11.10.2018

Leidenschaft Abelien

Gärtnermeister Klemens und Lena Keysers aus Kevelaer kultivieren blühende Kleingehölze

Lena Keysers präsentiert die Abelien auf den Freilandstellflä-chen, wo sie bis zum Verkauf die Sonne genießen
Foto: Aldenhoff

Noch ist die Abelie, ein zierlicher Strauch mit interessanter Laubfärbung und Blütenflor im Spätsommer, bei deutschen Konsumenten nicht so bekannt. Doch das soll sich ändern. Dieses Ziel verfolgen Klemens Keysers und seine Tochter Lena mit viel Herzblut und einem professionellen Marketingkonzept. Die Gärtnermeister aus Kevelaer am Niederrhein sind die einzigen in Deutschland, die diese aufwändige Kultur nicht nur produzieren, sondern auch noch selbst züchten und vermehren.

Wenn man sich die Sortimentsliste des Gartenbaubetriebes durchliest, fallen neben dem Klassiker Calluna Gardengirls® einige weniger geläufige Kulturen ins Auge: Boronia, Houttuynia, Nandina, Symphoricarpos beispielsweise. Insgesamt rund 16 verschiedene Kulturen werden in dem Familienunternehmen produziert. Jedes Jahr werden interessante Neuheiten getestet, ob sie in das Sortiment passen könnten. Mit einem hohen Qualitätsstandard, der sich schon in der Sauberkeit und modernen Ausstattung des Betriebes zeigt, behaupten sich die Gärtner, die von August bis Oktober 80 % ihrer Ware absetzen, recht erfolgreich auf einem gesättigten Markt.

Warum Abelien?

Klemens Keysers lernte seine Lieblingspflanzen vor Jahren auf einem Seminar der Landwirtschaftskammer in Straelen kennen, bei dem attraktive Kulturen vorgestellt wurden. Auf Nachfrage bei seinem Jungpflanzenlieferanten für Calluna konnte er erste Abelien (Abelia x grandiflora) bekommen und begann mit deren Kultur. Das war Mitte der neunziger Jahre. „Im ersten Jahr habe ich nichts verkauft, die sind einfach zu lang geworden“, erzählt der mittlerweile erfahrene Abelienzüchter über seine holprigen Anfänge mit der anspruchsvollen Kultur. Doch Keysers glaubte an die zierlichen Sträucher mit ihrem attraktiven Laub und den weißen Blütchen im Spätsommer. Er ließ sich nicht entmutigen, suchte sich weitere Sorten am freien Markt und lernte allmählich, wie mit ihnen umzugehen war, um kompakte, attraktive Ware zu erzielen.

Noch heute bezeichnet der Gärtnermeister die Kultur als sehr aufwändig. Jede der acht Sorten, die aktuell in dem Betrieb kultiviert wird, braucht eine andere Behandlung hinsichtlich Wasser- und Düngergaben, Stutzen und/oder Stauchen. Schon als Stecklinge haben die Sorten unterschiedliche Ansprüche. „Wichtig ist es, den richtigen Zeitpunkt mit der idealen Stecklingsreife zu erwischen“, betont Klemens Keysers. Gesteckt wird im September, im Februar und im Juni, je nachdem für welche Topfgröße produziert wird: 11er und 13er sind einjährig, 19er und 26er zweijährig und 35er sind dreijährig.

Die Stecklinge werden zunächst in Multizellplatten unter Vlies und Folie angewurzelt. Später werden sie in 9er-Topf-Platten pikiert und im Freiland abgehärtet. Getopft wird hauptsächlich im Winter. Im Frühjahr werden die Pflanzen mehrfach maschinell gestutzt und je nach Sorte auch chemisch gestaucht. Pflanzenschutzmaßnahmen sind so gut wie nicht nötig, allenfalls gibt es mal Läuse zu bekämpfen. Ab Ende Mai bis Ende Juni wird ins Freiland gerückt. Ende Juli bis Mitte Oktober läuft der Verkauf. Die größeren Topfgrößen werden mehrjährig kultiviert und daher vor dem Winter ins Gewächshaus geräumt.

Was die Züchtung neuer Sorten angeht, macht es die Abelie ihrem Liebhaber allerdings eher leicht. Insbesondere die seit Jahren freie Sorte `Prostrata´ neigt von Natur aus dazu, Mutationen in Laubfärbung und Wuchsform hervorzubringen. Da steht dann mitten im Bestand eine Pflanze mit größeren Blättern, gedrungenem Wuchs, hellerem Laub oder sogar nur einem einzelnen Trieb mit zweifarbigen Blättern. Falls diese Laune der Natur interessant aussieht, wird sie ausgesondert und über Stecklinge vermehrt. Diese Mutationen werden dann im Betrieb getestet und beobachtet. Mit etwas Glück sind es Verbesserungen bisher kultivierter Sorten oder gar Neuheiten.

Professionelles Marketing

Auf diese Weise haben sich die Keysers ihr individuelles Sortiment aufgebaut, zum Teil sind die Sorten sogar schon Mutationen von Mutationen. Was für den Verkauf interessant ist, wird zum Europäischen Sortenschutz angemeldet. So stellen die Züchter sicher, dass kein anderer ihre Sorten ungefragt nutzt. Die acht Sorten unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Laubfarbe: grün, dunkelgrün, gelb, cremefarben panaschiert, grün-gelb panaschiert oder gar dreifarbig. Überdies changieren die Blattfarben im Herbst hin zu attraktiven Lachs-, Rot- oder Lilatönen. Auch frische Austriebe im Frühjahr haben eine andere Farbe als das ältere Laub der Pflanzen. „Es gibt kaum eine Pflanze mit so vielen Nuancen – die Blätter leuchten im Spätsommer und Herbst geradezu“, erklärt der Gärtnermeister. Von Juni bis Oktober werden die Pflanzen dann noch von zahlreichen glockenförmigen Blütchen in Weiß oder Rosa überzogen, deren Kelchblätter teilweise auch nach dem Abblühen noch für rotbraune Akzente sorgen. Einige der Sorten haben sogar duftende Blüten. Für Insekten sind sie ohnehin attraktiv.

Klemens Keysers hat seinen Narren an den vielfältigen Geißblattgewächsen gefressen. Gemeinsam mit seiner Tochter Lena beschloss er vor vier Jahren, eine eigene Marke zu etablieren und so die Abelien bei deutschen Verbrauchern bekannter zu machen. In Frankreich und Italien sind Abelien schon sehr beliebt und so konnte die Familie bisher viele ihrer Pflanzen im Ausland absetzen, weil die kompakten Qualitäten dort sehr gefragt waren. Mit ihrer Marke Landladies®, die sie gemeinsam mit einer Werbeagentur sehr aufwändig und professionell aufgezogen haben, wollen die Keysers nun das Interesse der Deutschen auf die Abelie lenken. Allein die Homepage unter www.landladies.de ist schon sehenswert. Allerdings muss der Handel natürlich auch mitziehen und die Abelien mögen. Die Produkte des Gartenbaubetriebes aus Kevelaer werden bei Landgard und allen am Niederrhein ansässigen Vermarktern abgesetzt, aber auch direkt an Gartencenter.

Pflegeleicht beim Verbraucher

Während die aus Ostasien stammende Abelie ihrem Gärtner einiges an Erfahrung und Geschick abverlangt, ist sie für den Verbraucher sehr pflegeleicht. Sie ist sehr sonnenverträglich und verzeiht auch einmal trockenere Phasen. Staunässe verträgt sie allerdings nicht. Gedüngt werden sollte sie nur einmal im Frühjahr, weil sie dann im Herbst umso üppiger blüht. Abelien können im Kasten oder Kübel, aber auch ausgepflanzt im Garten Freude bereiten. Sie sind an geschützten Standorten winterhart bis -15 °C und wachsen langsam zu Büschen von bis zu 2 m Durchmesser heran. In milden Gegenden lassen sich mit den Sträuchern naturnahe Hecken gestalten. Falls sie außer Form geraten, können sie im Frühjahr einfach wieder zurückgeschnitten werden.

Sabine Aldenhoff


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