05.04.2016

If you want to grow … let´s do it together

75 Jahre jung: Florensis

Es ist kein Nachteil, dass der Stammsitz von Florensis nicht im Westland, sondern südöstlich davon liegt: Richtung Osten und Süden spart das zwei Stunden

Zwar ist das mit der vielen Aufmerksamkeit und dem Preise gewinnen eigentlich gar nicht so das Ding seines Arbeitgebers: „Wir sind ein bescheidenes Unternehmen, unsere Firmenphilosophie könnte man am besten mit `Bleibt mal lieber auf dem Teppich´ umschreiben.“ Dennoch erlag auch Florensis im Sommer 2014 der Versuchung, den Tuinbouw Ondernemersprijs nach Hendrik-Ido-Ambacht holen zu wollen. Was folgte, war eine intensive Zeit, erinnert sich Florensis‘ Topmann Leo Hoogendoorn: „Die Jury lässt im Lauf des Auswahlverfahrens kaum einen Stein auf dem anderen.“

Das Teilnehmerfeld war groß, die Konkurrenz stark; dennoch konnte sich Florensis am Ende gleich doppelt freuen: Erst zählte der niederländische Jungpflanzenproduzent zu den vier Anfang Januar 2015 für den niederländischen Gartenbau-Oscar nominierten Betrieben; zu guter Letzt konnte Familie Hamer neben den obligatorischen Blumensträußen, einer eingerahmten Urkunde auch die bemerkenswert große Skulptur in Empfang nehmen, die seitdem das Foyer des Firmenstammsitzes zieren darf.

NL-Branchenoscar

Die Jury hielt mit Lob nicht hinter dem Berg: „Die Stärke von Florensis liegt in der Fähigkeit, in kleinen Dingen groß zu sein. Mit einem breiten Sortiment von über 4 000 Produkten beliefert das Unternehmen 7 500 loyale Kunden in Europa. Trotz starken Wachstums und hervorragenden Ergebnissen hat Florensis den Charakter eines Familienunternehmens erfolgreich bewahren können. Dies gilt auch für das soziale Engagement für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Die Anerkennung der Jury gehört Florensis für den kettenorientierten Marktauftritt mit herausragenden Produkten und die Art und Weise wie das Unternehmen strategische Kooperationen eingeht. Florensis zeigt Offenheit und Stärke; ein Top-Unternehmen mit Herz für Mitarbeiter und Kunden.”

Das Unternehmen selbst sah die Preisverleihung als Ansporn: „Der Tuinbouw Ondernemersprijs war für uns der Kickstart, auch das Jahr 2015 wieder zu einem besonderen Jahr zu machen. Wir alle, in den Niederlanden, Europa, Kenia und Äthiopien, werden zeigen, dass die lobenden Worte der Jury, für uns genau der Anreiz sind, den aktuellen Kurs fortzusetzen. Erneuern, nachhaltiger arbeiten und auf angenehme Art und Weise zusammenzuarbeiten, untereinander und mit all unseren Partnern.“

Grower of the year

Und wie könnte es anders sein, blieb auch das nicht verborgen: Ende Januar konnte Florensis beim Finale der AIPH International Grower of the Year Awards 2016 die Auszeichnung in „Gold“ in der Kategorie „Jungpflanzen“ entgegennehmen. Verkaufsleiter Hagen Kalläne kommentierte die Preisverleihung im Rahmen der IPM: „Der Sieg bedeutet für uns eine tolle Bestätigung und Wertschätzung unserer Arbeit der vergangenen Jahre. Denn eine solche Auszeichnung gilt ja nicht nur unseren Züchtungen und unserem breiten Sortiment, sondern vor allem auch der wichtigen Arbeit Drumherum: dem begleitenden Marketing, der Konsumentenansprache, der Werbung.“

Angesichts der rasanten Entwicklung, die das 1941 als Hamer Bloemenzaden gegründete Unternehmen durchgemacht hat, war diese Momentaufnahme mit Sicherheit nur ein Zwischenstopp auf dem Weg in eine noch mehr Auszeichnungen verheißende Zukunft - auch wenn CEO Herman Hamer, einer der Söhne des Firmengründers, nicht umhin kommt, einräumen zu müssen: „Es wird nicht einfach für die nächste Generation, die Wachstumsraten der letzten Jahre in der Zukunft fortzuschreiben.“ Das Geschäft mit den sog. „Bunten Tüten“ stand am Anfang; nach und nach kam der Verkauf von Jungpflanzen dazu, die in Aussaatkisten angezogen wurden - lange Zeit in relativ bescheidenem Umfang: selbst 1986 noch musste man die Unterglasfläche in Quadratmetern angeben, wollte man Stellen hinter dem Komma vermeiden.

Intelligente m2

Heutzutage beträgt die Anbaufläche unter Glas dies- und jenseits des Mittelmeeres rund 45 ha, allein am Firmenhauptsitz im südöstlich von Rotterdam gelegenen Hendrik-Ido-Ambacht werden auf 11 ha Jungpflanzen produziert. Hamer erinnert sich an die Anfänge: „Eines Tages war der Betrieb neben unserem zu verkaufen. Als ich den dann gekauft hatte, kam ein anderer Nachbar und meinte `Warum hast Du denn nicht meinen Betrieb gekauft´. So kam oft eines zum anderen.“ Nicht vergessen darf man dabei dann noch jede Menge „intelligente Quadratmeter“, wie Hamer sie nennt. Darunter versteht er derzeit rund 17 ha Unterglasfläche, die zu den absoluten Nachfragespitzen im Frühjahr bei Gemüsejungpflanzenproduzenten angemietet werden. „Diese Betriebe sind nicht nur topausgestattet, die verstehen auch ihr Handwerk.“ Ausgelagert werden aber dennoch hauptsächlich die eher unkritischeren Kulturen.

Damit noch lange nicht genug, befinden sich in Äthiopien, Kenia und Portugal weitere Florensis-Produktionstandorte, in denen hauptsächlich unbewurzelte Stecklinge sowie ein Teil des Staudensaatguts produziert werden. Weitere Flächen, auf denen im Vertragsanbau für Florensis produziert wird, befinden sich in Israel und Spanien; die Schnittblumenjungpflanzenproduktion hat Florensis in einen 4 ha großen Zweigbetrieb ins niederländische Rijssenhout ausgelagert und Stauden werden seit vorletztem Jahr auch in der Nähe von Quedlinburg produziert. Jahr rund hat Florensis rund 1200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Dienst, in Spitzenzeiten werden diese von fast ebenso vielen Zeitarbeitskräften unterstützt.

Knapp 1 Mrd. Pflanzen

Der Produktionsausstoß kratzt an der Milliardenmarke: zu den 800 Mio. aus Samen angezogenen Jungpflanzen kommen noch 130 Mio. bewurzelte Stecklinge sowie der ein und andere unbewurzelte Steckling hinzu. Die meisten Jungpflanzen bleiben in Europa: In den Niederlanden, Belgien, Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien und Polen unterhält Florensis eigene Verkaufsbüros. In Frankreich, einem der großen Absatzmärkte von Florensis, werden die Produkte von Voltz vertrieben. Aber auch Städte wie Moskau und St. Petersburg sind zuweilen auf den Versandetiketten zu finden. Hamer wenig überrascht: „Je weiter die Lieferdestination ist, umso kleiner die Bestellung.“ Damit immer noch nicht genug, vertreibt Florensis das Stecklingssortiment von Ball Seeds exklusiv in Europa, und fast schon im Gegenzug wird in Mittelamerika unter Florensislizenz für den Nordamerikanischen Markt produziert.

Der Florensis Produktkatalog, der jährlich in drei Varianten erscheint, wird in neun Sprachen übersetzt. Das neben diversen Messebeteiligungen wahrscheinlich öffentlichkeitswirksamste Event ist Florensis‘ Beitrag zu den Flower Trials, für den weder Mühe und Kosten gescheut werden. Nicht nur läuft dann der ganzjährig beeindruckende Demonstrationsgarten zu Höchstform auf, auch ein Teil der Gewächshäuser und des Parkplatzes wird in das Blumenfest integriert.

Flower Trials

„Moments in Life“ war Mitte Juni 2015 das Motto der Leistungsschau von Florensis. Anhand von Ereignissen aus dem Alltag einer Kunstperson namens Fleur Longway, die es bei Facebook immerhin auf 170 Freunde bringt, wurde der Beweis geführt, dass unser Leben ohne Blumen und Pflanzen ziemlich farblos wäre. Ebenfalls von den sozialen Medien geborgt waren die blauweißen Daumen, die als Stecketiketten nicht nur von den rund 1 700 Fachbesuchern verwendet werden durften, um besonders auffällige Sortimentsneuheiten zu kennzeichnen. Bei den Gartenbau-Profis stießen letztes Jahr sowohl Bidens `Beedance´ als auch Lavandula `Essence Purple´ auf besonders große Gegenliebe, bei den Amateuren, die traditionell am letzten Tag der Flower Trials eingeladen werden, Florensis näher kennen zu lernen, waren es die Mischtöpfe.

MPS und mehr

Letztes Jahr gab es im Rahmen der Flower Trials erstmals auch die Topfkräuter aus der Reihe „Growing Green™“ zu sehen, eines der letzten neuerschlossenen Geschäftsfelder von Florensis. Mit Biolabel zertifiziert, passen sie hervorragend zu Florensis´ Bemühungen, Nachhaltigkeit ganz obenan zu stellen. 2014 wurde entschieden, alle Produktionsstandorte sowie alle 4000 verschiedenen Produkte nach MPS-A zu zertifizieren, was Aussagen zu Pflanzenschutzmittel-, Dünger- sowie Wasser- und Energieverbrauch erlaubt; daneben sollen alle nicht-europäischen Produktionsstandorte nach MPS-Socially Qualified zertifiziert werden. Darüber hinaus engagiert sich Florensis in einer Vielzahl von Projekten, die direkt den Menschen vor Ort in Kenia und Äthiopien zugutekommen: das reicht von der Einrichtung sog. Medical Clinics in den Betrieben, der Möglichkeit zur Kinderbetreuung über Abendschulangebote bis hin zu Tipps und Tricks, wie die Mitarbeiterinnen zuhause ihr eigenes Gemüse erzeugen können.

Die ganze Kette im Blick

Im Laufe der Jahre hat sich bei Florensis aber nicht nur die Menge der produzierten Jungpflanzen vergrößert - auch innerhalb der Produktionskette nahm die Schlagkraft deutlich zu. War es lange Zeit die tatsächliche Produktion von Jungpflanzen, also das Bewurzeln der Stecklinge oder die Anzucht aus Saatgut, die Florensis´ Hauptaugenmerk war, haben sich die Schwerpunkte in den letzten Jahren leicht verlagert: mittlerweile ist Florensis nicht nur in der Züchtung ein anerkannter Spieler, auch die Abhängigkeit von externen Saat- und Steckgutproduzenten hat deutlich abgenommen. Und auch in Richtung Handel erstreckt sich das Dienstleistungsangebot immer weiter: zumindest die strategisch wichtigen Produkte sind eingebunden in Konzepte, sei es nun bspw. „Mix it – plant it – love it“ oder „summer inspirations“.

Für Hamer eine Selbstverständlichkeit: „Wir entwerfen Aufsteller, passende Töpfe, Poster und was es sonst nicht noch so alles sowohl im echten Leben als auch in der virtuellen Welt gibt. Der Produzent braucht sich um all diese Sachen keine Gedanken mehr machen. Wir entwickeln das Konzept zusammen mit dem Handel, wir liefern die Materialien und wenn es sein muss ein Schema, auf dem Stückzahlen, Kunde und Woche verzeichnet sind. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir in einem Markt operieren, bei dem die Angebotsseite aus sehr vielen kleinen Anbietern besteht. Wenn es uns auf diese Weise gelingt, all die kleinen Partien zu etwas Großem zu machen ist letztendlich doch allen gedient?“

Tim Jacobsen


Industrie-News



Informatives



Ausgabe 06/2019

 

Schädlinge und Krankheiten im Obstbau

Service

Quicklinks