass Aushilfen für den Hofladen nicht beschäftigt werden durften – eine Grundregel, wenn Kurzarbeit beantragt wird. Deshalb wurden dann Mitarbeiterinnen aus dem Café kurzfristig im Hofladen eingesetzt – für alle eine Herausforderung.

„Als Familienunternehmen kennen wir unsere Mitarbeiter alle persönlich und versuchen, die zu unterstützen, die es am nötigsten haben. Zum Beispiel versuchen wir, Alleinerziehende eher weiter zu beschäftigen als Mitarbeiterinnen, deren Partner noch voll verdienen. Wir haben auch den Corona-Bonus genutzt, um unsere Mitarbeiter finanziell zu unterstützen und auch um unsere Wertschätzung auszudrücken“, so Alexander Reinhart. Mit den Umsätzen im Laden sei man in diesem Jahr eigentlich zufrieden. „Der zweite Lockdown (im Herbst) trifft uns allerdings wesentlich härter als der im Frühjahr. Wir haben jetzt deutlich weniger Kunden im Hofladen zu verzeichnen. Das mag zum einen an den höheren Infektionszahlen liegen – die Leute trauen sich vielleicht weniger raus -, aber auch die Touristen oder Pendler auf der Durchreise fehlen uns als Umsatzbringer“, resümiert Reinhart. Insgesamt zeige sich aber wieder einmal, dass es besser sei, auf mehrere Standbeine – in diesem Fall Anbau, Verarbeitung, Hofladen und Gastronomie – zu setzen. Schwächelt das eine Geschäftsfeld, kann das andere das vielleicht ausgleichen.


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