Ein Leben für den Gartenbau

Seinen 90. Geburtstag feiern konnte Edgar Gugenhan am 16. September dieses Jahres feiern. Verantwortlich für eine schier kaum zu überblickende Vielzahl von Artikeln, die er im Laufe der letzten Jahrzehnte für sowohl für den Gartenbau- als auch den Spargel- und Erdbeer-Profi verfasste, blickt unser mit dem Hans-Bickel-Preis und der Silbernen Staatsmedaille des Landes Baden-Würtemberg ausgezeichneter Gastautor Buchautor auf ein Berufsleben zurück, das ausgefüllter mit Gartenbau kaum hätte sein können: Nach Lehre und Studium engagierte Gugenhan sich erst an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg, bevor er dann bis zu seinem Ruhestand die Leitung der Justus-von –Liebig-Schule in Göppingen übernahm. Die Redaktion freut sich auf viele weitere Jahre der äußerst angenehmen Zusammenarbeit und wünscht von ganzem Herzen alles Gute!

Tim Jacobsen

04.03.2016

Sortimentsvielfalt bei Schnittblumen

Straelener Schnittblumentag 2015

In der Pause präsentierten die ausstellenden Firmen ihre Sortimente

Sortimente standen im Mittelpunkt des Straelener Schnittblumentages Ende November 2015. Andrew Gallik, Dienststellenleiter des Versuchszentrums Gartenbau Straelen/Köln-Auweiler, konnte zu dem abwechslungsreichen Programm viele Interessierte begrüßen. Nicht nur die typischen Massenprodukte und bekannten Arten unter den Schnittblumen spielten an diesem Tag eine Rolle, sondern auch Spezialitäten, Kuriositäten, Nischenprodukte und Neuheiten.

Einleitend berichtete Hans-Peter Riskes, Veiling RheinMaas, über die Sortimentsentwicklung an der Versteigerung. Zu den Top 10 an der Uhr nach Warenwert zählen Rosen, Tulpen, Gerbera, Chrysanthemen, Amaryllis, Lilien, Hortensien und Pfingstrosen (2014). Bei den Rosen hat der Anteil der mehrblumigen Sorten zugenommen, während es kaum noch kleinblumige Rosen gibt. Der Anteil der Tulpen an der Uhr habe im Jahr 2015 etwas nachgelassen, weil immer mehr Tulpen über den Festverkauf der Veiling vermarktet würden, so der Referent. Das Interesse der Kunden liege hier bei einem breiten Sortiment in schweren Qualitäten; im Bund gemischte Tulpen lägen im Trend. Bei den Gerbera sind großblumige immer weniger gefragt, ein breites Sortiment an Mini-Gerbera und Sondersorten sei wichtig für die Versteigerung. Auch im Chrysanthemen-Sortiment ist Bewegung: während ein- und mehrblumige Sorten zurückgehen, nimmt der Anteil von Santini zu. Bei Hippeastrum sind exklusive Sorten auf dem Vormarsch, neben roten und weißen Sorten werden immer mehr Amaryllis in Rosa angeboten. Auch bei Lilien sind schwere Sortierungen gefragt, Freilandware verkauft sich immer mühsamer. Immer noch Flächenzuwächse seien bei der Produktion von Schnitt-Hortensien in der Euregio zu beobachten, so Riskes. Gefragt seien sowohl Stiele in voller Blüte als auch ausgereifte Dolden; große Blütenstände seien erwünscht. Päonien erfreuen sich steigender Beliebtheit, ihr Sortiment wird immer breiter und tiefer. Aufgrund der Nachfrage wird die Saison sowohl nach vorne als auch nach hinten verlängert.

Freilandschnittstauden

Stauden standen und stehen im Mittelpunkt der Pillnitzer Forschungsprojekte zum Freilandschnitt, wie Marion Jentzsch von der Versuchsanstalt Dresden-Pillnitz berichtete. Dort wurden in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Arten und Sorten auf ihre Schnitteignung getestet. Dabei wurden wegen der vergleichsweise besseren Marktlage vor allem zeitige Absatzzeiträume betrachtet. Fragen zur Verfrühung und Kulturoptimierung im Freiland waren demnach Gegenstand der Untersuchungen, so die Referentin. In ihrem Vortrag stellte sie einige interessante Arten vor und gab dazu Anbautipps. Teile ihrer Präsentation wurden bereits im Heft 9/15 des Gartenbau-Profis veröffentlicht. Informationen sind außerdem im Internet abrufbar unter www.landwirtschaft.sachsen.de/zierpflanzen.

Gegen Unkraut in Freilandkulturen empfahl Jentsch, in Bändchengewebe zu pflanzen. Dafür müsse der Acker gut vorbereitet und organische Düngung im Vorjahr eingearbeitet werden. Löcher von 8-15 cm Durchmesser, je nach Pflanzenart, werden in das Gewebe gebrannt, sodass sie nicht ausfransen. Dies sei zwar ein gewisser finanzieller und auch Arbeitsaufwand, aber gegenüber der Alternative Handhacke und Jäten durchaus vorteilhaft. Als Nebeneffekt würde sich die Verdunstung von der Fläche verringern und Bodenwärme über Nacht länger gehalten. Die Ernte werde um ein bis drei Tage verfrüht. Die meisten Arten brächten bessere Stiellängen bei guter Stabilität. Die Fläche sei sauber und witterungsunabhängig betretbar. Allerdings gebe es auch Nachteile, so die Referentin: Mäuse und Nacktschnecken fühlten sich sehr wohl unter dem Bändchengewebe. Außerdem sei es im Winter über dem Gewebe bis zu 3 °C kälter als auf offenen Flächen, weil der Boden weniger Wärme abstrahle. Bei mehrjährigen Kulturen müsste man darauf achten, dass die Löcher nicht zu klein werden. Zu beachten sei auch, dass es einzelne Arten gibt, die sich im offenen Boden wohler fühlen.

Schnittkalanchoë

Eine außergewöhnliche Neuheit aus Dänemark präsentierte Finn Hansen, Fa. Knud Jespen, DK-Hinerup. Die Züchterfirma hat eine Schnittkalancho ë-Serie auf den Markt gebracht. Ursprünglich züchteten die Dänen nur Kalancho ë für den Topf. Darunter war eine Sorte, deren Blütendolden für eine Vermarktung auf CC-Wagen zu lange Stiele hatten. Eine Kundenanfrage aus Deutschland führte zu der Idee, eine Schnittsorte daraus zu machen. Inzwischen sind die Schnittkalancho ë unter dem Markenname Queen® in sechs verschiedenen Farben erhältlich.

Erstaunlich ist ihre Vasenhaltbarkeit von rund acht Wochen. Selbst ohne Wasser halten sie frisch, sodass sie ohne Wasser transportiert werden können. Einen Nachteil haben sie allerdings im Transport: sie brauchen über 12 °C und sollten deshalb im LKW eher mit Topfpflanzen als mit Schnittblumen transportiert werden. Das muss man wissen, sonst leidet die besondere Haltbarkeit.

Die Schnittkalancho ë werden stecklingsvermehrt und sollten ausreichend tief gepflanzt (in den Boden im Gewächshaus) und anschließend gut gewässert werden. Sie brauchen mehr Dünger als Chrysanthemen, vor allem Kalium, Calcium und Mikronährstoffe. In den ersten sechs Kulturwochen sind 18 Stunden Licht am Tag gefragt. Für die anschließende Kurztagsphase ist eine Schattierung nötig. Auch ein Stütznetz sollte nicht fehlen. Für kräftige Stiele und eine bessere Verzweigung sollten die Pflanzen gehemmt werden. Größte phytosanitäre Herausforderungen sind Läuse und Mehltau. Stiellängen von 80-100 cm sind möglich, wobei 40-60 cm normal sind. Zur Ernte sollten schon einige Blüten geöffnet sein, dann sind sie für den Kunden ansprechender. Gebündelt werden drei bis vier Stiele pro Tüte mit Tape anstatt mit Gummiband.

Nicht nur das lange Vasenleben der Schnittkalancho ë lässt aufhorchen, dabei wird das Vasenwasser nicht einmal trüb! Diesem Phänomen ist man auf die Schliche gekommen: der antiseptische Effekt eines pflanzeneigenen Enzym hält das Wasser sauber.

Auch an der Versuchsanstalt in Straelen hat man sich schon mit Schnittkalanchoë beschäftigt, wie Peter Tiede-Arlt berichtete. Im Versuch wurde nicht nur die Vermehrung per Steckling und die Kulturführung im Substrat getestet, sondern auch Erntezeitpunkte, Lagerung und Vasenhaltbarkeit. Klares Wasser ohne Frischhaltemittel eignete sich am besten. Von dem langen Vasenleben dieser Neuheit waren nicht alle Gärtner im Publikum begeistert. Doch der Versuchsleiter hielt dagegen, dass eine Blume mit einer solchen Haltbarkeit die Endkunden sicherlich begeistert und zum wiederholten Kauf anregen wird. Schade ist allerdings, dass es keine anderen Schnittblumen mit vergleichbarer Haltbarkeit gibt, mit denen die Schnittkalancho ë in Sträußen kombiniert werden könnten.

Schnittgrün aus kalter Kultur

„Coole“ Sachen aus kalter Kultur präsentierte Wolfgang Schorn vom Gartenbauzentrum Geisenheim. Schwerpunkt der Arbeit im Versuchsbetrieb sind im Zierpflanzenbau Schnittgrün, Schnittgehölze, Beet- und Balkonpflanzen, Pflanzenbelichtung mit LED und die Suche nach neuen Zierpflanzen speziell für die Eignung als Schnittgrün, erläuterte der Referent. Neue Arten werden zunächst gesichtet, auf ihre Anbaueignung geprüft und dann wird ein Kulturverfahren entwickelt, das möglichst zu Beet- und Balkonpflanzen passt und für kleinere und mittlere Betriebe mit Standardequipment umgesetzt werden kann. Die Produkte sollen besonders, nicht alltäglich sein, ein möglichst großes Marktpotenzial besitzen und mindestens zehn Tage in Leitungswasser ohne Frischhaltemittel halten, so Schorn.

Vorgestellt wurden mehrere Arten an Schnittgehölzen für die Freilandkultur im Boden, darunter Cornus alba und Cornus stolonifera in Sorten (unbelaubte Zweige), Salix-Arten (Kätzchen oder verdrehte Triebe), Callicarpa bodinieri (Zweige mit Beeren, Blätter entfernen), Rosa-Sorten (Hagebutten), Symphoricarpos (Zweige mit Beeren), Weigela floribunda (mit Blüten oder später als Laubzweig). Wie der Referent betonte, lassen sich fast alle Schnittgehölzarten aus Winter und Frühjahr ein wenig verfrühen, wenn sie 10-14 Tage warm gestellt werden.

Auch unter Glas lässt sich Schnittgrün kultivieren. In Geisenheim werden alle Kulturen im Container gehalten mit Standdauern von bis zu sechs Jahren. Im Warmhaus zu kultivieren sind Calathea musaica, Philodendron selloum und Philodendron goeldii `FunBun´. Mit dem Kalthaus geben sich zufrieden Setaria palmifolia und Asparagus `Cwebe´. Ein temperiertes Haus bevorzugen Pteris tremula und Solanum aethiopicum. Abschließend mahnte der Referent, jetzt nicht alle vorgestellten Kulturen auf einmal probieren zu wollen, sondern Geduld zu haben und den Markt vorsichtig „anzufüttern“. Die Pflanzen sollten jährlich geerntet werden, um die Produktivität zu erhalten und ein Vergreisen zu verhindern.

Sabine Aldenhoff