14.01.2021

Biologischer Pflanzenschutz … nicht nur in der Produktion von Bio-Stauden

Die Schlupfwespe Aphidius colemani parasitiert über 40 Blattlaus-Arten; besonders effektiv wirkt sie gegen die häufigen Arten Pfirsichblattlaus (Myzus persicae) und Grüne Gurkenlaus (Aphis gossypii)
Foto: Dr. Haardt

Mit Kleinballenstauden für die extensive Dachbegrünung, sogenannten Repositionspflanzen, und Wasserpflanzenjung- und -fertigware zählt Pflanzenkulturen Tolksdorf & Beckers im ostholsteinischen Kalübbe mit Sicherheit auch unter Biolandbetrieben zu denen mit einem nicht ganz alltäglichen Produktportfolio. Die eigene Substratherstellung, die Grunddüngung mit Hornspänen und Phytoperls, die Verwendung von Neempräparaten und Mitteln auf der Basis von Bacillus thuringiensis israelensis sowie der Einsatz von Steinernema, Hypoaspis, Phytoseiulus und Encarsia, die Mithilfe der von Natur aus anwesenden Fröschen, Molchen, Kleinfischen, Laufenten und Singvögel hätten am 6. Oktober 2020 im Rahmen der von der Fördergemeinschaft ökologischer Zier- & Gartenpflanzen (föga e.V.) unter dem Stichwort Bio-Zierpflanzen-Jahrestagung im Corona-Modus organisierten regionalen Betriebsbesichtigungen mit Sicherheit bereits für Gesprächsstoff genug gesorgt.

Mit Dr. Helmut Haardt hatte Biolandberaterin und föga-Koordinatorin Andrea Frankenberg Anfang Oktober zudem noch einen ausgewiesenen Experten zum Thema Biologischer Pflanzenschutz in der Hinterhand. Der Folientunnel bot genügend Platz, auch in Coronazeiten Abstand zu halten, ein Berufsleben im und für den biologischen Pflanzenschutz genügend Erfahrung, Knowhow und Wissen, um nach einem Überblick zu den verschiedenen Möglichkeiten, Nützlinge einzusetzen sowie biologische Pflanzenschutzmittel sinnvoll in die Produktion zu integrieren auch auf dringende und drängende Pflanzenschutzprobleme der Anwesenden einzugehen und Lösungsstrategien zu diskutieren. Dementsprechend soll auch die nun folgende Einführung in das Thema Biologischer Pflanzenschutz gewissermaßen den Rahmen setzen für eine lose Artikelreihe, in der der Leiter der Abteilung Biologischer Pflanzenschutz der re-natur GmbH Bekämpfungsstrategien für weitere Schädlinge und Schaderreger aufzeigen wird.

Eingangs erläuterte Haardt sieben gute Gründe dafür, mit Nützlingen zu arbeiten:

  • Schonung vorhandener Nützlinge (biologische Verfahren sind selektiv)
  • Keine chemischen Rückstände an Pflanzen (und Erntegut) und keine einzuhaltenden Wartezeiten
  • Hohe Wirksamkeit bei sachgemäßer Anwendung
  • Keine Gefahr der Resistenzbildung
  • Keine Belastung von Boden, Grundwasser, Luft
  • Erzielung höherer Marktpreise
  • Ausbringung leicht durchführbar, keine Schutzkleidung nötig.

Anschließend konzentrierte er sich in Rücksprache mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf die wichtigsten Schädlingsgruppen und ging als erstes detaillierter auf Blattläuse ein. Darauf folgten Weiße Fliegen, Thripse, Spinnmilben, Trauermückenlarven und Dickmaulrüssler.

Blattläuse lassen sich biologisch bekämpfen

Blattläuse stellen in unseren Breiten die artenreichste Schädlingsfamilie dar. In Deutschland gibt es etwa 800 Arten, davon sind rund 60 Arten häufig an unseren Kulturpflanzen anzutreffen. Oft ist die Farbe namensgebend wie bei der Grünen Pfirsichblattlaus oder der Schwarzen Bohnenlaus. Das Farbspektrum reicht von gelb, grün, rot, braun bis schwarz, kann aber nicht als ein eindeutiges Bestimmungsmerkmal herangezogen werden. Die Farbausprägung steht in Abhängigkeit von Umweltfaktoren wie Wirtspflanze, Jahreszeit und Generationstyp.

Mit ihren Mundwerkzeugen, die in Ruhestellung unter dem Körper anliegen, besaugen Blattläuse den Saftstrom, das Phloem. Sie scheiden einen als Honigtau bezeichneten zuckerhaltigen Kot aus, der auf befallenen Pflanzen einen klebrigen Belag bildet, auf dem sich später gern Schwärzepilze ansiedeln.

Meist in dichten Kolonien lebend, saugen sie an den Triebspitzen oder Blattunterseiten. Häufig entstehen infolge ihrer Saugtätigkeit, bei der ein giftiger Speichel abgegeben wird, Blattkräuselungen und Triebstauchungen. Aber nicht nur durch Verschmutzung, Deformationen und Saftentzug schädigen Blattläuse: Durch die Übertragung von Pflanzenviren kann es zu sehr viel gravierenderen Schäden kommen.

Der Vermehrungszyklus von Blattläusen ist ungewöhnlich, aber effektiv. Im Sommer vermehren sich Blattläuse ungeschlechtlich. Die Sommerweibchen bringen täglich drei bis sechs weibliche Junge zur Welt. Die Entwicklungszeit von der Geburt bis zur Geschlechtsreife beträgt nur 7 bis 12 Tage, so dass sich Blattläuse äußerst schnell vermehren können. Geflügelte Tiere bilden sich bei hohen Populationsdichten, um neue Pflanzen zu besiedeln und zum Herbst hin, wenn wieder Geschlechtstiere entstehen, deren Weibchen Eier legen. Dadurch wird eine geschlechtliche Regeneration möglich. Viele Arten vollführen gleichzeitig einen Wirtswechsel zu anderen Pflanzen, häufig zu Gehölzen, an denen die Eiablage stattfindet. Dieser vollständige Generationszyklus wird als Holozyclie bezeichnet. In Gewächshäusern können Blattläuse auch anholozyclisch, also ohne Einschaltung eines Eistadiums, überwintern.

Die nützlichen Gegenspieler der Blattläuse lassen sich in zwei Gruppen aufteilen: Räuber (Prädatoren) und Schlupfwespen (Parasitoide). Die räuberischen Nützlinge sind meist polyphag, Parasitoide dagegen haben oft ein enges Beutespektrum, sind also eher oligophag.

Ein relativ neues Verfahren ist der Einsatz von Schlupfwespen-Mixen wie OrnaProtect. Es enthält sechs Schlupfwespen-Arten (Aphidius colemani, A. ervi, A. matricariae, Aphelinus abdominialis, Ephedrus cerasicola und Praon volucre), mit denen erfolgreich die verschiedenen Blattlaus-Arten in gemischten Zierpflanzenkulturen bekämpft werden können. Aus den gelieferten Blattlaus-Mumien schlüpfen adulte Schlupfwespen, die Blattläuse aufspüren und Eier in sie hineinlegen. Die Schlupfwespen-Larven entwickeln sich im Inneren der Blattläuse und töten dabei ihren Wirt. Aus den sogenannten Blattlaus-Mumien schlüpft dann die neue Schlupfwespen-Generation.  Blattlaus-Räuber wie Gallmücken und Florfliegen ergänzen die Arbeit der Schlupfwespen ideal.

Aphidoletes aphidimyza ist eine heimische, nachtaktive räuberische Gallmücke, deren Larven sich von Blattläusen ernähren. Die ca. 2 mm großen Weibchen ernähren sich von Honigtau der Blattläuse und legen bis zu 200 Eier gezielt in Blattlauskolonien ab. Die nach drei Tagen schlüpfenden, orangefarbenen Larven entwickeln sich innerhalb von ein bis zwei Wochen über vier Larvenstadien. Zur Nahrungsaufnahme stechen sie die Blattläuse an und injizieren ein Lähmungsgift. Das Innere der Blattlaus wird durch die Abgabe von Verdauungsenzymen aufgelöst und ausgesaugt. Von einer Gallmückenlarve können 20-50 Blattläuse getötet werden. Nach der Larvenentwicklung erfolgt die Verpuppung im offenen feuchten Boden. Sie dauert etwa 14 Tage und endet mit dem Schlupf des erwachsenen Tieres.

Wichtig ist dabei, für eine hohe Luftfeuchtigkeit, möglichst über 70% zu sorgen. Räuberische Gallmücken sind typische Sommer-Nützlinge, mit Ansprüchen an Tageslichtlänge und -intensität. Ohne Zusatzbeleuchtung sollten sie in der Zeit zwischen Anfang September und Ende März nicht eingesetzt werden. In diesem Zeitraum kann mit Florfliegen-Larven gearbeitet werden.

Die bis 8 mm große, gelbbraun oder grau gefärbte Florfliegenlarve (Chrysoperla carnea) ist ein äußerst gefräßiges Insekt. Sie ergreift die Schädlinge mit ihren Saugzangen, injiziert ein Verdauungssekret und saugt sie aus. Eine Florfliegenlarve kann bis zu ihrer Verpuppung 500 Blattläuse vertilgen! Die Larve verpuppt sich nach etwa 14 Tagen in einem selbstgesponnenen Kokon, aus dem nach weiteren zwei Wochen eine Nymphe schlüpft und innerhalb weniger Stunden die erwachsene Florfliege. Sie ist im Gegensatz zu ihrer Larve kein Blattlausräuber, sondern ernährt sich von Nektar, Honigtau und Pollen. Von einem Weibchen können 300-700 Eier abgelegt werden, die auf ca. 1,5-2 cm langen „Stielen“ an die Pflanzen angeklebt werden. Der Stiel schützt die Eier vor anderen räuberischen Gliedertieren, wie z. B. Ameisen und Artgenossen.

Weiße Fliegen sind keine Fliegen

Weiße Fliegen gehören zu den Mottenschildläusen und nicht, wie ihr Name vermuten lässt, zu den Fliegen. Sie sind, wie die Blattläuse, Phloemsauger. Ursprünglich aus Mittel- und Südamerika wurde die Gewächshaus-Weiße Fliege (Trialeurodes vapoariorum) Mitte letzten Jahrhunderts zunächst nach England eingeschleppt. Von dort fand eine weltweite Verbreitung statt. Unter hiesigen Winterbedingungen ist ein Überleben nur im geheizten Glashaus möglich.

Beim Bewegen des Blattwerks fliegen die erwachsenen, bis ca. 2 mm großen Insekten auf. Dies ist ein sicheres Zeichen für den Befall mit Weißer Fliege, denn die Larven führen ein unscheinbares Dasein. Sie saugen an den Unterseiten der Blätter ihrer meist weichblättrigen Wirtspflanzen. Nur im ersten Stadium sind die Larven noch beweglich. Dann bilden sie ein festsitzendes, später dosenförmiges Gebilde, aus dem das geflügelte Vollinsekt schlüpft. Die Vermehrung kann sowohl geschlechtlich, als auch ungeschlechtlich erfolgen. Ein Weibchen legt täglich zwei bis sieben Eier in typischer kreisförmiger Anordnung an die Blattunterseiten ab. Sowohl die Larven, als auch die Vollinsekten (Adulte) scheiden Honigtau aus, auf dem sich später Schwärzepilze (Rußtaupilze) ansiedeln. Die Pflanzen werden durch den Saftentzug geschwächt. Weiße Fliegen sind auch Überträger von pflanzlichen Virosen.

In unserem Klimabereich ist eine Überwinterung von T. vapoariorum aufgrund der Temperaturempfindlichkeit ausschließlich an Pflanzen in geheizten Räumen und Gewächshäusern möglich. Die Gewächshaus-Weiße Fliege lässt sich mit der Schlupfwespe Encarsia formosa gut bekämpfen. Es ist eine ursprünglich aus Mittel- und Südamerika stammende, seit vielen Jahren be-währte Schlupfwespe (Erzwespe) zur Bekämpfung der Weißen Fliege (Trialeurodes vaporariorum und Bemisia tabaci). Die Nützlinge werden in Puppenform als parasitierte Larven der Weißen Fliege (Mumien) geliefert. Aus ihnen schlüpfen im Abstand einiger Tage die erwachsenen Schlupfwespen.

Das Weibchen der 0,6 mm großen Schlupfwespe parasitiert durch Eiablage bevorzugt das dritte und vierte Larvenstadium des Schädlings an den Blattunterseiten. In seiner 2-3-wöchigen Lebenszeit tötet es dabei etwa 250 Larven ab. Darüber hinaus tötet es durch die Aufnahme von Gewebsflüssigkeit zur Eigenernährung (host feeding) eine nicht unerhebliche Anzahl von Larven direkt ab.

Die gesamte Entwicklung der Schlupfwespe vom Ei über drei Larvenstadien bis hin zur Puppe und dem erwachsenen Insekt vollzieht sich in der Larve der Weißen Fliege und ist – wie bei allen Insekten – stark temperaturabhängig. Nach weiteren zwei Wochen Entwicklungszeit und insgesamt drei Wochen nach der erfolgten Parasitierung schlüpft die neue Generation von Encarsia-Weibchen aus der abgestorbenen Mumie des Schädlings durch ein kreisrundes Schlupfloch. Danach kann der Kreislauf von Neuem beginnen. Unterhalb von 18 °C entwickelt sich die Weiße Fliege schneller als E. formosa, oberhalb läuft die Entwicklung der Schlupfwespe schneller.

Eine weitere Art der Weißen Fliege, die inzwischen häufiger auftritt, ist die Baumwoll- oder Tabak-Weiße Fliege (Bemisia tabaci). Gegen diese Art sollte eine Kombination der Encarsia-Schlupfwespen mit Eretmocerus eremicus ("Eret-Mix") eingesetzt werden. Wichtig ist ein rechtzeitiges Erkennen des Befalls mit anschließender Ausbringung der auf kleinen Kärtchen befindlichen Nützlinge im Abstand von 14 Tagen. Zur Befallskontrolle haben sich beleimte Gelbtafeln bewährt. Besonders die Männchen gehen diesen gerne auf den Leim. Darüber hinaus sollten die Pflanzen regelmäßig auf Befall kontrolliert werden.

Als Räuber von Weißen Fliegen kommt die Raubwanze Macrolphus pygmaeus zum Einsatz. Da sich nur langsam eine Population aufbaut, sollte frühzeitig mit dem Einsatz begonnen werden. Bei einem vorbeugenden Einsatz kann man sterilisierte Motteneier (Sitotroga sp.) alle 14 Tage als Ersatznahrung ausbringen.

Die Raubmilbe Amblyseius swirskii kann ebenfalls in den Sommermonaten gute Dienste leisten. Eine Kombination mit Encarsia hat sich bewährt.

Mit Naturalis® gibt es auch ein biologisches Pflanzenschutzmittel auf Basis des Pilzes Beauveria bassiana gegen Weiße Fliegen. Dieses Mittel ist nur für den professionellen Pflanzenbau zugelassen. Ein Einsatz empfiehlt sich besonders auch in der kühleren Jahreszeit, in der für die Nützlinge nicht mehr ausreichende Temperaturen vorliegen.

Thripse – Fransenflügler, eine Insekten-Ordnung für sich

Thripse bilden mit ihren ca. 300 europäischen Arten eine eigene Insektenordnung. Es sind kleine, 1 bis 2 mm lange, schlanke Tiere, die überwiegend Pflanzenfresser sind. Nur wenige Arten lassen sich aufgrund ihrer räuberischen Lebensweise zu den Nützlingen zählen. Die erwachsenen Tiere besitzen zwei Paar sehr schmale Flügel, die mit langen Fransen besetzt sind, daher die Bezeichnung „Fransenflügler“. Allerdings gibt es auch Arten, die flügellos bleiben. Die Jugendstadien sind meist hell oder gelblich gefärbt, die Adulten dunkel, teilweise gestreift. Pflanzenschädliche Thripse legen ihre Eier in das Pflanzengewebe ab. Die Verpuppung erfolgt überwiegend in der Erde. Thripse verfügen über stechend-saugende Mundwerkzeuge, mit denen sie Pflanzenzellen anstechen und aussaugen. Dabei kommt Luft in die Zellen und es entsteht der typische Silberglanz der Blätter.

In den achtziger Jahren trat in hiesigen Gewächshäusern der Amerikanische Blütenthrips Frankliniella occidentalis als schwer zu bekämpfender Schädling, insbesondere in Blütenpflanzenbeständen, erstmals auf. Er frisst Pollen und saugt an anderen Teilen der Blüte. Häufig ist ein erstes Anzeichen eines Befalls mit Blütenthrips ein über die Blüte verteilter Pollen. Geschädigte Blüten welken frühzeitig. Auch Viren können von Thripsen übertragen werden, wie z.B. das Tomaten-Bronzeflecken-Virus (TSW-Virus).

Mit Raubmilben der Art Amblyseius cucumeris kann bei rechtzeitiger Erkennung des Befalls eine gute Bekämpfungsleistung erzielt werden. In den Sommermonaten sollte zusatzlich die Raubmilbe Amblyseius swirskii eingesetzt werden. Raubmilben werden sowohl zum Streuen, als auch in Form von Zuchttüten angeboten, die einfach an die Pflanzen gehängt werden. Beide Raubmilben-Arten fressen die jungen Larvenstadien der Thripse und sollten zur Bekämpfung der Thripspuppen im Boden mit der Raubmilbe Hypoaspis miles kombiniert werden. Die ebenfalls zur Bekämpfung eingesetzten Raubwanzen Orius laevigatus fressen alle Thripsstadien. Wichtig ist ein rechtzeitiges Handeln.

Blaue Leimtafeln sind speziell für die Befallskontrolle von Thripsen im Handel erhältlich. Eine weitere Methode ist das Kontrollieren der Blüten. Blaue und weiße Blüten werden offensichtlich von Frankliniella bevorzugt.

Mit Beginn der Blüte sollte ein Befall weitgehend unter Kontrolle sein, da sich die Schädlinge dann besonders schnell vermehren können.

Spinnmilben werden oft erst spät erkannt

Die am meisten verbreitete Spinnmilbenart ist die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae). Sie ist sehr polyphag (über 200 Wirtspflanzen). Von den Gewächshauskulturen werden viele Zierpflanzenarten befallen. Die erwachsenen, nur etwa 0,5 mm großen Tiere haben vier Beinpaare, während die Larvenstadien nur drei besitzen.

Die Winterform ist rötlich gefärbt, im Sommer ist T. urticae gelb bis gelbgrün mit zwei dunklen Flecken auf dem Rücken. Spinnmilben stechen mit ihren Mundwerkzeugen einzelne Pflanzenzellen an und saugen sie aus. Dadurch entstehen anfangs weißlich-gelbe punktförmige Flecke. Später erscheinen sie manchmal kupferfarben. Bei starkem Befall welken die Blätter. Spinnmilben scheiden keinen Honigtau aus, sondern hinterlassen kleine dunkel gefärbte Kotpartikel auf den Blättern.

Die Entwicklung findet nach der Eiablage über vier Stadien bis zum erwachsenen Tier statt. Sie saugen auf den Blattunterseiten, wo sie in feinen Gespinsten leben. Bei sehr starkem Befall können ganze Triebspitzen eingesponnen sein. Luftfeuchtigkeit spielt für die Vermehrung dieses Schädlings eine bedeutende Rolle: Sie vermehren sich besonders schnell bei hohen Temperaturen verbunden mit niedriger Luftfeuchte.

Im geschützten Anbau lassen sich Spinnmilben sehr gut biologisch bekämpfen, wenn rechtzeitig Raubmilben der Arten Amblyseius californicus und Phytoseiulus persimilis zum Einsatz kommen. Wichtig dabei ist es, auf Luftfeuchte von mindestens 50 % (A. californicus) bzw. 65 % (P. persimilis) zu achten. Der Einsatz von fünf bis zehn Raubmilben je m² sollte im Abstand von 14 Tagen mindestens zweimal wiederholt werden. Die Californicus-Raubmilben werden als Streuware sowie auch in Form von Zuchttüten geliefert.

Trauermücken sind nicht nur lästig

Trauermücken sind in vielen Kulturen als Lästling bekannt. Ihre Larven können aber besonders in Stecklingskulturen auch zu Pflanzenschäden führen. Die kleinen, dunkel gefärbten Mücken halten sich gern an der Bodenoberfläche auf, wo sie ihre Eier ablegen. Sie entwickeln sich besonders schnell in feuchter Erde bei hohen Temperaturen. Die beinlosen, madenförmigen Larven sind anfangs durchsichtig, später weißlich gefärbt, mit schwarzem Kopf, und fressen an jungen Wurzeln und Trieben. Bei starkem Befall bohren sich Trauermückenlarven auch in Triebe und Wurzeln ein und fressen das Pflanzengewebe von innen.

Trauermücken schädigen auf zweifache Weise: einmal, indem sie direkt Pflanzengewebe fressen, und zum anderen, indem sie hierdurch Eintrittspforten für bodenbürtige Pilzkrankheiten schaffen.

Sowohl mit insektenpathogenen Nematoden (Steinernema feltiae) als auch mit Hypoaspis-Raubmilben können Trauermückenlarven hervorragend bekämpft werden.

Dickmaulrüssler lassen sich mit Nematoden bekämpfen

Der Gefurchte Dickmaulrüssler (Otiorhynchus sulcatus) gehört zur Familie der Rüsselkäfer und hat sich zu einem bedeutenden Schädling in Baumschul- und Staudenkulturen wie Rhododendron, Azaleen, Erika, Taxus, Efeu, Cotoneaster, Ilex, Sedum u.a. entwickelt. Der schwarz gefärbte, nachtaktive Käfer ist ca. 10 mm groß. Seine Flügeldecken sind verwachsen, daher kann er sich nur laufend fortbewegen und ist recht standorttreu. Das typische Schadbild sind buchtenförmige Fraßstellen an den Blatträndern bzw. Rindenfraß an jungen Eibentrieben. Diese Schäden sind zwar hässlich, aber für die Pflanze nicht lebensbedrohend. Anders bei den Larven: Sie leben im Boden und fressen an den Wurzeln der o.g. Pflanzen. Bei starkem Befall kommt es zum Absterben der Pflanze.

Die Eiablage erfolgt von Juli bis in den Spätsommer hinein in humoses Erdreich in die Nähe der Wurzeln. Ab August schlüpfen die cremeweißen Larven. Zunächst werden die für die Wasseraufnahme wichtigen Feinwurzeln angefressen und von älteren Larven schließlich die Wurzelrinde an der Stammbasis abgenagt. Bis Mitte Mai erreichen die Larven eine Länge von 10 Millimetern und verpuppen sich dann. Die ersten Käfer schlüpfen Ende Mai/Anfang Juni. Vereinzelt überwintern auch Käfer, die im Mai Eier ablegen, aus denen im Juni die Larven schlüpfen.

Heterorhabditis bacteriophora (nematop®) ist eine einheimische, insektenpathogene Nematoden-Art, die die Larven vom Dickmaulrüssler und Wurzelbohrer befällt.

Die ca. 0,5 mm langen Nematoden dringen über Körperöffnungen in die Schädlinge ein und geben ein Bakterium aus ihrem Darm ab. Die Larve wird durch das Bakterium abgetötet und zersetzt. Die Nematoden entwickeln sich zum Erwachsenen-Stadium und vermehren sich in der Larve, bis sie vollständig verwertet ist. Dann verlassen sie im dritten Larvenstadium (Dauerlarve) den Kadaver und beginnen mit der Suche nach neuen Wirten. Bei einer Temperatur von unter 12 °C verringert sich die Aktivität der Nematoden. Unter 4 °C verfallen sie in eine Kältestarre. Eine andere Nematoden-Art, Steinernema kraussei (Nemasys L®), ist noch bei Temperaturen von fünf Grad Celsius aktiv.

Beim erstmaligen Einsatz der Nematoden sollten beide Ausbringungszeiten (Frühjahr und Herbst) genutzt werden. Danach kann eine jährliche Ausbringung, am besten im Herbst, reichen. Die Anwendung erfolgt einfach mit der Gießkanne bzw. mit Gießwagen, dem AquaNemix oder mit der Feldspritze.

Durch globale Handelsstöme und Klimaveränderung kommen in Deutschland seit ca. 20 Jahren neben O. sucatus zunehmend weitere Dickmaulrüssler-Arten als Schädlinge vor. Besonders zu erwähnen sind Weiden-Dickmaulrüssler (Otiorhynchus salicicola) und Kompakter Dickmaulrüssler (Otiorhynchus armadillo). Der Wirkungsgrad der oben genannten Nematoden ist bei diesen Arten geringer. Mehr zum Thema biologischer Pflanzenschutz dann ab Januar im Zweimonatsrhytmus an dieser Stelle.

Dr. Helmut Haardt, re-natur GmbH


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